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Auferstanden aus Ruinen

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – St. Petri in Ratzeburg Auferstanden aus Ruinen

Die Kirche steht auf den Fundamenten eines Gotteshauses, das einst die Dänen beschossen.

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Auffallend im Innenraum der Petrikirche sind die Emporen, wie man sie eher aus einem Theater kennt. Hier saßen früher vor allem Soldaten.

Quelle: Fotos: N. Dreessen

Ratzeburg. Dänen gelten als friedliche und freundliche Menschen. Das war aber nicht immer so, wie man in Ratzeburg anno 1693 schmerzlich erleben musste: Damals beschossen dänische Soldaten die Stadt heftigst, legten sie fast komplett in Schutt und Asche und machten auch vor der Petrikirche mitten auf der Insel nicht Halt. Das Gebäude wurde stark beschädigt, die Gottesdienste fanden danach jahrzehntelang in einer notdürftig reparierten Ruine statt.

LN-Bild

Die Kirche steht auf den Fundamenten eines Gotteshauses, das einst die Dänen beschossen.

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1787 zog dann ein schwerer Sturm über Ratzeburg hinweg und riss das Kirchendach von St. Petri weg. Daraufhin beschloss man, das rund 500 Jahre alte Gotteshaus endgültig abzubrechen und durch einen Nachfolger zu ersetzen. Vier Jahre zogen sich die Bauarbeiten hin, 1791 wurde die neue Kirche feierlich eingeweiht – auf den Fundamenten des Vorgänger-Bauwerks.

St. Petri in der Form, wie wir sie heute kennen, wurde von Johann Friedrich Laves entworfen und ist ein perfektes Beispiel für eine querschiffig angelegte Saalkirche. Kanzel, Altar und Orgelprospekt befinden sich direkt übereinander und bilden eine raumhohe Einheit. Damit gilt diese Kirche als mustergültig für den protestantischen Kirchenbau des 18. Jahrhunderts in Norddeutschland.

Querschiffkirchen sind dennoch sehr selten, in Schleswig-Holstein findet man nur eine – eben jene hier in der lauenburgischen Kreisstadt. Am bekanntesten unter den deutschen Gotteshäusern in dieser Bauweise ist wohl die ehemalige Garnisonskirche in Potsdam.

Wer St. Petri betritt, dem fällt eins sofort auf: Diese spätbarocke Kirche, fast versteckt in der engen Bebauung der Ratzeburger Innenstadt, ist weit größer als man es von außen ahnt. Die langen Bänke bieten 1000 Gottesdienstbesuchern Platz. Ursprünglich war dieser Bau eine Stadt- und Garnisonskirche, wobei die Bürger unten auf den hufeisenförmig um den Altar angeordneten Bänken saßen, die Soldaten auf den beiden Emporen.

„Die Logen, an beiden Seiten oberhalb des Altars angeordnet, waren für die Offiziere gedacht, die von hier aus einen sehr guten Überblick hatten“, erzählt Pastor Martin Behrens, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Der jeweilige Standortkommandeur sei auch stets der Patron der Kirche gewesen, inzwischen habe immer der amtierende Ratzeburger Bürgermeister dieses rein repräsentative Amt inne.

Noch bis in die 1970er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts war St. Petri Sitz des mit bischöflichen Rechten ausgestatteten Landessuperintendenten der damals selbstständigen lauenburgischen Landeskirche. In Zeiten der Nazi- Diktatur fanden hier unter Landessuperintendent Peter Lange einige Pastoren der „Bekennenden Kirche“ Zuflucht. So wurden im November 1938 in der Petrikirche 22 regimekritische Seelsorger zu Pastoren ordiniert. Heute ist diese Kirche Predigtstätte von Frauke Eiben, Pröpstin im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg.

Mit Prunk und Pracht überladen ist St. Petri nicht, der Innenraum erstrahlt in eher schlichter Schönheit. „Norddeutsch eben“ sei der Stil, erklärt Pastor Martin Behrens. Viele Besucher seien gerade davon sehr angetan.

Das gilt auch für die im Jahr 2013 hier aufgestellte Plastik „Der lehrende Christus“, die Ernst Barlach schon 1931 schuf und die sein Enkel der Kirchengemeinde zur Verfügung stellte. Ebenfalls sehenswert sind die vom Künstler Claus Wallner 1974 geschaffenen Glasfenster an der Altarwand, die vier Stationen im Leben des Apostels Paulus nachzeichnen. Diese Fenster an der Südseite lassen viel mehr Licht durch als jene, die bis dahin vorhanden waren. Heller ist es seitdem in St. Petri geworden – und das ist gut so, denn diese Kirche ist innen wie außen sehenswert und muss wirklich kein Schattendasein führen.

Kirche ohne Turm

Ein Kirchturm gehört normalerweise zu jedem Gotteshaus. Die ursprüngliche Petrikirche in Ratzeburg hatte auch einen Turm, die neue aber musste nach ihrer Erbauung 1791 erst einmal 121 Jahre ohne Turm auskommen – es war dafür schlicht kein Geld vorhanden. 1912 wurde dann aber doch die kleine Uhrenlaterne auf dem Dach durch einen neubarocken Turmaufsatz ersetzt. Darin hängen jetzt auch die drei Glocken, wobei die älteste aus dem Jahr 1578 stammt.

Sechseinhalb Tonnen wog der neue Kirchturm, aber niemand dachte damals daran, den Dachstuhl zu verstärken. Die Folge: „Die Stützpfeiler haben sich im Laufe der Jahre durch das enorme Gewicht um 15 Zentimeter gesenkt“, berichtet Wolfgang Nolze, gelernter Tischler und Mitglied im Kirchengemeinderat. Daraufhin musste mit großem Aufwand ein zusätzlicher Stahlträger ins Dach eingezogen werden.

Norbert Dreessen

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