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Abschied nach 25 Jahren Diakonie Sozialstation Büchen

Büchen Abschied nach 25 Jahren Diakonie Sozialstation Büchen

Pflegedienstleiterin Brigitte Fricke wird heute in den Ruhestand verabschiedet – Pflegeversicherung sorgte für Boom – Abrechnungsbürokratie der Kassen nervt.

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Die Nähe zu den Menschen wie hier in der Tagespflege war Brigitte Fricke während ihrer mehr als 25-jährigen Dienstzeit bei der Diakonie Sozialstation in Büchen stets wichtig.

Quelle: Fotos: Holger Marohn

Büchen. Mit dem Mofa fährt Gemeindeschwester Lieselotte durch Büchen, um Angehörige bei der häuslichen Pflege zu unterstützen. Heute hat die Sozialstation der Diakonie 60 Mitarbeiter, die mit einem ganzen Fuhrpark täglich hunderte Kilometer fahren, um Menschen in der ganzen Region zu pflegen. Zwischen beiden Szenen liegen mehr als 25 Jahre. Ein Vierteljahrhundert voller Veränderungen, die Brigitte Fricke hautnah miterlebt hat. Heute wird die 63-jährige Leiterin der Diakonie Sozialstation Büchen in den Ruhestand verabschiedet. Ein Zufall brachte die Krankenschwester einst zur Sozialstation.

LN-Bild

Pflegedienstleiterin Brigitte Fricke wird heute in den Ruhestand verabschiedet – Pflegeversicherung sorgte für Boom – Abrechnungsbürokratie der Kassen nervt.

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„Hier in Büchen hatte die Sozialstation 1990 Personalnot, weil zwei der drei Gemeindeschwestern in Mutterschutz waren. Da bin ich für ein halbes Jahr eingesprungen“, erzählt Brigitte Fricke. Vom Bergedorfer Bethesda-Krankenhaus, wo sie als Intensivschwester arbeitete, sei sie dafür problemlos beurlaubt worden. „Als ich dann nach sechs Monaten eigentlich zurück sollte, hatte ich an der neuen Aufgabe so viel Gefallen gefunden, dass ich sofort gekündigt habe“, erinnert sich Fricke. Vor allem, dass man mit den Kunden eine ganz andere Beziehung aufbauen könne, als mit den Patienten auf einer Intensivstation, habe ihr gefallen – bis heute.

Die Büchener Sozialstation konnte die Verstärkung gut gebrauchen. Erst recht, als 1995 die Pflegeversicherung kam und die Nachfrage massiv zunahm. 320 Kunden hat die Diakonie Sozialstation inzwischen in ihrer Datei. Die Betreuung reiche dabei von der täglichen Pflege bis hin zum halbjährlichen Beratungsgespräch. In ihrer Funktion als Leiterin scheute sich Fricke auch nicht, mit den Krankenkassen den einen oder anderen Abrechnungsstreit auszufechten. „Wenn ich für einen Verbandswechsel inklusive Anfahrt nur 10,34 Euro abrechnen kann, ist das eigentlich nicht mehr zu machen“, so Fricke.

Auch Kirchengemeinderat Joachim Bretzke räumt ein, dass der Kostendruck immer größer werde. „Wir haben einen bestimmten Anspruch, wie die Arbeit und die Betreuung der Menschen ablaufen sollte. Aber vieles davon wird eben von den Pflegekassen nicht erstattet“, sagt Bretzke. Hinzu komme die Konkurrenz günstiger Pflegeanbieter. „Wir bezahlen alle Mitarbeiter nach Tarif. Aber einige Kunden vergleichen auch, was die Leistung bei den unterschiedlichen Anbietern kostet“, sagt Bretzke.

Anderseits habe die Diakonie aber auch gewisse Ansprüche an ihre Arbeit. Ansprüche, die sich im Bewertungssystem des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung nicht widerspiegle. „Um die Qualität der eigentlichen Pflegeleistung geht es dabei oft nicht“, sagt Fricke. Wenn die Kontrolleure vorbeikämen, hätten sie im Prinzip den Blick nur auf die Dokumentation. „Und wenn da irgendwo ein Satz fehlt, schlägt das gleich auf die Note durch“, so die scheidende Leiterin. Ohnehin würden die Pflegedienste mit einem immer größeren Berg von Bürokratie überschüttet. „Wir haben für uns einmal ausgerechnet, dass am Ende nur noch 50 Prozent der gesamten Arbeitzeit aller Mitarbeiter tatsächlich noch am Patienten stattfindet“, sagt Joachim Bretzke. 20 Prozent müssten für die Dokumentation aufgebracht werden, 30 Prozent für die Fahrzeiten zu den Kunden. Auch der Abrechnungsskandal osteuropäischer Pflegedienste wirke sich auf die eigene Arbeit aus. „Auch wenn das uns nicht betrifft, gibt es durchaus Kunden, die kritischer geworden sind und Berichte auch schon mal kopieren“, so Fricke.

Doch es gebe auch positive Entwicklungen. „Es ist einfach schön, wenn wieder jemand behütet im Kreise seiner Familie sterben darf und nicht noch einen Tag vorher ins Krankenhaus gebracht wird“, sagt Fricke. Die Betreuung der Angehörigen, das „einfach mal in den Arm nehmen“, sei auch eine Leistung, die keine Kasse anerkenne.

Brigitte Fricke wird heute im Rahmen eines so genannten 11er-Gottesdienstes mit dem Thema „Ich bin dann mal weg . . .“ unter der Leitung von Pröpstin Frauke Eiben in der Pötrauer Kirche ab 11 Uhr verabschiedet.

Die Diakonie-Sozialstation Büchen-Lauenburg

60 Mitarbeiter hat die Diakonie- Sozialstation Büchen-Lauenburg. Sie betreuen etwa 320 Kunden. Die Leistung reicht dabei vom halbjährlichen Beratungsgespräch bis zur täglichen Pflege und der Sterbebegleitung. Außerdem gibt es Leistungen wie Hausnotruf, Fußpflege oder die Wohngemeinschaft. Das Motto lautet „zuhören – reden – verstehen“.

Essen auf Rädern bietet insgesamt 215 Menüs von Vollkost bis zu pürierten Menüs und vegetarischer Kost – täglich warm oder wöchentlich kalt ins Haus geliefert.

Weitere regelmäßige Angebote sind das Erzählcafé (jeden 4. Donnerstag im Monat), der Seniorentreff Mittagsblume (1. und 3. Montag im Monat).

Holger Marohn

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