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Lauenburg Aus Dornröschenschlaf wach küssen
Lokales Lauenburg Aus Dornröschenschlaf wach küssen
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22:34 25.08.2017
Die 1768 gebaute Mühle am Mühlenbach in Labenz steht unter Denkmalschutz. Quelle: Fotos: Jens Burmester

Erst, weil häufig wegen Wassermangel das Wasserrad stillstand, dann, weil die Mühle jahrelang leerstand.

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Teile des Ensembles können am „Tag des offenen Denkmals“ erstmals besichtigt werden.

Doch heute stimmt das nicht mehr so ganz. Denn Yasmine von Rumohr hat sich bereits zu Beginn dieses Jahres daran gemacht, die alte Wassermühle in Labenz wieder herzurichten. Zumindest für Neugierige, die es interessiert, was sich seinerzeit hinter den alten Mauern der Mühle so zugetragen hat und wie seinerzeit das Korn zu Mehl gemahlen wurde.

Bislang war die 54-Jährige gemeinsam mit Peter Burchardi aus Wentorf AS und ihrer Freundin Melanie Schamschor aus Labenz hauptsächlich mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Sie holten den Schutt aus den Räumen, legten nach und nach all das wieder frei, was damals im Mühlenbetrieb wichtig war: das große Mühlrad, das Schaufelrad, durch das mit Hilfe des Wasserflusses die Mühle angetrieben wurde, den Aufzug, mit dem das Mehl über zwei Etagen nach oben gezogen wurde.

„Wir müssen uns immer wieder mit den Denkmalschützern treffen und uns absprechen, denn die Mühle und das gesamte Ensemble hier auf dem Gelände steht unter Denkmalschutz“, sagt Yasmine von Rumohr und zeigt dabei auf das Backhaus gegenüber, den Schweinestall und Geräteschuppen.

Die quirlige Eigentümerin weiß sehr wohl, dass es nicht die erste Mühle hier auf dem Gelände ist. Die wurde nur etwa 200 Jahre alt und musste abgerissen werden, weil sich eine Sanierung nicht mehr lohnte. So entstand im Jahr 1768 die jetzige Mühle. Der letzte Müller Heinrich Rundshagen, erzählt von Rumohr, habe hier 1923 noch mit einem Gasmotor gemahlen, baute dann aber für sage und schreibe 12 Millionen Reichsmark einen riesigen Dieselmotor des Herstellers Deutz ein. Den will Peter Burchardi mit Hilfe von ein paar jungen Männern möglichst bald wieder zum Laufen bringen. „Die Substanz ist gut und es dürfte kein größeres Problem darstellen, dass die Maschine wieder läuft“, sagt der 80-Jährige.

Auch das Herz der alten Mühle, die so genannte Bütte mit dem unbeweglichen Bodenstein und dem Läuferstein sind in sehr gutem Zustand. Sogar die Mehlrutschen und Teile des Aufzugs sind nahezu perfekt erhalten und werden gerade gereinigt. „Wir wollen Teile der Mühle jetzt zum Tag des offenen Denkmals öffnen und der Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt von Rumohr. Dann komme der Enkel des letzten Müllers und führe die Besuchergruppen durch das Haus. Auch Essen und Trinken wolle sie an diesem Sonntag, 10.

September, von 11 bis 18 Uhr anbieten.

Die Eigentümerin des 2,5 Hektar großen Mühlengeländes samt der dazu gehörigen Gebäude und dem 5,8 Hektar großen Mühlenteich hinter dem Mühlengebäude hat sich fest vorgenommen, die Mühle aus ihrem Dornröschenschlaf wach zu küssen. Da sie das selbstverständlich nicht allein leisten kann, nimmt sie die Hilfe vieler Freunde dankend an.

Pläne für die Zukunft hat von Rumohr auch schon. Sie möchte gern ein Ostermahl oder ein Weihnachtsmahl dort stattfinden lassen, möchte den ehemaligen Schweinestall gern zu einem Ort für kleine Märkte herrichten. Doch eines sei ihr dabei sehr wichtig: „Der Charakter eines ,Museum Mühle Labenz‘ soll immer an erster Stelle stehen. Hier soll man Geschichte zum Anfassen erleben können“, sagt Yasmine von Rumohr über ihre Ideen für die alte Wassermühle, die eigentlich mehr ist, als ein Stück Labenzer Dorfgeschichte. Vielleicht fährt ja bald schon nicht mehr jeder daran vorbei, sondern hält auch an, um sich die Geschichte der Mühle anzuhören und wagt auch einen kleinen Rundgang durch das Gebäude. Die Arbeiten gehen immer weiter. Täglich schaffen Yasmine von Rumohr und ihre fleißigen Helfer ein bisschen mehr von der unter Denkmalschutz stehenden alten Mühle freizulegen und für die Besucher sichtbar zu machen.

Wassermangel und Mühlenzwang

Die Mühle in Labenz wurde nicht zu allen Zeiten des Jahres mit Wasser betrieben. Oft fehlte es an genügend Mahlwasser, denn die oberhalb der Mühle liegenden Teiche standen damals nicht nur dem Müller zur Verfügung, sondern dienten vor allem auch der Fischzucht. Staute also der Fischer die Teiche, blieb kein Wasser mehr für den Müller. Wenn die Schleusen dann geöffnet wurden, um die Teiche trocken zu legen, konnte der Müller nur für kurze Zeit Wasser zum Mahlen nutzen.

Alle Bauern der zehn Steinhorster Dörfer waren mit dem Zwang, in Labenz mahlen lassen zu müssen, einverstanden. Der Mühlenzwang wurde erst 1815 aufgehoben und von da an wurde die Mühle in Labenz privatisiert. Daraufhin machte sich der Müller, zunächst mit einem Gasmotor, später mit einem Deutz-Dieselmotor unabhängig vom Wasser. jeb

 Jens Burmester

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