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Atomforscher planen Modell-Rückbau

Geesthacht Atomforscher planen Modell-Rückbau

Die GKSS-Forschungsanlage wird dem Erdboden gleich gemacht. Dabei werden 1100 Fässer mit Atommüll erwartet. Der Rückbau ist so etwas wie ein Probelauf für den großen Nachbarn in Krümmel.

Mit dem Forschungsreaktor der Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt GKSS wurden von 1958 bis 2010 Neutronen für die Materialforschung und die Medizin hergestellt. Nun soll die Anlage auf dem Gelände des heutigen Helmholtz-Zentrums (Foto) zurückgebaut werden.

Quelle: HZG/HFR

Geesthacht. Seit fast zwei Wochen läuft die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Rückbau des Forschungsreaktors auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums. Drei Stapel mit Berichten und Gutachten liegen dafür samt Schreiben der Kieler Atomaufsicht im Besprechungszimmer von Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze. Doch niemand interessiert sich dafür.

LN-Bild

GKSS-Forschungsanlage wird dem Erdboden gleich gemacht – 1100 Fässer mit Atommüll erwartet.

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„Hier ist bislang keiner gekommen, um sich die Unterlagen anzusehen“, sagt Bürgermeister-Mitarbeiterin Christina Bertram mit Blick auf die Broschüren mit den königsblauen Deckblättern. Sie beschreiben neben der Stilllegung und dem Rückbau des Forschungsreaktors auch den Betrieb einer Transportbereitstellungshalle, einer Art Standortzwischenlager. Zusammen mehr als 700 Seiten umfassen die Umweltverträglichkeitsstudie und die Sicherheitsberichte.

„Der Prozess des Rückbaus aller Anlagen in Deutschland wird noch Jahrzehnte dauern. Dabei können wir von den einzelnen Projekten lernen“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete und Energiepolitikerin Nina Scheer aus Geesthacht. Der Rückbau des ehemaligen Forschungsreaktors der Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt GKSS, dem Vorgänger des Helmholtz-Zentrums, sei so etwas wie ein Probelauf für den großen Nachbarn in Krümmel. Während mit dem Atomkraftwerk Krümmel in den 27 Jahren mehr oder minder intensiven Betriebs Strom für bis zu 350000 Haushalte jährlich produziert wurde, ließ die GKSS seit 1958 offiziell Atomkerne zur Neutronenproduktion für Forschungszwecke spalten. Im Gegensatz zum großen Nachbarn ist die Forschungsanlage allerdings bereits seit fast viereinhalb Jahren brennstofffrei. Doch der jahrzehntelange Betrieb hat etwa 1600 Tonnen hochradioaktiven und verstrahlten Atommüll hinterlassen. Wie dieser nun sortiert, teilweise auch dekontaminiert und entsorgt werden soll, steht auf den 700 Seiten.

Es gehe um Risikominimierung, aber auch möglichst große Transparenz, sagt Energiepolitikerin Scheer. Diese Transparenz hatte zuletzt etwas gelitten. Im Juli 2012 wurden 25 ausgediente Elemente in einer nächtlichen Aktion zur Wiederaufbereitung in den USA abtransportiert. Eine Maßnahme, die Bürgerinitiativen damals als „klammheimlichen Atommülltransport“ bezeichneten.

So etwas soll beim Rückbau jetzt nicht wieder passieren. In den Berichten ist der Verbleib quasi jeder einzelnen Kachel aufgeführt. Mit etwa 7,1 Tonnen davon wurde einst das Reaktorbecken ausgekleidet. Sie sollen beim Rückbau in 28 Fässer mit einem Volumen von jeweils 200 Litern verpackt werden. Insgesamt wird erwartet, dass 1074 solcher Fässer beim Abbau des Reaktor anfallen, für Rückstände aus dem Betrieb der Anlage kommen 25 weitere hinzu. Sie alle sollen in der noch zu bauenden Bereitstellungshalle auf ihren Transport ins Endlager Schacht Konrad warten. Der Rest von rund 39000 Tonnen – vor allem der Gebäude und Außenanlagen – ist normaler Bauschutt.

Alles das steht in den Berichten, die in Geesthacht ausliegen. Ganz unangetastet werden sie bis zum Ablauf der Auslegungsfrist am 7. Februar allerdings nicht bleiben. Am Montag, 19. Dezember, will sich Energiepolitikerin Scheer vor Ort einen Eindruck von der Öffentlichkeitsbeteiligung machen. Die Berichte sind auch im Internet auf der Seite der Kieler Behörde für Reaktorsicherheit einsehbar.

Der Forschungsreaktor

Gegründet wurde die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt 1956 auf einem Teil des Geländes der ehemaligen Dynamit-Fabrik Nobel. Auf dem Gelände gab es sogar zwei Reaktoren.

1958 wurde der erste Reaktor (FRG1) mit einer Leistung von später bis zu fünf Megawatt in Betrieb genommen. Der benachbarte Atomreaktor Krümmel hat eine elektrische Bruttoleistung von 1402 Megawatt.

1963 wurde der zweite Forschungsreaktor (FRG2) in Betrieb genommen. 1991 ging er außer Betrieb.

2010 ging im Juni dann auch der FRG2 außer Betrieb. Im Nachbetrieb wurden die Brennelemente entsorgt und die Experimentier-Einrichtungen abgebaut.

Seit November 2010 heißt die Forschungseinrichtung Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung

 Holger Marohn

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