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Lauenburg „Auch heute Menschen helfen, sich hier einzuleben“
Lokales Lauenburg „Auch heute Menschen helfen, sich hier einzuleben“
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21:13 04.10.2016
Wehrführer aus Kittlitz, Klaus Richter (links), und Löschmeister Detlef Riehn. Quelle: Fotos: Biller

Seit Bestehen der ersten Behelfsbrücke gehört das jährliche Fest im Ortsteil Rosenhagen der Gemeinde Kittlitz bei vielen Menschen zu den festen Terminen im Kalender. Direkt an der jetzt modernen Brücke zwischen Rosenhagen und Dutzow (Ortsteil von Kneese, Kreis Nordwestmecklenburg), herrschte am Montag Volksfeststimmung. Bürgermeisterin Barbara Eggert (Kittlitz) leitete die Veranstaltung mit nachdenklichen Worten ein. Ohne das Wort Flüchtlinge zu benutzen, ging Eggert auf die überwundene Teilung Deutschlands ein: „In vielen Gesprächen höre ich auch heute noch immer wieder: Damals war man nicht frei.“ Eggert mahnte, „auch heute Menschen zu helfen, sich hier einzuleben. Wir sollten Hände reichen und Brücken bauen.“

Am Anfang wurden wir auch kritisch beäugt.“ Peter Voigt, früher Hamburg, jetzt Kneese

Kreispräsident Meinhard Füllner zollte den Veranstaltern und Gästen „die hohe Anerkennung des Kreises, treu und regelmäßig den Gedanken der Wiedervereinigung zu feiern“ und nannte als ein Ziel dieser Feier, „den europäischen Gedanken wieder in die Zukunft zu tragen“. Detlef Riehn stammt aus Ratzeburg. Der Liebe wegen hat es ihn nach Kittlitz verschlagen. Dort hat er seit 1978 seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr fortgesetzt. Beim Brückenbau 1990 war Riehn dabei. Der heute 64-Jährige erinnert sich an die ersten Besuche nach Grenzöffnung bei den Feuerwehrkameraden in Kneese vor dem Brückenbau. „Damals gab es große Schwierigkeiten, mit unserem Feuerwehrwagen über den Grenzübergang bei Mustin zu kommen. Amtsfahrzeuge erhielten keine Genehmigung zur Einfahrt in die DDR“, berichtete Riehn. Viele Gäste des Festes aus der Generation von Detlef Riehn haben durch ihre Kinder und Enkelkinder erfahren, dass es in deren Leben keine Rolle mehr spielt, woher man selbst oder der Lebenspartner kommt. Die innerdeutsche Grenze als Teil der Lebensgeschichte spielt für sie keine Rolle. Peter Voigt aus Hamburg hat mit befreundeten Familien vor 20 Jahren in Kneese ein Haus gefunden, das vormals in „Volkseigentum“ stand. „Wir wurden natürlich auch kritisch beäugt“, erinnerte sich Voigt an die Anfangszeit im Wochenendhaus. „Aber über die gemeinsam spielenden Kinder, Besuche beim Osterfeuer und den damaligen Sport- und Kulturverein hat sich alles schnell gefunden“, so Voigt.

„Die erste Kiste (West-) Bier beim Brückenbau wurde noch mit einem Frontlader zu uns herübergereicht“, schmunzelte Reinhard Thurow aus Dutzow in Erinnerung an die ersten Monate nach Öffnung der Grenze. Der heute 58-Jährige ist in Dutzow geboren. Zur Ausbildung ging er nach Schwerin und lernte Stahlbetonbauer und Zimmermann. 1986 ging es zurück nach Dutzow. Am Tag der Währungsunion, dem 1.

Juli 1990, bekam Reinhard Thurow eine Anstellung bei einer Baufirma in Sterley bei Mölln. „Für mich war es schnell selbstverständlich, die Grenze nicht mehr als solche zu erleben“, sagte Thurow.

Durch sein Hobby im Brieftaubenverein habe er schnell neue Freunde gewonnen. Rückblickend meinte der Feuerwehrmann Thurow: „Es ist heute nicht alles Gold, was glänzt, aber das alte System möchte ich nicht wieder zurück haben.“

Bis das 26. Brückenfest in Rosenhagen mit dem traditionellen und musikalisch begleiteten Marsch über die Brücke langsam seinen Ausklang fand, hatten etwa 500 Menschen das Fest besucht.

Thomas Biller

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