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Lauenburg Anrüchig: Fäkaltourismus nach Niedersachsen
Lokales Lauenburg Anrüchig: Fäkaltourismus nach Niedersachsen
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22:23 18.10.2016
„Es drängt. Wir wollen endlich die Entsorgungsstation an der Marina bauen.“Yildiz Frühauf, Marina-Hafenmeisterin und Betreiberin des Wohnwagenstellplatzes Quelle: Stefanie Ender

Der Streit könnte durch eine Toilettenentsorgungsstation an der Marina gelöst werden.

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„Es drängt. Wir wollen endlich die Entsorgungsstation an der Marina bauen.“Yildiz Frühauf, Marina-Hafenmeisterin und Betreiberin des Wohnwagenstellplatzes

Der Emsländer Johannes Nee bereist mit Frau und Hund im Wohnwagen den Norden. Er ist zum ersten Mal in Lauenburg, wird sein Wohnmobil aber nur einen Tag an der Marina parken: „Morgen fahren wir zum Entsorgen der Toilette rüber.“ So würden es etliche Besucher machen – hier zwischen schicken Booten neben der Altstadt entspannen und in Hohnstorf die Fäkalien ablassen. Das kann so nicht bleiben:

Darüber sind sich Marina-Hafenmeisterin Yildiz Frühauf und Annette Kork, die stellvertretende Bürgermeisterin von Hohnstorf, einig.

„Es drängt. Wir wollen endlich die Entsorgungsstation bauen“, so Frühauf. Die Restaurantbesitzerin und Stellplatzbetreiberin wird den Bau komplett selber bezahlen. Voraussichtlich 10 000 Euro kostet sie das Ganze, wird ihr aber Urlauber garantieren, die länger da bleiben und so auch Geld in ihrem Restaurant „Skippertreff“ lassen. Und sie könnte die Standgebühren erhöhen. Schon seit drei Jahren planen sie und ihr Mann Martin Frühauf die Station. Es hängt an der Genehmigung des Bebauungsplanes durch die Lauenburger Stadtvertreter. „Je nachdem, wo die Hochwasserschutzlinie verlaufen wird, planen wir“, sagt Martin Frühauf und erklärt den Bebauungsplan. Es gibt zwei Szenarien: im für sie günstigeren Fall verläuft die Linie zwischen Hafenufer und Hafenstraße, alternativ direkt auf der Hafenstraße. Egal welche Linie von der Politik festgelegt wird, das Ehepaar Frühauf sieht den besten Platz für die Entsorgungsstation zwischen Stellplatz und Straße, dort wo derzeit noch die Müllcontainer stehen.

Eine schlichte Säule, wie die von Luftpumpen an Tankstellen – mehr ist von der Station in Hohnstorf nicht zu sehen. Der Rest verlaufe unterirdisch, erklärt Annette Kork: „Unsere Besucher können ihren Toilettenmüll in das Abflussrohr schütten und die Fäkalien laufen über ein Rohrsystem direkt in die Kanalisation“. Deshalb kostet die Gemeinde, die den Wohnwagenstellplatz in Hohnstorf verwaltet, die zusätzliche Entsorgung nichts.

Yildiz Frühauf weiß nicht, „warum die Hohnstorfer sich so aufregen. Die könnten durch die zusätzlichen Entsorgungen Geld machen.“ So wie es Johannes Doorentz, der Betreiber des Campingplatz Lanzer See in Basedow bereits macht: „Ich habe die Preise nochmal um einen Euro erhöht, nur für die Besucher, die nur eine Nacht da sind.“ Denn die würden meist nur zum Toilette-Ausleeren kommen. Kork interessiert sich nicht für Preiskalkulationen, sondern pocht auf Fairness: „Es ist dreist, dass die Lauenburger Hafenmeisterin die Urlauber mit vollen Toiletten zu uns schickt.“ So schnell wird der Friede zwischen den Stellplatzbetreibern auf beiden Seiten der Elbe nicht wieder hergestellt, denn der Lauf durch die Lauenburger Politik dauert.

Auf der vergangenen Stadtvertretung wurde die Entscheidung, ob der Bebauungsplan genehmigt wird, vertagt. Das Ganze Papierwerk wurde zurück in den Bauausschuss geschickt und dort besprochen.

Ergebnis: Die Stadt Lauenburg werde einen städtebaulichen Vertrag mit den Frühaufs schließen. Davor gelte es aber noch mit den Stadtbetrieben zu klären, wie die Entsorgung technisch funktionieren soll, erklärte Reinhard Nieberg, Leiter des Stadtentwicklungsamtes. Wird der Bauplan genehmigt, brauchen die Frühaufs noch eine Baugenehmigung. Erst dann können sie die Station bauen. Indes will Annette Kork in Hohnstorf die Camper, die ohne die Standgebühr von acht Euro zu zahlen, nur zum Fäkalien-Abladen kommen, durch eine Schranke draußen halten. Diese Pläne sollen in der Gemeinde besprochen werden. Bisher können Camper ungehindert auf den Platz fahren und kostenlos Toilettenmüll entsorgen, wenn kein Gemeindemitglied kontrolliert.

 Stefanie Ender

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