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Lauenburg Ausbruch der Wasserpest in Mölln
Lokales Lauenburg Ausbruch der Wasserpest in Mölln
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20:58 16.06.2017
Unter der Wasseroberfläche wuchert die Wasserpest enorm.

Die Schifffahrt auf den Möllner Seen kam im vergangenen Jahr fast zum Erliegen. Die aus Nordamerika stammende Wasserpest hatte sich so extrem verbreitet, dass sie die Übergänge zu den einzelnen Seen sowie bis zu 50 Meter breite Korridore vom Ufer in den See hinein quasi unbefahrbar machte. Wassersportler und Fahrgastschiffer wurden selbst aktiv und rodeten große Bereiche. Doch nun warnt die Stadt kurz vor Beginn der heißen Vermehrungsphase der Pflanze vor erneutem Zurückschneiden. Der Grund: Das Schneiden lasse die Pflanze noch stärker sprießen. Außerdem sei der Eingriff in die Biotope gesetzlich verboten.

Wassersportler und Fahrgastschifffahrt haben Ärger durch die Pflanze aus Nordamerika, die Schiffsschrauben außer Betrieb setzt – Doch Stadt warnt davor, Bewuchs zurückzuschneiden.

„ Boote kommen nicht mehr ins Hafenbecken. Andreas Langwagen

MMC-Vorsitzender

„Wenn es sich genauso verbreitet, wie in den letzten Jahren, und wir dagegen nichts unternehmen, können wir im nächsten Jahr über den See laufen“, sagt Oliver Morgenroth scherzend, Eigentümer von Schiff und Boot Morgenroth. Die Lage sei problematisch. Im Hegesee, Schulsee und im Ziegelsee sei die Wasserpest nicht zu übersehen. Er habe in den vergangenen zwei Jahren arge Probleme mit dem Bewuchs gehabt. Auf dem Schulsee sei die Wasserpest 40 bis 50 Meter vom Ufer aus bis in tiefere Bereiche des Sees hinaus gewuchert, so dass das Schifffahren in diesem Bereich nicht mehr möglich gewesen sei.

Deshalb musste Morgenroth viel davon abernten. „Wir mussten das rausreißen, sonst hätten wir, die Wassersportler, aber auch Anwohner keine Chance mehr gehabt, dort durchzukommen“, sagt der Kapitän.

Er habe von vielen Stellen Dank dafür erhalten. Seiner Meinung nach wäre eine konsequente städtische Lösung mittels eines beauftragten Unternehmens besser gewesen. Es hätten sich schließlich spezialisierte Unternehmer mit Angeboten an die Stadt gewandt. Immerhin sei die Verwaltung dem Fahrgastschiffer bei der Entsorgung der enormen Pflanzenmengen behilflich gewesen.

„Im vergangenen Jahr haben einzelne Anlieger gebeten, den ungewohnten Pflanzenbewuchs aus den Möllner Seen zu entfernen. Von solchen Maßnahmen hat die Stadtverwaltung abgesehen, weil das massive Vorkommen der Wasserpest- Pflanze durch diese Maßnahmen eher befördert als eingeschränkt wird“, schreibt die Stadt in ihrer aktuellen Meldung zur Wasserpest. Die Pflanzen hätten die Eigenheit, sich vegetativ durch Absprossungen und Abrisse einzelner Triebe zu vermehren, so dass die übermäßige Vermehrung durch dieses Vorgehen zusätzlich befördert werde.

Auch stünden die zu erwartenden hohen Rodungskosten in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem kurzzeitigen Erfolg. Die Erfahrungen in anderen Gewässern habe gezeigt, dass Massenvorkommen der Wasserpest nach einigen Jahren wieder zurückgegangen seien. Das hat sich so zum Beispiel auf dem Prüßsee in Güster gezeigt, wo das Problem mittlerweile wieder unter Kontrolle ist.

Die Stadt warnt Anwohner sogar vor privaten Rodungsaktionen. „In gesetzlich geschützten Biotopen sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder sonstigen erheblichen Beeinträchtigung des Lebensraumes führen können“, heißt es in der Pressemitteilung des Stadtgrüns (§ 30, Absatz 2, Bundesnaturschutzgesetz). Laut Unterer Naturschutzbehörde könne die Stadt Mölln privaten Anliegern im Einzelfall lediglich erlauben, eine maximal zwei Meter breite Schwimmschneise vom Ufer zur offenen Wasserfläche zu räumen.

„Wir haben sehr extrem mit der Wasserpest zu tun. Die Boote kommen nicht mehr in die Häfen rein. Das Kraut wächst mittlerweile so hoch, dass es sich in die Schrauben der Schiffe reindreht“, sagt auch der 1. Vorsitzende des Möllner Motorboot Clubs, Andreas Langwagen. Dann werden Boote manövrierunfähig. Ständig kämpfe der Verein dagegen. Dass die Pflanze erst recht wuchere, wenn sie geschnitten werde, sei bekannt. „Deshalb reißen wir die Pflanzen komplett raus. Trotzdem wächst die Pflanze nach“, so Langewagen. Nur mit Pflanzengift, was natürlich verboten sei, oder durch Abdecken mit einer lichtundurchlässigen Folie sei der Wasserpest beizukommen.

Oliver Morgenroth ist skeptisch, was die Empfehlungen der Stadt betrifft. Zwar seien die Einschätzungen des Stadtgrüns meist versiert. Doch wenn es im Juli wieder heißer wird, rechnet er mit erneuten Problemen. „Es wird zur Folge haben, dass Privatleute mit den Ruderbooten gar nicht mehr den eigenen Steg erreichen werden. Wer möchte schon 20 Meter vor dem eigenen Ufer aussteigen“, erklärt er.

Kein schwieriges Thema sei die Wasserpest hingegen in Ratzeburg, teilte der Stadtsprecher Mark Sauer auf Anfrage mit, der sich zuvor beim Grünamt der Inselstadt darüber informiert hatte.

Invasive Unterwasserpflanze

Die Wasserpest ist laut Stadtgrün eine aktuell in den Möllner Seen vorkommende, eindringende Unterwasserpflanze, die ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Nordamerika hat. In den vergangenen Jahren ist das Massenvorkommen der Schmalblättrigen und der Kanadischen Wasserpest in den Uferbereichen der Möllner Seen auffällig geworden. Im Sommer kann der dichte Pflanzenteppich in Ufernähe das Baden und Bootfahren behindern. Von der Masseninvasion der Wasserpest sind nicht nur Möllner Seen betroffen, vielmehr handelt es sich um ein europaweites Phänomen.

Gesundheitliche Gefahren für den Menschen gehen von der Wasserpest nicht aus. Auch die heimischen Wasserpflanzen leiden nicht nachhaltig unter der aktuellen Dominanz der Wasserpest. Durch das Vorkommen der Wasserpest ist das Wasser der Seen sogar auffällig klarer, insbesondere weil für das wassertrübende Algenwachstum weniger Nährstoffe im Wasser verbleiben. Der mit der Wasserpest verbundene dichte Unterwasserwald bietet Klein- und Jungfischen beste Flucht- und Versteckmöglichkeiten vor räuberischen Welsen und Hechten.

 Florian Grombein

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