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Lauenburg Alle freuen sich auf Freitag – dann ist Tortentag
Lokales Lauenburg Alle freuen sich auf Freitag – dann ist Tortentag
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20:21 20.01.2017
Freitags ist Tortentag im Markttreff Koberg. Bettina Tönnies betreibt den kleinen Laden und backt sehr gern – zur Freude ihrer Kunden. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Der Tag zwischen Donnerstag und Sonnabend wird in Deutschland gemeinhin als Freitag bezeichnet. In der kleinen Gemeinde Koberg aber spricht man auch gern vom „Tortentag“, und der Grund dafür liegt im Markttreff des Ortes begründet. Hier, in dieser bunten Mischung aus Gemeindezentrum, Café, Dorfladen und Theatersaal, gibt es nämlich immer freitags höchst leckere Torten.

Koberg hat seit 2008 wieder ein echtes Gemeindezentrum, untergebracht in einem Kleinbauerngehöft.

Der Markttreff ist im wahrsten Sinne des Wortes der Mittelpunkt des Dorfes. Er befindet sich in einem alten Bauernhaus, dessen genaues Baujahr nicht bekannt ist. Wahrscheinlich wurde es um 1770 als typisches Kleinbauerngehöft errichtet. Zuletzt lebten hier zwei ältere Damen, die das doch schon reichlich morsche Gebäude im Jahr 2006 der Gemeinde zum Kauf anboten.

Koberg fehlte damals ein Haus für Jedermann, in dem man sich treffen, in dem man feiern und auch einkaufen konnte. Schon 1996 hatte der letzte Dorfladen geschlossen, die einst drei Gasthöfe im Ort hatten ebenfalls nach und nach aufgegeben.

„Viele kulturinteressierte und ehrenamtlich engagierte Bürger sehnten sich nach einem Gemeinschaftshaus sowie nach einer Möglichkeit, um den Einkauf des täglichen Bedarfs im Dorf erledigen zu können“, erinnert sich Bürgermeister Jörg Smolla. Doch wie konnte eine kleine Gemeinde ein stark reparaturbedürftiges Haus sanieren, es zum lebendigen Gemeindezentrum machen und nachhaltig betreiben?

Smolla: „Der Gemeindevertretung war klar, dass eine hohe Bürgerbeteiligung vonnöten war, um Akzeptanz zu erreichen. Der laufende Betrieb des Dorfzentrums sollte möglichst ehrenamtlich sichergestellt werden.“

Das gelang, und zwar durch Gründung des Vereins „Markttreff Koberg“. Zunächst waren es nur einige Interessenten, doch bald wuchs die Mitgliederzahl auf mehr als 100. Und die sorgten dafür, dass Koberg wieder einen Treffpunkt bekam, der diesen Namen verdient. Nach gründlichen Sanierungs-, Umbau- und Erweiterungsarbeiten wurde das alte Zweiständerhaus im Jahr 2008 der Öffentlichkeit übergeben und ist seitdem gar nicht mehr wegzudenken. „Die Lebensqualität in unserer Gemeinde ist durch die wieder vorhandene Nahversorgung und durch das breite Kultur- und Mitmachangebot des Vereins stark gestiegen“, freut sich Bürgermeister Smolla.

Da gibt es zum Beispiel einen im Dorf, der Theater macht: Johannes Kuhnhardt leitet die Theatergruppe „Dicht daneben“ und die Kindertheatergruppe „Volltreffer“. Beide Gruppen nutzen natürlich den Theatersaal des Markttreffs, im dem immerhin 100 Zuschauer Platz finden. „Das ist für uns der ideale Rahmen“, sagt Kuhnhardt, der sich als Ur-Koberger bezeichnet und mit viel Elan im Marktreff-Verein mitarbeitet, derzeit als stellvertretender Vorsitzender.

Er kannte das Bauernhaus noch im ehemaligen Zustand und habe sich nicht vorstellen können, wie schön es nach dem Umbau werden würde, räumt Kuhnhardt ein. Dabei habe man viel Altes erhalten, beispielsweise einige Lehmbau-Wände und ein paar bäuerliche Geräte und Einrichtungsstücke.

Heute ist im Markttreff eigentlich jeden Tag etwas los. Hier gibt es Yoga-, Tanz- und Gymnastikkurse, hier treffen sich Jugendliche in ihrem eigenen Raum, hier lädt der Verein regelmäßig zum preiswerten Mittagstisch ein, hier können Bürger aus der Gemeinde zu Geburtstagsfeiern oder anderen privaten Veranstaltungen zusammenkommen, hier wird Kultur ganz unterschiedlicher Gattungen geboten – und hier kann man einkaufen. Das ist in Dörfern ja nun keineswegs mehr selbstverständlich, doch der Laden im Marktreff, betrieben von Bettina Tönnies und ihrer Tochter Jennifer, bietet ein für einen kleinen Ort durchaus beachtliches Angebot für den täglichen Bedarf. Und dazu gehören die bereits erwähnten Torten. Bettina Tönnies legt dabei großen Wert auf Rückmeldungen ihrer Kunden: „Wenn man mir sagt, dass eine Torte besonders lecker ist, backe ich die bald wieder.“

Zur Hälfte bezuschusst

Der Markttreff in Koberg war die 25. Einrichtung dieser Art in Schleswig-Holstein. Hier wurde auch das Konzept entwickelt, und zwar vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Es wird gefördert durch den EU-Landwirtschaftsfonds, die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz des Bundes und durch das Land Schleswig-Holstein.

Damit gibt es bei der Schaffung eines Markttreffs insgesamt 50 Prozent Zuschüsse, die Gemeinde muss nur die Hälfte der Kosten tragen. Die meisten Markttreffs gibt es im Norden des Landes. Im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden bisher drei eingerichtet: in Koberg, Linau und Gülzow.

Norbert Dreessen

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