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Lauenburg Abwahlanträge: Kreisvorstand der AfD tief zerstritten
Lokales Lauenburg Abwahlanträge: Kreisvorstand der AfD tief zerstritten
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09:48 13.11.2017
Mölln

„Die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung verfolgt das Ziel, einen neuen Kreissprecher zu wählen, wenn der mit einfacher Mehrheit zu beschließende Abwahlantrag eine Mehrheit findet“, heißt es in dem von 13 Mitgliedern unterzeichneten Antrag. Zu den Initiatoren gehört Heinz Heckendorf. Der Ratzeburger engagierte sich bereits in der Gründerzeit in der AfD wie auch aus dem Umfeld von AfD-Gründer Bernd Lucke bestätigt wird. Bei der außerplanmäßigen Wahl des Kreissprechers im März, es war die vierte Sprecherwahl beim AfD-Kreisverband in zweieinhalb Jahren, unterlag Heckendorf nach eigenen Angaben Markus Scheb nur mit einer Stimme. Seitdem gärt es im Kreisvorstand – mal wieder.

 

AfD-Kreisvorsitzender Markus Scheb soll heute abgewählt werden. Vorwürfe weist er zurück. Quelle: Foto: Phs
Eine andere Gruppe fordert wiederum die Abwahl von unter anderem Beisitzer Heinz Heckendorf. Quelle: Foto: Mst

Die Unterzeichner des Abwahlantrages gegen Scheb werfen diesem vor, „sich über die innerparteiliche Demokratie hinweggesetzt zu haben“ und mindestens die Hälfte des Kreisvorstandes „auszugrenzen“. So hätten trotz Wahlkampfzeit Vorstandssitzungen kaum stattgefunden, Forderungen von Vorstandsmitgliedern nach Sitzungen sei erst mit einer Verzögerung von fünf Wochen entsprochen worden.

Auch den Ausfall von Veranstaltungen oder geringe Besucherzahlen kreiden die Kritiker Scheb an. „Der Kreissprecher Markus Scheb erscheint den Unterzeichnern nicht geeignet, weiterhin die politische Zukunft des Kreisverbandes erfolgreich zu gestalten.“

Scheb weist die Kritik zurück. Niemand sei ausgegrenzt worden. Vielmehr habe Heckendorf nicht authorisierte Homepages betrieben und Pressegespräche ohne Abstimmung mit dem Vorstand geführt. Einer Aufforderung zum Rücktritt sei Heckendorf nicht nachgekommen. Bereits im Sommer war gegen Heckendorf ein Parteiausschlussverfahren initiiert worden. In diesem war dem heute 83-Jährigen vorgeworfen worden, während des Nationalsozialismus Mitglied der Jugendgruppe Pimpfe des Regimes gewesen zu sein. Von einer mehr oder minder Zwangsmitgliedschaft in der Hitlerjugend war Heckendorf damals altersbedingt aber nicht betroffen. Gegenüber den LN hatte Heckendorf bestätigt, aufgrund einer Nachfrage beim Landesparteitag diese Vorgeschichte berichtet zu haben. Das AfD-Schiedsgericht lehnte Heckendorfs Ausschluss ab.

Der von den Initiatoren des Parteitages kritisierte Scheb bezeichnete die Initiative gegen Heckendorf später am Rande einer Veranstaltung in Mölln als schlecht durchgeführt. Scheb selbst war schon einmal Vorsitzender: von März 2015 bis März 2016. Dann trat er überraschend zurück. Kurz zuvor hatte der Lübecker Berufsschullehrer für Deutsch und Wipo unter anderem gesagt, dass das Thema Asyl bei der AfD „gezündet“ habe und die Flüchtlingsdiskussion als Rettung der Partei bezeichnet.

Kurz vor der Bundestagswahl hatte der AfD-Kreisverband Guido Reil, einen von der SPD zur AfD übergetretenen Bergmann für eine Veranstaltung nach Mölln geholt. Scheb hingegen zeigt sich von der Veranstaltung in einem Schreiben begeistert. Der von Scheb gelobte Reil wiederum hat nach Informationen der Funke Mediengruppe inzwischen eine Anzeige am Hals, weil er unter anderem ein Schiedsgericht der Arbeiterwohlfahrt nach seinem Rauswurf als „Volksgerichtshof“ bezeichnet hatte. Ein Begriff aus dem Nationalsozialismus. 

 Holger Marohn

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