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Lauenburg Amboss und Goldplättchen
Lokales Lauenburg Amboss und Goldplättchen
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18:30 21.01.2017
Aumühle

Eine kostspielige Alarmanlage? Fehlanzeige. Einbrecher, die meinen, es würde sich lohnen, bei der in Aumühle lebenden Vergolderin einzusteigen, würden – nähmen sie die Mühe eines Einbruchs auf sich – bitter enttäuscht abziehen müssen. Heike Dienemann besitzt weder Goldbarren noch Dosen mit flüssigem Gold. Sie verwendet bei ihrer Arbeit acht mal acht Zentimeter große Blattgoldplättchen in einer Stärke von einem Achttausendstel Millimeter. Das Blattgold bestellt sie in Süddeutschland, denn dort gibt es noch Familienbetriebe, sogenannte Goldschlägereien.

Heike Dienemann arbeitet in ihrer Werkstatt an einem Spiegel-Rahmen. Quelle: Foto: Lothar Neinass

Seminare und Website

Heike Dienemann veranstaltet immer in Herbst und Frühjahr in ihrer Werkstatt auf Gut Basthorst Seminare zum Vergolden und Fassmalen. Vermittelt werden aber auch Grundkenntnisse für Restaurierungen.

Weitere Informationen finden Sie im Internet auf

www.heike-dienemann.de

Ihre Werkstatt hat Heike Dienemann übrigens nicht in Aumühle, sondern in der Schmiede auf Gut Basthorst. Unter ihrem Arbeitstisch steht sogar noch der große Amboss. Passt der überhaupt zu der feinen Arbeit der Vergolderin? Allerdings: auch große Wappen und Symbole werden vergoldet.

Vor einigen Jahren hat Heike Dienemann mit ihrer Kollegin den Schriftzug am „Streits“ in Hamburg vergoldet. Dabei stand sie auf einem Gerüst in 15 Metern Höhe über dem Jungfernstieg – das war spektakulär. Aktuell ist sie dabei, die mehr als drei Meter großen Löwen des Finnlandhauses zu restaurieren. Die vier Finnland-Löwen liegen in einer größeren Werkstatt in Hamburg.

Wie wird man Vergolderin? „In Süddeutschland heißt dieser Beruf Kirchenmaler oder Fassmaler. Ich war fasziniert von barocken Kirchen, Gebäuden und antiken Möbeln. Mein Wunsch war es, Restauratorin zu werden. Die Lehre für Vergolder dauert drei Jahre, die einzige Berufsschule befindet sich derzeit in München. Nach langjähriger Mitarbeit bei einer Vergolderin in Hamburg habe ich anschließend noch eine ganz klassische Tischlerlehre gemacht, um Kenntnisse über das Grundmaterial Holz zu erwerben“, erzählt Heike Dienemann. Aber: „Mein Herz hing immer am Gold.“

Beim Vergolden steht zunächst nicht das Blattgold im Mittelpunkt. Entscheidend sind die Untergründe, der Kreidegrund, der aus bis zu zwölf verschiedenen Schichten besteht. „Die Zusammensetzung für jede einzelne Grundierung ist die eigentliche Kunst. Da benötigt man sehr viel Erfahrung, um die richtige Zusammensetzung und Dichtigkeit zu finden. Die ersten Schichten sind dicker und der letzte Auftrag ist dann hauchdünn“, beschreibt Heike Dienemann einen Teil ihrer Arbeit.

Mit einem Pinsel wird das hauchdünne Blattgold in Spiritus aufgelegt, angeschlossen , wie die Fachleute sagen. Der flache Pinsel besteht aus Fehhaar vom russischen Eichhörnchen, das zwischen zwei Pappstreifen befestigt ist.

Bei der Verarbeitung wird der Pinsel durch Streichen über die Wange leicht gefettet, anschließend wird damit das Gold aufgenommen und haftet in der Flüssigkeit durch Adhäsion (von lateinisch adhaerere „anhaften“) auf dem Untergrund, dem Poliment. Wenn die Fläche mit Blattgold belegt und alles abgetrocknet ist, kann das Gold mit einem Achatstein poliert werden. Dadurch bekommt das Edelmetall seinen Glanz. Im Spiegelsaal des Bergedorfer Rathauses hat Heike Dienemann auf diese Art die Restaurierung der Wandflächen ausgeführt.

Heike Dienemann ist nicht nur Vergolderin. Ihr zweites Standbein ist die Fassmalerei. Durch dieses alte Handwerk werden die Arbeiten von Schnitzern oder Bildhauern mit Hilfe bestimmter Farbaufträge aufgewertet. Durch die Fassung werden Skulpturen, Möbelstücke, Spiegel oder Rahmen erst lebendig.Tiefen oder Erhebungen werden erkennbar, Gesichter bekommen Konturen.

Der Fassmaler hatte im Mittelalter übrigens einen höheren Stellenwert, als die eigentlichen Künstler, die Bildhauer und Schnitzer. Grundlage für die Farbfassung ist wie beim Vergolden der Kreidegrund. Durch Fassmalerei können restaurierte Stücke ein antikes Aussehen erhalten.

„Möbel kann man künstlich altern lassen und historischen Charme durch unterschiedliche Farblasuren und Patina hervorzaubern. Dieses antike Aussehen wirkt tiefer in der Farbgebung, eben nicht angestrichen“, erläutert die Künstlerin bei einer Besichtigung in ihrer Werkstatt.

Bei Restaurierungen ergänzt sie sich mit ihrem Mann Hans Dienemann. Er ist geprüfter Restaurator im Handwerk. Das ist Teamarbeit: An wertvollen Möbeln oder Plastiken verfestigt er zunächst Abplatzungen und Verzierungen, bevor seine Frau die Oberflächen erstellt und sie abschließend an die vorhandene Optik angleicht.

Lothar Neinass

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