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Lauenburg Äpfel und Zitronen für Autofahrer
Lokales Lauenburg Äpfel und Zitronen für Autofahrer
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21:58 05.09.2018
Erwin Penski war mit vorbildlichen 25km/h unterwegs. Dafür gab es ein strahlendes Zahnlückenlächeln - und einen knackigen Apfel. Quelle: Dorothea Baumm
Sterley

20 Äpfel und sieben Zitronen: Das ist die Bilanz der etwas anderen Geschwindigkeitskontrolle am Mittwoch vor der Schule in Sterley. Von 7 bis 16 Uhr ist dort montags bis freitags Tempo 30 geboten – zum Schutz der Kinder, von denen einige in die Aktion der Polizei eingebunden waren. Unter Anleitung von Polizist Michael Pahnke verteilten sie Äpfel an die Autofahrer, die sich an das Tempolimit gehalten hatten. Wer schneller als die erlaubten 30 Sachen unterwegs war, handelte sich eine Zitrone ein.

Hier sehen Sie weitere Bilder von der Aktion in Sterley

Wer Sterley kennt, weiß: Hier geht es eher ruhig zu. Und ordentlich. An diesem Mittwochmorgen war Jürgen Enskat damit beschäftigt, den Gehweg entlang der Schule zu harken. Eine Aufgabe, der er gewissenhaft nachging –und bei der er die Aktion „Äpfel und Zitronen“ bestens im Blick hatte. „Wie viele über das Tempolimit hinwegfahren, das ist doch erschreckend!“ Für Enskat ist das eine Erinnerung, selbst noch bewusster auf Beschilderung und Tempolimits zu achten. „Ich finde das gut, dass die Polizei das hier macht.“

Dass die Polizei das hier macht: Das war die Entscheidung von Michael Pahnke. Der Kommissar gehört zum Sachgebiet Prävention der Polizeidirektion Ratzeburg, „sonst haben wir diese Aktion eher in den Städten durchgeführt. Diesmal habe ich bewusst eine Schule im Nordkreis ausgewählt.“ Immerhin gibt es an dieser Schule in diesem Jahr 45 ABC-Schützen. „Und auch, wenn die Verkehrsdichte eine andere als in der Stadt ist, so ist es doch wichtig, die Kinder auf Sicherheit im Verkehr zu schulen und die Autofahrer zu sensibilisieren.

Mit Laser und Kelle

Zur Unterstützung dieser besonderen Lasermessung im 30-km/h-Bereich waren zwei Beamte vom Bezirksrevier der Polizeidirektion Ratzeburg dabei: Oberkommissar Jörg Hümpel und Polizeihauptmeister Oliver Höltig. Sie waren die Männer mit dem Laser und mit der Kelle, die wahlweise rot oder grün blinkt – und die die Knirpse immer besonders verschärft finden.

Darf ich mal? Diese drei Worte haben die beiden Polizisten, deren Alltag von Verkehrsüberwachung und -kontrollen geprägt ist, Mittwochfrüh bis zum Abwinken gehört. Und während der Laser schlicht in einer für Zweitklässler unerreichbaren Höhe aufgebaut war – nix also mit „darf ich mal“ –, gab Oliver Höltig mehrfach geduldig die Kelle aus der Hand.

Wir halten keine Verbrecher an

Die gute Nachricht vorweg: Es gingen weit mehr Äpfel aus kleinen Händen in große, als die eher unbeliebten Zitronen. „Wir halten keine Verbrecher an“, hatte Michael Pahnke den Mädchen und Jungen erklärt. „Überlegt Euch vorher, was Ihr den Autofahrern sagen wollt –und seid bitte höflich.“

Das haben die Kleinen locker hinbekommen. „Ich finde das gut, dass Du langsam fährst“, bekam Erwin Penski zu hören – verdienter Dank für seine vorbildlichen 25 km/h. Hatte er die Beamten mit dem Laser rechtzeitig erspäht? „Nein“, sagte Penski, „wir fahren hier immer so, unsere Enkelkinder gehen hier auch zur Schule.“

Für Oberkommissar Jörg Hümpel gehören Geschwindigkeitskontrollen zum Berufsalltag. Die Kontrolle mit den Zweitklässlern war eine vergnügliche Abwechslung. Quelle: Dorothea Baumm

Ilse Funke, die ebenfalls unter den erlaubten 30 Kilometern pro Stunde geblieben war, erntete ein herzerwärmendes „Gott sei Dank bist Du nicht zu schnell gefahren“, und auch Horst Wulff erntete für 25 km/h ein hinreißendes Lob: „Das hast Du toll gemacht, das mit dem langsamen Fahren.“

Die wenigen Zitronen, die die kleinen Verkehrsüberwacher an den Mann und die Frau bringen konnten, gab es mit einer liebenswerten Ermahnung, künftig noch besser auf die Beschilderung und die anderen Verkehrsteilnehmer zu achten. „Das ist nicht schön, dass sie zu schnell gefahren sind“, bekam Anke Schütt zu hören. Bei Johannes Mischo, der mit seinem Hund Schröder unterwegs war, hieß es: „Ich wünsche mir, dass Du immer so fährst, wie man darf.“ Heinrich Eggert wurde gar aufgetragen, er müsse seine Zitrone nun sofort aufessen. „Das ist aber eine dolle Strafe für 31 km/h“, kommentierte er lachend.

Jährliche Aktion zum Schulstart

Die Polizeidirektion Ratzeburg führt die Verkehrssicherheitsaktion „Äpfel & Zitronen“ jährlich mit Unterstützung der Fachdienste Bezirk der Polizeiautobahnreviere Bad Oldesloe und Ratzeburg, des Polizeireviers Bad Oldesloe sowie des Polizeireviers Schwarzenbek durch. Dabei wird die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen vor ausgesuchten Grundschulen gemessen und Schülerinnen und Schüler nehmen aktiv teil.

In diesem Jahr gibt es die Aktion, bei der so viele Autofahrer wie möglich angehalten werden, an fünf Schulen im Kreis Herzogtum Lauenburg. Polizeihauptkommissar Patrick Moser betont: „Gerade zum Schulanfang der ABC-Schützen ist es wichtig, dass die Kraftfahrzeugführer besonders auf die im Straßenverkehr noch unerfahrenen Kinder achten und auf Schulwegen, vor Kitas, Schulen und Schulbushaltestellen, sowie überall dort, wo die Verkehrsanfänger unterwegs sind, den Fuß vom Gas nehmen und besonders aufmerksam und rücksichtsvoll fahren.“

Wohlgemerkt: Die Spitzenreiterin war mit 34 km/h unterwegs – dafür hätte es im wahren Leben keine Mecker gegeben. Trotzdem zeigten sich auch die Zitronenfahrer durchaus nachdenklich, und alle Autofahrer sagten, sie fänden die Aktion absolut gut.

20 Äpfel und sieben Zitronen später wurde der Laser abgebaut und mit der Kelle im Auto verstaut, begleitete Michael Pahnke seine sechs Schützlinge sicher wieder zur Schule. Den Polizisten hat die Aktion Spaß gemacht, den Autofahrern, so wie es aussah, auch – und den Lütten sowieso. Die Eltern wird freuen, dass die Kinder etwas fürs Leben gelernt haben. „Meine Mutter darf jetzt nie mehr schnell fahren“, verkündete einer der Jungen. Sonst? „Sonst muss sie sich eine Zitrone kaufen!“

Dorothea Baumm

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