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„Antanzen“ und Machosprüche sind kein neues Problem

Ratzeburg „Antanzen“ und Machosprüche sind kein neues Problem

Antanzen, übermäßige körperliche Nähe und Machosprüche: Das immer wieder vorkommende aufdringliche Verhalten von jungen Männern aus südöstlichen Kulturkreisen in der Öffentlichkeit gegenüber Frauen ist ein Problem, das auch viele Diskothekenbetreiber in der Region kennen.

Ratzeburg.  Doch sie stehen in einem Dilemma: Weisen sie aufgrund ihrer Erfahrungen Gäste aus südöstlichen Kulturkreisen ab, wird ihnen Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen. Lassen sie sie unbegrenzt rein, droht die Lage im Club möglicherweise zu eskalieren, und andere Gäste bleiben weg. Das Problem habe zwar nicht Ausmaße wie in Köln; dafür bestehe es aber seit Jahrzehnten.

So können sich Frauen gegen sexuelle Belästigung schützen:

Angegrapscht zu werden, „wenn es irgendwo eng wird“ oder in der Diskothek von mehreren Männern eingekreist und unangenehm angetanzt zu werden und andere sexuelle Belästigungen seien Alltag vieler Frauen, sagt die Schwarzenbeker Gleichstellungsbeauftragte Petra Michalski. Integrationsfachmann Mark Sauer vom Verein Miteinander leben fordert alle Bürger auf, bei der Integration mitzuhelfen. „Diese Belästigungen sind kein Phänomen von Ausländern generell, sondern fremder männergeprägter Kulturen wie im islamischen Raum“, sagt ein Disco-Chef gegenüber den Lübecker Nachrichten. „Diese Gäste gehen in der Regel in Gruppen von drei, vier oder fünf Leuten los. Es wird oft getrunken und lautstark gefeiert, und beim Tanzen gehen die häufig sehr dicht an Frauen ran und bedrängen sie — und die Frauen beschweren sich dann“, sagt der Disco-Besitzer. „Wenn unsere Ordner einschreiten, haben wir es schnell mit einer Gruppe von 20 Leuten zu tun, die pöbeln und uns Ausländerfeindlichkeit vorwerfen.“

Ein anderer: „Wir haben es bei uns auch trotz unserer negativen Erfahrungen immer wieder versucht.“ Aber sobald man eine größere Gruppe hereingelassen habe, gehe das Machogehabe und Antatschen los.

In der Folge seien oft erst die Mädchen und dann auch die männlichen Gäste weggeblieben. Kleinere Gruppen seien hingegen durch eine größere Präsenz von Ordnern noch in den Griff zu bekommen. Im Handyzeitalter hätten die oft ihre Freunde informiert, dass sie ,drin‘ seien. Die wiederum hätten dann an der Tür gepöbelt, wenn sie nicht auch reingekommen seien, heißt es. In einigen Fällen hätten sich die Abgewiesenen beim Ordnungsamt wegen angeblicher Diskriminierung beschwert. Eine Beschwerde, die bei einer anderen Disco offenbar zu einer „horrenden Geldstrafe“ geführt habe. Ein Grund, weshalb die Betreiber lieber anonym bleiben wollen.

Mark Sauer vom Verein Miteinander leben warnt, Fehler der Vergangenheit bei der anstehenden Integration von Flüchtlingen erneut zu machen. „Eine Integration hört nicht nach dem Erlernen der Sprache auf, sondern betrifft auch unsere kulturellen Begebenheiten und Werte.“ Gerade die Gleichberechtigung von Mann und Frau sei eine wichtige Errungenschaft in Europa — so etwas müsse verdeutlicht werden. Das brauche aber auch Zeit. „Unser demokratisches System zu verinnerlichen, müssen wir von allen verlangen, aber da legt man nicht einfach einen Schalter um“, sagt Sauer. Wichtig sei auch, dass die Gesellschaft sich beteilige und bereit sei einzugreifen. Dazu gehöre, im Alltag zu intervenieren, wenn es zu Vorfällen komme und die Situation — ohne Gewalt — vernünftig klarzustellen. Wertvoll sei auch, persönlichen Kontakt zu suchen. „Nichts ist schlimmer, als solche Taten wie in Köln im Fernsehen zu sehen, aber keinen einzigen Flüchtling persönlich zu kennen“, sagt Sauer. Er sei zuversichtlich, dass so die Integration gelinge — auch weil hier im ländlichen Raum „das soziale Klima nicht so kalt wie in den Großstädten“ sei. Allerdings würde auch er nicht für alle Flüchtlinge, die er kenne, seine Hand ins Feuer legen. Das gelte aber auch für Deutsche.

Schwarzenbeker Gleichstellungsbeauftragte fordert Frauen auf, sich zu wehren
Studien belegten, dass jede zweite Frau bereits sexuell belästigt wurde, sagt die Schwarzenbeker Gleichstellungsbeauftragte Petra Michalski. Wenn an den Vorfällen der vergangenen Silvester-Nacht irgendetwas Gutes sei, dann dass die öffentliche Aufmerksamkeit diese Themen nicht mehr abwinke, sondern ernst nehme.
Im Kreis Herzogtum Lauenburg gebe es das Frauenhaus und eine Frauenberatungsstelle. Letztere sei aufgrund einer komplizierten Finanzierung auf öffentliche Gelder angewiesen. Der Kreis zahlt dabei nicht den Teil, den er zahlen müsste. Daher seien die Beraterinnen somit einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit der Akquise dieses Ausgleichs aus anderen Quellen beschäftigt. Der Beratungsbedarf steige dabei stetig an. Zukünftig würden auch die geflüchteten Frauen in die Beratung kommen.
Eine völlig falsche Reaktion auf die Vorfälle sei , in Form von Bürgerwehren durch die Straßen zu ziehen. Es sei sicherlich sinnvoll, wenn „wir alle mehr aufeinander achten“. Frauen neigten oft dazu, zu höflich zu sein oder nicht negativ auffallen zu wollen.
Michalskis Appell an die Frauen, die in eine unangenehme Situation geratet: „Erhebt eure Stimmen. Sagt laut und deutlich, dass ihr das, was gerade passiert, nicht wollt. Schreit, so laut, dass es Umstehende hören können. Nehmt Augenkontakt mit diesen Umstehenden auf und bittet um Hilfe. Zögert nicht, die Polizei zu rufen. Und zeigt Angreifer an.“

Holger Marohn

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