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Lauenburg Ziegelei in Linauer Burgruine entdeckt
Lokales Lauenburg Ziegelei in Linauer Burgruine entdeckt
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10:08 30.10.2018
Bei den Freilegungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Ritterburg Linowe in Linau, Amt Sandesneben-Nusse, fanden die Archäologen überraschend eine alte Ziegelei, die allerdings jüngeren Ursprungs als die eigentliche Burg ist. Quelle: Joachim Strunk
Linau

 Damit hatten die Geschichtsforscher des Archäologischen Landesamtes (Schleswig) nicht gerechnet: Als sie in den vergangenen Wochen und Monaten die Ruine der Raubritterburg Linowe im heutigen Linau, Amt Sandesneben-Nusse, freilegten, kam am Boden des feldsteinernen „Bergfrieds“ (= Wehrturm) eine alte Ziegelbrennerei zum Vorschein.

Diese stammt aber gewiss nicht aus der Zeit, als die gesamte „Burg“, Heim- und Wehrstätte der Herren von Scharpenberg („Scarpenberghe“), 1349 geschleift, also zerstört wurde. Jene Herren waren zur damaligen Zeit berüchtigte Raubritter, die sich gern gewaltsam benachbarter Höfe oder Dörfer bemächtigten.

2500-Mann-Heer vor Linau

Auch die Reisenden zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck waren nicht vor ihnen sicher. Sie mussten „Wegezoll“ entrichten, was oftmals in „Wegelagerei“ ausartete. Insofern wurden die Scharpenbergs seit Ende des 13. Jahrhunderts öfters bekämpft und – aufgrund ihrer wehrhaften Burg erfolglos – belagert.

1349 wurde es der Allianz aus Hamburg, Lübeck und drei holsteinischen Herzögen dann aber doch zu viel, und sie zwangen die Linauer Ritter mitsamt ihrer Burg mit einem 2500 Mann starken Heer zu Boden.

Ritterburg und Ziegelei

„Die Ziegelei muss aber erst vor 150 bis 200 Jahren hier entstanden sein“, vermutet Grabungsleiter Eicke Siegloff. Dabei nutzten die Erbauer die rund vier Meter dicken und feuerfesten Mauern des ehemaligen Wehrturms und bauten in den Innenraum die Brennkammer, bestehend aus drei Zügen.

Nicht sensationell, aber unvermutet

Von einer Feldziegelei habe er bereits aus mündlichen Überlieferungen gehört, sagte Siegloff, was Linaus Bürgermeister Jürgen Griese bestätigen konnte. „1872 gab es einen großen Brand in Linau. Danach benötigte man Ziegel für den Wiederaufbau der Häuser und Höfe.“ Ein Grund mehr für eine solche Steinbrennerei.

Der Fund ist nicht sensationell, aber unvermutet. Dass hier eine weitere Nutzung des ehemaligen Wehrturms der mittelalterlichen Raubritterfamilie der Scharpen- oder Scharfenbergs vorliegen musste, darauf wies schon die Öffnung des Fundamentrings nach Norden hin. Der Durchbruch sei für die Öffnung des Brennofens erfolgt.

Hintergrund

Die Kosten für die Freilegung und Sanierung der Denkmalstätte wurden vorher mit zwischen 90- und 120000 Euro veranschlagt. Dieses Geld sammelte der Förderverein Interessengemeinschaft Kulturdenkmal Burg Linau e.V. in jahrelanger Überzeugungsarbeit.

Mehrere Förder- und Finanztöpfe wurden dabei angezapft. So kamen 32000 Euro vom Bundesamt für Kultur und Medien, 52000 Euro von der Aktivregion Nord (EU-Mittel), 10000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie jeweils rund 15000 Euro von der Gemeinde Linau und vom Förderverein selbst.

Die Burg selbst steht bereits seit 1980 unter Denkmalschutz und damit in der Obhut des Landes. 2016 konnte sich der Förderverein mit dem Grundbesitzer Gerhard Westphal einigen, der dem Verein die Nutzung des Landes per Schenkung überließ.

Bei der Burganlage handelt es sich um drei künstlich aufgeworfene Hügel, die einstmals von einem breiten Burggraben umgeben waren. Dieser Graben ist in regenreichen Zeiten noch mit Wasser gefüllt, liegt derzeit aber gänzlich trocken. Auf dem mittleren Haupthügel war der Wehrturm errichtet, um ihn herum vermuten die Historiker weitere Gebäude, die möglicherweise auch noch durch einen Schutzzaun oder eine Mauer gesichert waren.

Die Freilegungsarbeiten sind nunmehr abgeschlossen, jetzt werden abschließende Untersuchungen vorgenommen. Und anschließend wird der „Bergfried“ zu einer gewissen Höhe wieder verfüllt, um einerseits den aus weichem Ziegel und Ton bestehenden Ofen zu schützen, der ansonsten durch die natürliche Witterung schnell verfallen würde.

Ein zweiter, noch wichtigerer Grund ist der Sicherheitsaspekt. Obwohl der Turm rund vier Meter dicke Feldsteinmauern hat, sind diese Steine jedoch nicht fest vermörtelt, sondern liegen in den unteren Schichten teilweise nur in leichtem Kalk, Gips oder sogar Sand. Das könnte zu Abbrüchen und Erosion führen.

Touristische Inwertschätzung

Der Innenraum wird also soweit aufgefüllt und die Feldsteinmauern derart befestigt, dass hier niemand zu Schaden kommen kann. Das ist insofern wichtig, da die Gemeinde Linau die alte Burg beziehungsweise den Rest der Anlage in Gestalt des Bergfrieds der Öffentlichkeit zugänglich machen will: „touristische Inwertschätzung“ nennt Siegloff diese künftige Nutzung.

Einen Vorgeschmack erhalten die Linauer Einwohner am Reformationstag. Hier sollen sie von 13 bis 16 Uhr einen Blick auf den freigelegten Wehrturm und die historische Ziegelei werfen dürfen, bevor sie bis zum nächsten Frühjahr endgültig verschwunden sein wird.

Joachim Strunk

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