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Amokdrohung an Geesthachter Schule

Geesthacht Amokdrohung an Geesthachter Schule

„ALLE TOT AMOKLAUF“ hatte jemand auf die Mauer geschmiert, woraufhin Polizei und Schulleiter entschieden, die Bertha-von-Suttner-Schule zu räumen. 1000 Kinder wurden wieder nach Hause geschickt.

Geesthacht. Ausnahmezustand an der Bertha-von-Suttner-Schule (BvS) in Geesthachts Oberstadt: Unbekannte hatten einen Amoklauf angedroht. „Wir haben die Lage gemeinsam mit der Schulleitung bewertet und entschieden, die Schule zu schließen“, erklärte Geesthachts Polizeichef Andreas Dirscherl. Mehr als 1000 Schüler der ersten bis zur zehnten Klassen mussten wieder nach Hause, auch die Lehrer und die Putzfrauen verließen das Gebäude vorsorglich.

Traurige Schlagzeilen

Seit einem Amoklauf an einem Erfurter Gymnasium 2002 mit 16 Toten wird das Thema Amok-Androhung auch in Deutschland sehr ernst genommen.

Ebenfalls 16 Tote gab es beim Amoklauf von Winnenden 2009 in der Albertville-Realschule. Der 17-jährige Tim Kretschmer tötete 15 Menschen und zuletzt sich selbst.

„Es gab eine Dienstanweisung, dass niemand mehr in den Gebäuden sein darf“, erklärte Jürgen Sievers, kommissarischer Schulleiter der BvS. Er hielt allein die Stellung. Passiert ist entgegen der Ankündigung nichts — glücklicherweise.

Es war gegen 7.30 Uhr, als Schüler, im Schnee auf eine Tischtennisplatte auf dem Schulhof und mit einer Tonscherbe auf eine Fensterbank am Nebeneingang geschrieben, die auf einen Amoklauf hinweisenden Schriftzüge an der Schule entdeckten. Sofort informierten sie die Schulleitung. Die zog die Polizei hinzu.

Unter dem Schutz mehrerer Polizisten mussten die Schüler die beiden Schultanlagen der BvS am Schulweg und am Dösselbuschberg verlassen. Während die Kinder ab der 5. Klasse selbstständig entlassen wurden, mussten die Lehrer aus der Grundschule die Kinder in die Obhut von Eltern übergeben. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Kinder nicht solange in der Schule bleiben müssen, sondern an einen sicheren Ort geführt worden wären“, sagte Jenny Belitz, als sie gegen 8.45 Uhr Tochter Jamie (9) und drei Mitschüler abholte. „Ich bin von einer anderen Mutter informiert worden und konnte es mit der Arbeit zum Glück einrichten“, sagte Belitz. In anderen Fällen gestaltete sich die Abholung der Kinder schwieriger, denn die BvS ist eine gebundene Ganztagsschule. Viele Eltern setzen auf die Betreuung ihrer Kinder bis 15.30 Uhr.

Die Lehrer hatten Telefonketten gestartet und so die Eltern der Grundschüler informiert. An den Elternvertretern Volker Samuelsson und Volker Harburg ging das vorbei. „Uns hat niemand informiert, wir haben das über soziale Netzwerke erfahren“, berichtete Harburg. Die beiden Elternvertreter eilten sofort zur Schule, um sich zu informieren. Dort hatten Dirscherl und Sievers ihre Beratung schnell abgeschlossen. „Es gab zwei Hinweise. Einer mit einer Uhrzeit auf 12.30 Uhr, der andere für 15.30 Uhr. Wir hatten also einen gewissen Vorlauf, alles in die Wege zu leiten“, sagte Dirscherl. Schon gegen 9.30 Uhr war am Dösselbuschberg niemand mehr in der Schule, am Schulweg dauerte es etwas länger, ehe alle Kinder abgeholt waren.

Dirscherl: „Wir setzen jetzt darauf, dass die Lehrer das Thema im Unterricht aufgreifen, und wir werden als Polizei nicht nur weiter Präsenz zeigen, sondern in den Klassen in der kommenden Woche auch darüber informieren, was so eine Androhung auslösen kann.“ Der Polizeichef warnte davor, so etwas auf die leichte Schulter zu nehmen. „Der Schreck wäre sicher groß, wenn unser Einsatzkommando anrücken müsste“, sagte er.

Es war nicht die erste Androhung eines Amoklaufs an der BvS. Fast auf den Tag genau hatte es vor einem Jahr am 9. Februar 2015 eine ähnliche Drohung gegeben. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden. „Auch diesmal haben wir noch keine Hinweise auf Tatverdächtige und werden wohl auch nicht über die Schrift jemanden ermitteln können“, erklärte Dirscherl. Sollte ein Täter ermittelt und verurteilt werden, droht ihm neben einer empfindlichen Strafe auch eine Kostenforderung für den Einsatz.

Timo Jann

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