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Lauenburg Asyleinrichtung Wentorf bald für 700 Menschen?
Lokales Lauenburg Asyleinrichtung Wentorf bald für 700 Menschen?
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22:25 16.03.2016
Derzeit kommen in Wentorf nur wenige Flüchtlinge an. Wie sich die Zahlen entwickeln werden, bleibt aber ungewiss. Quelle: Fotos: Burmester/ Ln-Archiv

Die Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes in Wentorf bei Hamburg muss vorübergehend geräumt werden. Die Unterkunft für Flüchtlinge wird erweitert.

„450 bis 500 Personen sind für uns Business as usual.“Matthias Heidelberg, Bürgermeister Wentorf b. Hbg.

Mehr als doppelt so viele Asylsuchende könnten anschließend in Wentorf unterkommen. Das Land bereitet sich damit auf den erwarteten erhöhten Zustrom im Sommer und Herbst vor.

Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten spricht auf Anfrage der LN von einem erhöhten Platzbedarf in allen Lagern. Der Grund: „Die geografische Situation“, sagt die Sprecherin.

Keiner wisse derzeit, ob und wann Grenzen entlang der Balkanroute wieder geöffnet werden. „Wir können das nicht einschätzen“, sagt sie.

Zurzeit sind in Wentorf etwa 160 Flüchtlinge untergebracht — gut die Hälfte der Betten sind belegt. Das sei jahreszeitlich bedingt. Im Sommer und Herbst rechnet Drywa wieder mit mehr Flüchtlingen.

Sollten Grenzen entlang der Balkanroute geöffnet werden, könnten in kurzer Zeit viele Geflüchtete eine Unterkunft benötigen.

Etwa 100 Container sollen bis zum Juni im Eingangsbereich des Geländes der EAE aufgestellt, darunter auch welche mit sanitären Einrichtungen und Isolationscontainer, in denen Menschen mit möglichen Krankheiten untergebracht werden. Vom Land vorgegeben sei, dass je zwei Bewohner sich einen Wohncontainer teilen, sagt Drywa. „Für den Notfall stehen sie aber für vier Menschen zur Verfügung.“ Die Zahl der Flüchtlinge in Wentorf könnte sich dann mehr als verdoppeln. 700 Plätze, wenn auch im Notfall, seien Bürgermeister Matthias Heidelberg jedoch neu. Seines Wissens sollten 96 Container kommen, „80 davon zum Wohnen“, sagt er. „Ich rechne mit den vorgegebenen zwei Personen pro Container. 450 bis 500 Personen könnten laut Heidelberg in der EAE unterkommen. „Das ist auch die Zahl, die auf der Einwohnerversammlung kommuniziert worden ist.“ Nach seiner Rechnung wäre dann alles im Soll. „Es stellt sich außerdem die Frage, ob überhaupt alle Betten belegt werden.“ Würden es deutlich mehr, erwarte er vom Land, dass es auf ihn und die Politik zukomme.

Wegen des erhöhten Bedarfs brauchen zudem die Polizeistation und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) andere Räume. Das DRK wird in seinem bisherigen Gebäude bleiben, muss es sich aber nicht mehr mit der Polizei teilen. Auch in der zentralen Küche in der EAE wird gebaut werden. Dort müssen die Stromleitungen erneuert werden.

Für mehr Flüchtlinge brauche das DRK nicht mehr Kräfte. „Wir hatten unser Personal auf die Erweiterung geplant“, sagt Patrick Schröder, stellvertretender Einrichtungsleiter. Die Zeit des Umbaus wolle das DRK nutzen, um Mitarbeiter fortzubilden und den Betrieb zu optimieren, sagt Schröder. Für die Baumaßnahmen müssen alle Flüchtlinge die Einrichtung verlassen, denn für die Erweiterung sind laut Landesamt größere Baumaßnahmen nötig. „Beispielsweise müssen Stromleitungen verlegt sowie ein Anschluss an das Frisch- und Abwasser hergestellt werden“, sagt Magdalena Drywa. Der größte Teil der Asylsuchenden werde regulär auf die Kreise verteilt. Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern sollen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster untergebracht werden. „Auch dort haben wir derzeit eine entspanntere Situation“, sagt Magdalena Drywa. Zwei Wochen bleibt der Behörde für die Umzüge — das sei im Rahmen, so Drywa.

Der Umbau sei das Ergebnis langer Planungen, sagt Magdalena Drywa. Im Juni soll die erweiterte EAE wieder öffnen. Wie viele Flüchtlinge dann auf eine Unterkunft für sechs bis acht Wochen warten, bleibt offen.

Von Philip Schülermann

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