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Lauenburg Angst in Schwarzenbek: 50 Einbrüche in drei Monaten
Lokales Lauenburg Angst in Schwarzenbek: 50 Einbrüche in drei Monaten
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23:54 05.02.2016
Ralf Winkelmann (links) informiert sich bei Tischlermeister Uwe Burmeister über die Sicherung von Fenstern. Quelle: Fotos: Timo Jann

Diese Zahlen nannte Jenner während einer Präventionsveranstaltung zum Thema Einbruchsschutz am Donnerstag in der Alten Meierei. 150 Bürger waren gekommen, um von ihm endlich einmal Klarheit über die Situation zu erhalten. Angst treibt die Menschen in der Region um, weil jeder jemanden im Freundeskreis hat, bei dem schon eingebrochen wurde. „Diese Serie seit Oktober hat uns extrem beschäftigt“, so Jenner. „Wir haben alles gegeben, die Kollegen brennen für das Thema und sagen sich, dass sie sich das nicht mehr bieten lassen wollen“, macht der Polizeichef deutlich. Aber: Festnahmen gelangen ihnen kaum.

Der Zufall und zwei wachsame Bauern kamen den Beamten zu Hilfe. Die Bauern schnappten sich einen 23-Jährigen, der versucht hatte, in ein Einfamilienhaus in Klein Pampau einzusteigen. Die Polizei brauchte den Albaner nur noch einzusammeln. Jenner: „Wir hatten den Mann kurz vorher bereits als Tatverdächtigen vorläufig festgenommen, mussten ihn aber wieder laufen lassen, weil ihm nichts nachzuweisen war.“ Anders nach der Tat in Klein Pampau. Ein Richter ordnete Untersuchungshaft an. „Seitdem ist die Situation wie abgeschnitten, wir sprechen von einer so genannten Nulllage“, erklärt Jenner.

Was dem 23-Jährigen alles nachgewiesen werden kann, hängt maßgeblich an den Beamten der Ermittlungsgruppe, die sich von Reinbek aus nur um Einbrüche kümmern. Die betreiben einen hohen Aufwand, um an Tatorten konsequent Spuren zu sichern. Möglich, dass der Albaner viele der Taten im Schwarzenbeker Raum zu verantworten hat. Unweit des Tatortes fanden die Polizisten einen Scheibendreher — mit dem der 23-Jährige wohl versucht hatte, Terrassentüren aufzuhebeln.

Der Einsatz von Schwarzenbeks Polizei zeigt allerdings auch, dass die Kriminellen beobachten, was passiert. Und so bemerken sie schnell, dass die Polizei präsent ist. „Als sich bei uns die Einbrüche häuften, haben wir viel getan und immerhin erreicht, dass die Täter ausgewichen sind. Es hat sich dann innerhalb von zwei Wochen Richtung Müssen und Büchen verlagert“, so Jenner. Doch die Erfolge in Schwarzenbek, schon im Dezember schnappten sich die Polizisten dort zwei Albaner, in deren Wohnung sich jede Menge mutmaßliches Diebesgut fand, sind nicht auf den Kreis zu übertragen. Noch immer treiben sich Einbrecher herum, zuletzt in Geesthacht, Gülzow, Kuddewörde, Hamfelde und Schnakenbek.

„Meine Sorgen wachsen, wenn man sich so umhört“, gibt Ralf Winkelmann zu. Der Schwarzenbeker hat Angst, in seinem Haus Opfer eines Einbruchs zu werden. „Man macht sich in der aktuellen Situation ja schon mehr Gedanken als früher“, so Winkelmann während der Präventionsveranstaltung der Polizei. Er informierte sich bei Tischlermeister Uwe Burmeister über Möglichkeiten zur Sicherung seiner Fenster. Außer Burmeister waren auch andere Experten mit Ständen vor Ort. Etwa die Alarmzentrale Steinberg aus Reinbek. „Das Interesse an Absicherung ist exorbitant hoch“, sagt Hanno Steinberg. 1700 Kunden betreut die rund um die Uhr besetzte Alarmzentrale. „Einbruchmeldeanlagen kommen immer mehr in Mode.“

Aus den Statistiken der Polizei geht hervor, dass 52 Prozent der Einbrecher durch aufgehebelte Terrassentüren kommen. 31 Prozent der Taten erfolgen durch aufgebrochene Fenster, und nur neun Prozent der Täter wählen die Haus- oder Wohnungstür als Einstieg. Steinberg: „Da gibt es vielseitige Möglichkeiten, sich zu schützen. Wichtig ist jedoch, dass man diese den Lebensgewohnheiten der Bewohner anpasst.“ Denn nichts sei schlimmer als eine Fehlalarme auslösende Meldeanlage, die schließlich aus Frust abgeschaltet bleibt, heißt es. „Wenn eine Alarmanlage installiert ist, sehen das die Profis unter den Einbrechern schon von außen. Die ziehen dann weiter, um der Gefahr zu entgehen. Wer einen Versuch einzusteigen wagt, wird durch einen extrem grellen Heulton verjagt“, so Steinberg.

Die Polizei geht aufgrund ihrer Ermittlungen davon aus, dass jeweils ein Drittel der Einbrüche durch organisierte Banden und durch Drogenabhängige — vor allem im Hamburger Randgebiet — verübt werden.

„Die Nachbarn sollten wieder aufmerksamer sein“, findet Winkelmann. Dazu rät auch die Polizei. „Wer etwas Verdächtiges beobachtet, sollte sich nicht scheuen, über den Notruf 110 die Polizei zu informieren. Die Kollegen kommen dann so schnell es geht und schauen nach“, sagt Schwarzenbeks Polizeichef. Sein Rat: „Beobachten und der Polizei Tipps geben, sollte den Vorzug vor eigenem Eingreifen gegeben werden.“ Denn das könne schief gehen.

Timo Jann

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