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Lauenburg An der Grenze der Belastbarkeit
Lokales Lauenburg An der Grenze der Belastbarkeit
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18:10 14.01.2017
Ratzeburg

Schon vier Bürgermeister haben allein im Amt Berkenthin in dieser Wahlperiode (2013 bis 2018) ihren – durchaus geliebten – Posten aufgegeben oder aufgeben müssen. Allesamt aus gesundheitlichen Gründen. Sicherlich, viele Krankheiten gehen einher mit steigendem Lebensalter oder der Zufälligkeit des persönlichen Schicksals. Aber es gibt auch Fälle, wo man fragen kann oder muss: Wie belastend ist die ehrenamtliche Arbeit, die freiwillige Beschäftigung nach Feierabend? Wie wirkt sie sich das auf die eigene Gesundheit, das Wohlbefinden aus? Wie hoch ist der Stressfaktor „politisches Engagement“?

Krummesses Bürgermeister Friedhelm Michaelis (63) wurde am Donnerstag feierlich während der jüngsten Gemeindevertretersitzung verabschiedet. Nach einem der letzten Arztbesuche im vergangenen Herbst hatte der Doktor ihm geraten: „Wenn Sie noch ein wenig länger leben und bei Gesundheit bleiben wollen, dann müssen Sie kürzer treten!“

Michaelis war 13 Jahre erster Bürgermeister in Krummesse. Mit den rund 1000 Lübeckern kommt das ansonsten lauenburgische Dorf auf fast 3000 Einwohner – mehr als der Zentralort Berkenthin (2100) hat.

„Ich wohne hier. Da kommen die Leute zu mir, auch wenn sie eigentlich zu Lübeck gehören.“ Den Posten hatten schon sein Urgroßvater und sein Opa bekleidet, auch sein Vater saß in der Gemeindevertretung. In dieses Gremium wurde Friedhelm Michaelis mit 28 Jahren – 1982 – gewählt und schon vier Jahre später zum 2. stellvertretenden Bürgermeister. Fortan kann man sein Wirken nur als hyperaktiv bezeichnen.

Nicht nur, dass der staatlich geprüfte Landwirt ebenfalls 1982 einen eigenen Landhandel auf dem elterlichen Hof gründete. Er betätigte sich fortan in so ziemlich allen öffentlichen Ämtern oder Vereinen, die es in Krummesse gab: Kirchenvorstand, Aufsichtsrat der Raiffeisenbank, Freiwillige Feuerwehr, Gründungsmitglied von Liedertafel und Handels- und Gewerbeverein, Motorsportclub und Kyffhäuser.

„In der Anfangszeit habe ich das mal notiert, da kam ich auf etwa 35 Stunden Aufwand pro Woche“, sagt Michaelis. Da habe ihm aber noch die Routine gefehlt. Doch was diese ihm in den Folgejahren einsparte, kam obendrauf durch immer mehr Projekte: wie etwa den Bau der Sporthalle am Beidendorfer Weg, das Energiemodell Krummesse mit Biogasanlage, Blockheizkraftwerk und Nahwärmenetz, der Anbau am Feuerwehrgerätehaus, der Aufbau und die Pflege der Dorfpartnerschaften mit Carlow und Bonningues/Frankreich oder die Wahl zum „schönsten Dorf“ 2012.

Erich Bünger (70) ist Bürgermeister von Sandesneben, 1800 Einwohner starker Zentralort im gleichnamigen Amt (mit Nusse). Bünger ist seit 1986 in der Gemeindevertretung, seit April 1994 Bürgermeister.

Sein persönliches Pech – ein schwerer Arbeitsunfall, der ihn 1986 zum Ruheständler werden ließ – war das Glück seines Heimatortes. Fortan kümmerte sich Bünger fast rund um die Uhr um die gemeindlichen Aufgaben, aber auch um die der Grund- und Gemeinschaftsschule sowie der in Sandesneben ansässigen Amtsverwaltung. „Ich gehe jeden Tag zum Amt und komme dabei ohne Weiteres auf je drei bis vier Dienststunden.“ Nicht mitgerechnet die Zeit abends in zahlreichen Ausschuss-Sitzungen, zu Repräsentationsterminen, bei Jubiläen, Geburtstagen oder anderen Anlässen.

Eckhard Graf (51), Bürgermeister von Groß Grönau im Amt Lauenburgische Seen (3700 Einwohner), hat den großen Vorteil, bei der Hansestadt Lübeck angestellt zu sein. „Die räumt mir im Rahmen flexibler Arbeitszeiten die Möglichkeit ein, meine ehrenamtlichen Aufgaben wie Telefonate, Mails, Besprechungen für meine Gemeinde während der Arbeitszeit auszuüben – sofern ich meine dienstlichen Aufgaben nicht vernachlässige.“ Etwa 15 Arbeitsstunden pro Woche braucht er für den „Nebenjob“.

Unterstützt wird er – und natürlich auch die Bürgermeister von Krummesse, Berkenthin, Sandesneben und allen anderen Gemeinden im Kreisgebiet – durch die jeweiligen Amtsverwaltungen. Ohne die wären gerade in den großen Dörfern die ständig wachsenden Anforderungen und Aufgaben gar nicht mehr zu bewältigen.

Vor allem Bürgermeister von Gemeinden mit mehr als 1000 Einwohnern sehen sich mittlerweile am Rande ihrer physischen und psychischen Fähigkeiten. Friedhelm Michaelis hat lange damit gerungen, sich aus den besagten gesundheitlichen Gründen zumindest aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Am Ende ist er aber froh, es getan zu haben: „Ich kann jetzt wieder in Ruhe nachts durchschlafen“, sagt er. Und er weiß jetzt, was es heißt: „Alles hat seine Zeit!“

Joachim Strunk

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