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Als PS noch von Zugpferden kamen

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – Annenhof in Lütau Als PS noch von Zugpferden kamen

Im Museum auf einem Bauernhof in Lütau dreht sich alles um kräftige Vierbeiner.

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Uta-Marina Hagenkötter in ihrem Museum mit jenen oft hübsch verzierten Geschirren, mit denen einst Pferde vor Bierwagen gespannt wurden.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Lütau. Wer beim Begriff „Pferdestärken“ immer nur an den Motor seines Autos denkt, der sollte sich einmal an die Alte Salzstraße nach Lütau begeben und dort den Annenhof besuchen, einen anno 1726 errichteten Bauernhof. Auf dem steht heute aber nicht mehr die Landwirtschaft im Mittelpunkt, sondern dort findet man ein Zugpferdemuseum. In dessen Räumen ist zu erfahren, was Pferdestärken über Jahrhunderte für unsere Gesellschaft bedeuteten und dass Kraft ganz ohne Motoren erzeugt werden kann.

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Im Museum auf einem Bauernhof in Lütau dreht sich alles um kräftige Vierbeiner.

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1987 erwarben Uta-Marina Hagenkötter und ihr Mann Jürgen den Hof, zu dem das Haupthaus, eine große Scheune und einige kleine Nebengebäude gehören. „Mit Landwirtschaft hatten wir eher wenig zu tun, wir sind beide Büromenschen“, sagt die Chefin des Hofes dazu. Pferde aber waren für das Ehepaar schon immer faszinierende Geschöpfe – nicht nur als Partner für Freizeit und Sport, sondern als starke Tiere, deren Kraft man höchst nutzbringend einsetzen kann. Im Jahr 2000 haben die Hagenkötters deshalb das Zugpferdemuseum eröffnet – eine Sammlung, die in dieser Form in Deutschland einmalig ist.

Ein Rundgang durch das Gebäude in Lütau informiert höchst anschaulich über die Bedeutung von Zugpferden im Laufe der Industrialisierungsphase. Da macht sich nämlich so mancher völlig falsche Vorstellungen, denn nur zu einem kleinen Teil bediente man sich der natürlichen PS in der Landwirtschaft. Die viel größere Zahl der vierbeinigen Arbeitskräfte wurde in der Industrie, im Gewerbe, beim Militär oder bei der Post eingesetzt. Hunderttausende von Zugpferden existierten einst in Deutschland, erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie nach und nach von Maschinen verdrängt.

Das Zugpferdemuseum dokumentiert einige ausgewählte Einsatzbereiche dieser vielfältigen Verkehrs- und Industriehistorie. „Bei uns gibt es Geschichte und Geschichten zum Begreifen, und das darf man wörtlich nehmen“, erklärt Geschäftsführerin Uta-Martina Hagenkötter. Deshalb bekommt auch jeder Besucher in der ehemaligen Scheune des Hofes eine Museumsführung.

Im früheren Stall ist heute ein rustikaler Seminarraum untergebracht. Den kann man zum Beispiel für Feiern mieten, hier wird aber auch gelegentlich unterrichtet. Ann-Marie Dieckmann, Tochter der Hofbesitzer, leitet nämlich die „Kleine Fuhrhalterei“, eine Fahrschule für alle, die mit Pferdegespannen unterwegs sein möchten. „Das Fahren mit Pferden ist mehr als ein Hobby, es ist lebendige Kulturgeschichte. Diesen Umstand möchten wir in Ehren halten, das Wissen vermitteln und den Funken auf die nächsten Generationen überspringen lassen“, so Uta-Marina Hagenkötter. Angeboten wird unter anderem Fahrunterricht auf den Gespannen des Annenhofes. Ein Gaststall für Pferde, die Kutschen ziehen sollen, ist auch vorhanden.

Für Wanderer, Fahrradtouristen oder Pilger, die auf der Alten Salzstraße unterwegs sind, gibt es auf dem Annenhof daneben einige Übernachtungsmöglichkeiten – nicht luxuriös, sondern eher rustikal, aber gerade das suchen jene Menschen, die hier einkehren.

Das Museum ist von Mai bis September immer sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, ansonsten gern nach Vereinbarung.

„Museum on Tour“

Das Zugpferdemuseum aus dem Lauenburgischen dokumentiert nicht nur Themen im Zusammenhang mit Mobilität, es praktiziert diese Mobilität auch, und zwar mit der Aktion „Museum on Tour“.

Interessantes aus der Sammlung in Lütau wird an anderen Orten präsentiert – oft in großen Städten, in denen man naturgemäß viel mehr Besucher erreicht als auf dem kleinen Dorf.

Den Anfang machte 2013 die umfangreiche Sonderausstellung „Zugpferde. Als Pferdestärken noch starke Pferde waren“ im Verkehrsmuseum Dresden. 100 000 Menschen wollten diese Schau sehen.

Ausstellungen unter anderem in München und Hamburg und sogar in Österreich folgten. nd

Norbert Dreessen

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