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Als Mölln ein bedeutender Binnenhafen war

Mölln Als Mölln ein bedeutender Binnenhafen war

Kaum ein Möllner kennt den Hafen besser und länger als Sven Michelsen – seine Familie betrieb dort regen Holz- und Getreidehandel – Heute befürwortet der Erste Senator die Umwandlung des Geländes am Ziegelsee in eine Hafencity.

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Dieses Luftbild zeigt den Möllner Hafen Ende der 1970’er Jahre. Zehn Schiffe zur gleichen Zeit haben am Kai angelegt. Der Kornspeicher mit roten Ziegeln (rechts im Bild) an der Spitze des Kais gehörte der Firma Getreide Michelsen. Hinter dem Gebäude sind die prall gefüllten Holzlager der Firma Friedrich Michelsen Holzimport zu erkennen.

Quelle: Fotos: Familie Michelsen/hfr, Florian Grombein

Mölln. „Mölln war ein sehr bedeutsamer Binnenhafen. Doch das ist Jahrzehnte her“, sagt Sven Michelsen. Der 58-Jährige muss es wissen. Mehrere Firmen hätten Getreide von den umliegenden Bauernhöfen umgeschlagen. Im Möllner Hafen wurde das Korn zunächst getrocknet und gelagert. Die Schiffe lagen in Reihen nebeneinander am Kai. Über die Bahnschienen oder über Lastwagen wurde das Getreide weitertransportiert. Die Bahnlinie verlief noch in der Mitte des Kais. Von beiden Seiten aus wurden die Waggons mit Gabelstaplern be- und entladen, wenn Schiffe anlegten. Teilweise lagen bis zu fünf Schiffe nebeneinander am Kai des Ziegelsees.

LN-Bild

Kaum ein Möllner kennt den Hafen besser und länger als Sven Michelsen – seine Familie betrieb dort regen Holz- und Getreidehandel – Heute befürwortet der Erste Senator die Umwandlung des Geländes am Ziegelsee in eine Hafencity.

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Sehr aktiv war auch die Firma Getreide Michelsen, die später von Raiffeisen übernommen wurde. Der große, rote Kornspeicher von Getreide Michelsen steht noch heute. Chef der Firma war Rudolf Marcellus Michelsen, Großcousin des Großvaters von Sven Michelsen. Dieser hatte in der Nachkriegszeit sowohl das Amt des Bürgervorstehers als auch das des Bürgermeisters inne. Die Firma wurde später von Raiffeisen übernommen.

Es war nur eine Firma der Familie Michelsen, die in der Eulenspiegelstadt und über die Grenzen der Stadt hinaus vor allem für den Handel mit Holz bekannt war. Sie betrieben auch das Möllner Kaufhaus Michelsen an der Ecke Haupstraße/Grubenstraße, das später als bundesweit dritte Filiale nach Wismar und Lübeck von Karstadt übernommen und bis 2009 geführt wurde.

Die 1892 gegründete Firma Friedrich Michelsen importierte über den Möllner Hafen große Mengen Rund- und Schnittholz, überwiegend aus Skandinavien. Eindrucksvoll ist das in der Firmenchronik illustriert. 1955 widmeten die Lübecker Nachrichten einem wahren Schauspiel der Binnenschifffahrt einen Artikel. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto werden 9400 Fichtenstämme, zusammengekettet zu einem gigantischen Floß, von einem Schlepper durch die Trave gezogen.

Das Holz wurde im Auftrag der Firma Michelsen von Norwegen aus über die Ostsee, die Trave und schließlich den schmalen Elbe-Lübeck-Kanal in den Möllner Ziegelsee geschleppt. Federführend war zu dieser Zeit noch Jürgen Michelsen, in dessen Fußstapfen Sohn Sven Michelsen später schlüpfte. Das große Wasserlager mit über 3000 Festmetern Holz wurde im Möllner Hafen eingerichtet. „Durchaus üblich bei Rundholz. Das Wasser verhindert den Befall mit dem Bläuepilz“, erklärt Michelsen. Die Firma hatte ihr Betriebsgelände unmittelbar am Hafen. Am eigenen Kaistück wurde das Holz entladen und mit Staplern direkt in das angrenzende Holzlager der Firma gebracht. „Zur Erntezeit war hier reichlich Betrieb. Es war Akkordarbeit“, berichtet Michelsen. Dann kamen zu dem Holzumschlag auch noch die an und abfahrenden Landwirte.

Sven Michelsen stieg 2011 aus der Firma Holz Michelsen aus und verkaufte seine Anteile an Cousin Niko Michelsen. Zusammen führten sie bis dahin die Standorte in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg vom Hauptfirmensitz in Mölln aus in der vierten Generation. Die Verwandten waren sich zuvor über die Strategie für die Zukunft der gemeinsamen Firma nicht einig. Leider entwickelten sich die Geschäfte in der Folge nicht positiv und der Standort Mölln wurde im Jahr 2013 geschlossen. Ein Kapitel, das den Unternehmer und Möllner mit Leib und Seele, Sven Michelsen, noch heute schmerzt. „Es war das Lebenswerk meiner Eltern und Großeltern“, zieht Michelsen die bittere Bilanz.

Doch Michelsen schaut nach vorn. „Das ist ein Wassergrundstück. Warum sollen wir das nicht einer vernünftigen Büro- oder Wohnnutzung zuführen“, sagt Michelsen und weist mit den Händen auf das Gelände rund um den Hafen am Ziegelsee. Die Stadt hat sich mit Zustimmung der Möllner Politik erst kürzlich das Vorkaufsrecht für das Gelände gesichert, weil Gerüchte kursieren, die Hafenbetriebe könnten ihre Geschäfte in der Eulenspiegelstadt über kurz oder lang aufgeben (die LN berichteten).

Seit 1990 bestimmt Sven Michelsen als Erster Senator und erster stellvertretender Bürgermeister die Geschicke der Eulenspiegelstadt mit. Er hat Bürgermeister kommen und gehen sehen und pflegte zu ihnen, wie er sagt, ein gutes Verhältnis – egal welches Parteibuch diese hatten. In der Möllner Stadtvertretung werde nach Möglichkeit parteiübergreifend zum Wohle der Stadt agiert, sagt der CDU-Politiker. „Es macht mir sehr viel Spaß. Ich habe mich mit Wolfgang Engelmann gut verstanden und verstehe mich auch mit Jan Wiegels sehr gut.“

Eine Hafencity als Teil der städtebaulichen Entwicklung

Nach Einschätzungen der Möllner Kommunalpolitik deutet es sich an, dass sich einzelne Hafenbetriebe am Elbe-Lübeck-Kanal zurückziehen wollen. Deshalb hat sich die Stadt in der Stadtvertretersitzung im Dezember das Vorkaufsrecht für das Gelände gesichert. Teile von Politik und Verwaltung träumen von einer Hafencity in Seelage mit Wohnungen, Büros, Dienstleistungen oder einem Hotel. Dieses Ziel sei leichter zu erreichen, wenn sich die Flächen in städtischer Hand befänden, da es in so exponierter Lage wichtig sei, mehr Entscheidungsfreiheit für die zukünftige Entwicklung zu bekommen, heißt es im aktuellen Beschluss zum Vorkaufsrecht. Dass sich im Möllner Hafen etwas ändern muss, dazu bekannte sich die Verwaltung schon mit Beschluss der Stadtvertretung auf Grundlage des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) Altstadt.

Florian Grombein

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