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Lauenburg Amtsvorsteher auf Wohnungssuche
Lokales Lauenburg Amtsvorsteher auf Wohnungssuche
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12:28 19.10.2015
„Sie sind nicht nur sauber, Flüchtlinge sind oft sehr sauber.“ Friedhelm Wenck, Amtsvorsteher
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Niendor

f/Stecknitz. Friedhelm Wenck ist ein gestandener Kommunalpolitiker. Seit mehr als 20 Jahren vertritt der Niendorfer Bürgermeister als Amtsvorsteher auch die elf Dörfer des Amtes Breitenfelde. So manche Herausforderung hat er in den Jahren bewältigen müssen. Doch die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge fordert ihn wie wie selten. Während einer Einwohnerversammlung in seinem Heimatort berichtete er nun der Dorfschaft von seinen teilweise erschreckenden Erfahrungen.

Täglich, teilweise mehrmals, sei er in Sachen Flüchtlingsunterbringung und Betreuung gefordert: Wohnungsbesichtigungen, Miet- oder Kaufverhandlungen, Gespräche auf Amts-, Kreis- oder Landesebene.

Immer wieder müsse er Rückschlage auch hinnehmen, stoße neben vielen positiven Rückmeldungen immer wieder auf Unverständnis, so Wenck.

40 bis 50 Immobilien habe er sich allein in diesem Jahr schon angesehen. „Immer wieder ist von Vermietern zu hören, dass sie ihre Wohnung nicht für Asylbewerber vermieten würden“, sagt Wenck. Andere Vermieter hätten sehr genaue Forderungen, wer dort überhaupt nur einziehen dürfe. Diese seien teilweise kaum zu erfüllen. „Und dann gibt es auch Wohnungen Marke Eigenbau, die sind so verbaut, dass dort trotz einer immensen Größe nur wenige Menschen unterzubringen sind“, sagt Wenck.

Eingebrannt habe sich in sein Gedächtnis vor allem ein Fall. Ein eigentlich unterschriftsreifer Kaufvertrag sei nicht zum Abschluss gekommen, weil die Verkäuferin in ihrem Dorf von Nachbarn beschimpft und beleidigt worden sei. Die Nachbarn hatten offenbar mitbekommen, dass das Haus an das Amt verkauft werden soll, um dort Flüchtlinge unterzubringen. „Das war für mich eine erschreckende Erfahrung“, sagt Wenck. Andere würden so hohe Verkaufspreises aufrufen, dass ein Kauf vom Amt nicht finanzierbar sei.

Völlig umsonst seien seine Versuche gewesen, im Mölln Häuser für das Amt zu kaufen. „Wir hatten mit der Stadt abgesprochen, dass die in den vom Amt erworbenen Häusern dann untergebrachten Flüchtlinge auf unsere Quote angerechnet werden“, sagt Wenck. Nachdem er eine Woche mit verschiedenen Möllner Makler durch die halbe Stadt gezogen sei und einige Häuser gefunden hatte, habe der Möllner Hauptausschuss die Absprache einkassiert. Doch es gebe auch positive Rückmeldungen. „Gerade erst hat mit ein Vermieter gesagt, Asylbewerber seien nicht nur sauber, sie seien sehr sauber“, sagt Wenck.

Trotz der ganzen Probleme bei der Wohnungssuche will Wenck auch künftig im Amt auf Containerlösungen verzichten. Der Kauf von Immobilien sei nachhaltiger und deutlich günstiger, sagt Wenck — wohlwissend, dass sein Amt im kommenden Jahr nach derzeitigen Prognosen mindestens noch einmal die gleiche Menge schutzsuchender Menschen wird aufnehmen müssen.

Kosten für die Unterbringung
110 Flüchtlinge und Asylbewerber müssen im Amt Breitenfelde nach derzeitigem Stand in diesem Jahr untergebracht werden. Da es im Ländlichen Raum im Vergleich zur Stadt nur wenige Mietwohnungen gibt, muss das Amt immer öfter Häuser kaufen — und das ist auf einem fast leergefegten Markt schwierig.
Die Kosten für die Miete und die Kaltnebenkosten von Wasser bis hin zu einer möglicherweise erforderlichen Hausverwaltung werden nach einer Bruttokaltmieten-Tabelle über den Kreis erstattet.
Das deckt nicht immer die Kosten. Der Kreis holt sich 70 Prozent davon vom Land wieder, das laut Wenck wiederum derzeit die deutlich höhere Summe von 670 Euro pro Asylbewerber im Monat vom Bund erhält.
Je mehr Personen in einer Wohnung aufgrund der Größe untergebracht werden können, desto geringer die Erstattung pro Person. Das führt durch die oft großen Einheiten auf dem Land zu Problemen. Außerdem müssen die Wohnungen mit Möbeln, Küche und Waschmaschine ausgestattet werden.

Holger Marohn

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