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Auf der Suche nach Spuren aus der Bronzezeit

Lauenburg Auf der Suche nach Spuren aus der Bronzezeit

Etwa 70 Zentimeter unter der heutigen Erdoberfläche werden vor den Toren Lauenburgs nördlich der Bundesstraße 5 zurzeit Überreste einer historischen Siedlung aus der Bronzezeit (1700 bis 800 vor Christus) freigelegt.

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Vom Acker vor den Toren der Stadt wurde großflächig Mutterboden abgeschoben, um im gelben Sand darunter Spuren der Bronzezeit finden zu können.

Lauenburg.  Nach Voruntersuchungen vor einem Jahr, bei der sich Hinweise auf zu vertiefende Bodenverfärbungen ergeben hatte, ist ein Team um Grabungstechniker Michael Unze dabei, die Verdachtsstellen freizulegen. „Insgesamt haben wir drei Flächen, die wir genau begutachten werden“, sagt Unze. Auf der mit 4500 Quadratmetern größten Fläche ist er mit seinem Team aktiv. Anschließend folgen weiter nordwestlich zwei Stellen, an denen Reste von verborgenen Hügelgräbern freigelegt werden sollen.

LN-Bild

Grabungstechniker legen an der B 5 Überreste einer historischen Siedlung frei.

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Bis Ende Juni haben die Mitarbeiter des archäologischen Landesamtes Zeit, den Boden zu untersuchen und Funde zu sichern. Denn der Acker am Stadtrand soll für ein Neubaugebiet erschlossen werden. „Wir können das hier nicht unendlich hinaus zögern, denn die Kosten hat der Investor zu tragen, und der muss schon vorab wissen, was auf ihn zukommt“, erklärt Susanna Helmert von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises.

Zur Bronzezeit hat entlang der heutigen B 5 vermutlich ein Dorf gestanden, darauf deuten die Verfärbungen im Erdreich hin. „Daran können wir erkennen, wo es von Menschen geschaffene Gruben gab, beispielsweise für Feuerstellen, Vorratsdepots oder Werkgruben, aber auch, ob Pfosten der Häuser im Boden standen“, erklärt Unze. Denn der ursprüngliche Boden ist sandig-gelb, dort, wo der Mensch Löcher gegraben hatte, gibt es dunkle Verfüllungen. „Die hatten wir bei der Voruntersuchung entdeckt, so dass festgelegt wurde, den Spuren nachzugehen“, berichtet Unze. Mit kleinen rot-weißen Markierungen sind die Verdachtsflächen gekennzeichnet. Fakt ist: Vor etwa 3000 Jahren lebten hier bereits Menschen. Unze: „Die Lage mit der Anhöhe über der Elbe und dem Augraben zur Wasserversorgung war perfekt.“ Jetzt wollen die Wissenschaftler klären, wie die Siedlung aussah, wer dort lebte. „Über das Leben der Herrscher der damaligen Zeit ist vieles bekannt, aber hier können wir erfahren, wie die einfache Bevölkerung gelebt hat“, sagt Unze.

Nachdem der Mutterboden grob abgetragen wurde, wurde per Bagger vorsichtig auch der Mischbodenbereich entfernt. Schicht für Schicht wurde dann der Sand abgetragen. Dort, wie sich der Boden gefärbt hat, werden tiefe Schnitte durchgeführt, eingemessen und dokumentiert. Christian Zylla legte gestern eine Grube frei, in der er jede Menge Keramikscherben fand. „Das ist schon spannend, mit etwas Glück kann man später daraus ein komplettes Gefäß zusammensetzen“, sagt er. Aus Art des Materials und möglichen Verzierungen kann die Zeit ihrer Fertigung näher bestimmt werden. Unze: „Das war damals so bei der Keramik, wie es heute mit der Mode ist. Alles hatte seine Zeit.“ Auch Grundrisse früherer Häuser können möglicherweise rekonstruiert werden. „Wahrscheinlich standen die Häuser aber eher auf der anderen Seite der heutigen Bundesstraße“, sagt Unze.

„Für Lauenburg ist in der archäologischen Landesaufnahme, die 1951 veröffentlicht wurde, bisher sehr wenig erfasst. Daher sind diese Grabungen und Feststellungen jetzt schon sehr interessant“, sagt Susanna Helmert. Keine 15 Kilometer entfernt befindet sich direkt am Waldrand bei Grünhof das bronzezeitliche Totenhaus, aus dessen Entdeckung Wissenschaftler viel über das Leben der ersten Geesthachterin rekonstruieren konnten. Sie war damals mit einem Kind zusammen bestattet worden. „Was uns die Grabhügel hier zeigen werden, ist spannend, denn wir wissen nicht, was uns erwartet, wenn wir dort loslegen“, sagt Unze. Für Helmut Knust vom Heimatbund und Geschichtsverein haben die Bodendenkmäler in der Region allerdings sehr durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung gelitten.

 Bereits 2009 hatten Historiker auf dem Areal am Lauenburger Ortsausgang Richtung Schnakenbek gegraben, sie suchten nach Musketenkugeln und Zeugnissen aus der Zeit der Napoleonischen Kriege um 1800. Damals befand sich ein Schlachtfeld vor den Toren der Stadt.

Neubauten am Stadtrand

Lauenburgs Einwohnerzahl soll steigen. Der Plan: Am westlichen Stadtrand sollen auf einer Fläche von 16 Hektar 140 bis 190 Wohneinheiten mit Platz für etwa 550 Menschen entstehen. Das Unternehmen Elbe-Haus aus Stralendorf entwickelt das Projekt. Direkt hinter einem erforderlichen Lärmschutzwall sollen Reihenhäuser entstehen, dahinter in lockerer Anordnung Einfamilien- und Doppelhäuser. Der Bebauungsplan Nr. 97 für das Gebiet „Birnbaumkamp“ ist noch in Arbeit.

 Timo Jann

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