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Lauenburg Alt und oft krank: Die Kreisverwaltung geht am Stock
Lokales Lauenburg Alt und oft krank: Die Kreisverwaltung geht am Stock
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22:46 13.09.2016
„Die Krankheits- zahlen bei der Kreisverwal- tung sind ein Problem, das nur wenig maßgebend von uns zu steuern ist.“Manfred Mews, Personalentwicklung„

Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung sind immer öfter krank – und Besserung ist „aufgrund des hohen Altersdurchschnitts“ nicht in Sicht. Mit 6,8 Prozent Ausfallquote – das entspricht einem durchschnittlichen Ausfall von mehr als 16 Tagen pro Jahr – ist die Krankheitsquote gegenüber dem Vorjahr noch einmal um mehr als zehn Prozent gestiegen. Sie liegt nur knapp unter dem bisherigen Negativ-Rekordjahr 2012 (6,84 Prozent). Umgerechnet waren 2015 das ganze Jahr etwa 43 Stellen vakant. Das geht aus dem am Montag im Hauptausschuss vorgestellten Personalentwicklungsbericht der Kreisverwaltung hervor. Der Krankenstand war ein Problem, von dem Landrat Dr. Christoph Mager bei seinem Amtsantritt angekündigt hatte, es angehen zu wollen.

Als einen der Hauptgründe für den hohen Krankenstand nannte Personalentwickler Manfred Mews die Altersstruktur. Diese sei „zumindest schwierig“ warnte Mews. Etwa 60 Prozent seien älter als 50 Jahre.

Das Durchschnittsalter liege bei 46,8 Jahren. Und je älter die Kreisverwaltung durchschnittlich werde, desto mehr steige tendenziell auch die Krankheitsquote. Hinzu komme der mit zwei Dritteln relativ hohe Frauenanteil in der Verwaltung, der sich ebenfalls negativ auf die Krankheitsquote auswirke.

Mit 6,8 Prozent liegt die Krankheitsquote der Kreisverwaltung auch deutlich über der von Gesundheitsreporten verschiedener Krankenkassen. So liege dieser Wert im aktuellen Report der DAK gerade einmal bei gut vier Prozent. Dennoch warnte Mews davor, die Situation der Kreisverwaltung zu dramatisieren – und begann damit, den Wert herunterzurechnen. So würden bei den Krankenkassen anders als bei der Kreisverwaltung nicht immer die Ausfälle vom ersten Tag an erfasst, bei den Krankenkassen oft erst nach dem dritten Tag. „Wenn wir diese Kurzzeiterkrankungen zusammenzählen, kommen wir in der Kreisverwaltung auf 1800 Tage“, sagte Mews. „Würden wir grundsätzlich diese abziehen, lägen wir bei 5,6 Prozent.“ Das sei „auch nicht schön, aber deutlich näher an dem Wert der Krankenkassen“. Wenn man dann noch den Altersdurchschnitt und den hohen Frauenanteil berücksichtige, liege der Krankenstand des Kreises nicht mehr so weit von entsprechenden Vergleichwerten weg.

Nichtsdestotrotz ist die steigende Tendenz problematisch. Der Kreis benötige in den nächsten Jahren aufgrund der Altersstruktur weiterhin dringend neue Fachkräfte und eine steigende Zahl an Vertretungskräften – und das bei einer sinkenden Zahl von qualifizierten Bewerbern am Markt. „Die Krankheitszahlen sind ein Problem, das nur wenig maßgebend von uns zu steuern ist“, sagte Mews.

Was möglich sei, müsse der Kreis jedoch unternehmen. So sei ein ganzes Maßnahmenpaket geplant. Das betriebliche Eingliederungsmanagement nach Langzeiterkrankungen soll forciert werden. Mitarbeiter sollen frühzeitiger befragt werden, wie das Arbeitsumfeld verbessert werden könnte. Hinzu kommen Fortbildungen mit Themen wie „Sitzen und Bewegen am Arbeitsplatz“ oder „Belastbar am Arbeitsplatz“.

Die Hauptausschuss-Mitglieder zeigten sich nachdenklich. „Wir hatten im vergangenen Jahr ähnliche Zahlen. Können wir jetzt sagen, dass der Patient geheilt ist?“, wollte SPD-Fraktionschef Jens Meyer wissen. Mews: „Das würde ich nicht sagen, aber relativieren. Die Zahlen sind bedenklich, die Tendenz steigend. Da muss jeder Arbeitgeber etwas tun.“

Die Kreisverwaltung

643 Personen sind derzeit beim Kreis beschäftigt. Zwei Drittel davon sind Frauen. Die Mitarbeiter verteilen sich auf 541,5 Stellen. Davon sind 121,25 Beamtenstellen.

43 Stellen sind umgerechnet das ganze Jahr über krankheitsbedingt nicht besetzt. Um bei Engpässen kurzfristig Abhilfe schaffen zu können, hat der Kreis im vergangenen Jahr mehrere Springerstellen geschaffen.

Die Mitarbeiter der kreiseigenen Kreisforsten sind im Personalbericht nicht berücksichtigt. Dort gibt es noch einmal 40,25 Stellen.

 Holger Marohn

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