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Andreas Thiede: „Ich habe selten so viel Quatsch gehört“

Lauenburg Andreas Thiede: „Ich habe selten so viel Quatsch gehört“

Bürgermeister bei einer Veranstaltung zur Lauenburger Innenstadt – WFL kritisiert Stillstand – Unkenntnis aufgrund mangelnder Kommunikation.

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Ralf Storjohann: „Der Handel liegt auf der Intensivstation. Die WVS möchte in die Pläne der Stadt eingebunden werden.“

Lauenburg. Der Schuss ging nach hinten los. Die Wirtschaftliche Vereinigung Lauenburg hatte am Mittwoch zur Diskussion über die „sterbende Innenstadt“ eingeladen, musste sich aber von Bürgermeister Andreas Thiede anhören, dass die Einzelhändler selbst die Entwicklung behindert hätten. Beste Nachricht des Abends für die rund 120 Gäste: Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz betonte erneut: „Wir könnten morgen anfangen zu bauen. Grundstück und Mieter für die Fachmarkt-Erweiterung stehen bereit.“

LN-Bild

Bürgermeister bei einer Veranstaltung zur Lauenburger Innenstadt – WFL kritisiert Stillstand – Unkenntnis aufgrund mangelnder Kommunikation.

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Rewe bleibt Standort treu

Rewe will am Standort Lauenburg neu bauen. Wie bei einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung bekannt wurde, soll ein 1800 Quadratmeter großer, lichtdurchfluteter Neubau entstehen (Green-Building-Projekt). Die Fertigstellung ist für Herbst 2018 geplant. Der Entwurf des entsprechende Bebauungsplanes muss noch von der Stadt beschlossen werden.

Der Bürgermeister war sauer, und das erlebt man selten. „Ich bin irritiert, habe selten so viel Quatsch gehört“, sagte er nach dem Bericht des WVL-Vorsitzenden Ralf Storjohann. Der hatte ein weiteres Mal den „katastrophalen Zustand der Innenstadt“ beklagt und gefragt, was aus den vor sechs Jahren bekannt gewordenen Plänen zu Edeka-Neubau, Marktgalerie und Luxus-Hotel geworden seien. „Es soll keine Vorwürfe geben, aber der Handel liegt auf der Intensivstation. Viele Firmen haben Lauenburg wieder verlassen, selbst die aus dem unterpreisigen Segment. Rewe beklagt einen Umsatzverlust von 30 Prozent, den Edeka-Pächtern geht der Atem aus, famila möchte seit 15 Jahren erweitern. Die Kunden fahren nach Boizenburg und Lüneburg zum Einkaufen“, so Storjohann und forderte einen Wirtschaftsrat, in dem Stadt und Handel gemeinsam die Problematik angehen könnten.

Dabei sind die Antworten seit langem bekannt: Die Post hat einen Mietvertrag bis 2018 mit Option auf fünfjährige Verlängerung, vorher können die Edeka-Pläne nicht verwirklicht werden (die Stadt sucht nach alternativen Räumen für die Post). „Da hat jemand gepennt“, so ein Urteil aus dem Publikum. Der Bürgermeister zeigte sich irritiert. „Ich jede nicht über, sondern mit jemandem. Die Stadt bemüht sich nach Kräften, den Missstand aufzuheben. Wenn ihr selber nicht daran glaubt, wie wollt ihre andere begeistern?“

Die Stadt bemühe sich um Städtebauförderung, weil die Innenstadt inzwischen so abgewirtschaftet sei, dass nur die öffentliche Hand helfen könne. Es gelte, die Strukturen zu ändern. Mewa habe 50 Millionen Euro am Standort investiert, die Gewerbesteuer sei von 1,7 auf 5,5 Millionen Euro gestiegen. Es gebe einen Masterplan, der schrittweise umgesetzt werde. „Wer hat die famila-Erweiterung vor sechs Jahren verhindert? Wer hat gegen die Umgehung gestimmt?“ fragte Thiede in Richtung WVS-Vorstand.

Es sei sehr unglücklich, dass die Kritik gerade jetzt hochbrande. „Am 24. April beginnen die Bagger-Arbeiten für den Abriss der Passage. Für das Hotel hat es eine Bürgerbeteiligung mit detaillierten Angaben gegeben“, so der Bürgermeister. Danach soll noch in diesem Jahr Baubeginn sein, 2019 Fertigstellung. Der Denkmalschutz hatte die alten Pläne durchkreuzt und eine Umplanung gefordert.

An der Veranstaltung nahm auch famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz teil. Lauenburg sei ein schwieriger Standort, mache nur 50 Prozent des Umsatzes von Geesthacht. „Bitte überdenken Sie die Entscheidung von 2010 und geben Sie uns Entwicklungsperspektiven. Wir sind bereit, drei bis vier Millionen Euro in den Fachmarkt zu investieren. Das wären 30 neue Arbeitsplätze. Wir könnten morgen los legen.“

Silke Geercken

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