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Außen unscheinbar, innen ein schnörkelloses Industriekleinod

Geesthacht Außen unscheinbar, innen ein schnörkelloses Industriekleinod

Geesthachter Lokschuppen hat bewegte Vergangenheit hinter sich — und lebt noch immer.

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Ein Blick in den Geesthachter Lokschuppen, im dem die 1975 gegründete „Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn“ etliche rollende Schätze verwahrt und pflegt.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Geesthacht. Seien wir ehrlich: Eine städtebauliche Perle ist der 1920 errichtete Lokschuppen an der Dünenstraße in Geesthacht nicht. Grau gestrichen mit schon abblätternder Farbe, 25 Meter lang, 13 Meter breit und acht Meter hoch — so steht er da. Innen aber birgt das Gebäude, erbaut in schnörkelloser Industriearchitektur, echte Schätze, sehr gewichtige sogar.

Der Plan für die Halle stammt vom damals renommierten Hamburger Architekten Hermann Distel, der auch das Hauptgebäude der Hamburger Uni und mehrere Krankenhäuser entwarf. Wie schnell man vor 100 Jahren bauen konnte, belegen diese Daten: Im März 1920 wurden die Zeichnungen vorgelegt, im November 1920 war die Bauabnahme. Für die Genehmigung zuständig war damals die Baudeputation der Hansestadt Hamburg, denn Geesthacht gehörte bis 1937 zu Hamburg und wurde erst dann durch das „Großhamburg-Gesetz“ dem Kreis Herzogtum Lauenburg zugeschlagen.

Die Beziehung zu Hamburg spielte für den Lokschuppen von Anfang an eine wichtige Rolle: 1905 wurde die Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn AG (BGE) gegründet, 1906 verkehrte der erste Zug zwischen beiden Stationen. Die BGE begann ihren Fahrbetrieb mit drei Dampflokomotiven, fünf Personen-, zwei Post- und Gepäck- sowie zehn Güterwagen. Die mussten außerhalb der Betriebszeiten sicher verwahrt und regelmäßig gewartet werden. Dafür wurde der Lokschuppen benötigt. Auf zwei Gleisen nebeneinander rollten die Fahrzeuge rein und wieder raus.

Knapp 50 Jahre lang verkehrten Personenzüge zwischen Geesthacht und Hamburg, doch am 26. Oktober 1953 stellte die BGE die unrentable Verbindung ein und ersetzte sie durch Busse. 1954 erfolgte eine Umfirmierung. BGE heißt seitdem Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) und ist Besitzerin des Lokschuppens.

Seit den 50er Jahren hat das Gebäude die unterschiedlichsten Nutzungen erlebt. Selbst eine Gießerei und ein Betonmischwerk zogen hier ein. Auch ein Zirkus nutzte die Halle als Winterquartier. Die jeweiligen Pächter gingen nicht gerade schonend mit dem einstigen Lokschuppen um, entsprechend sah er aus. Doch Rettung war in Sicht.

1975 gründeten genau zwölf ehemalige Eisenbahner und Eisenbahnfreunde die „Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn“. Der Verein konnte das vorübergehend leer stehende Gebäude von der VHH pachten, aber nicht sofort beziehen: „Vorher mussten wir mehrere Lastwagen voll Betonschutt rausfahren“, erinnert sich der Vorsitzende Hermann Scharping. Dann machte man sich an die dringend nötige Sanierung des Bauwerks und nahm gleich einige Um- und Ausbauten vor. Dabei wurde auch festgestellt, dass nur noch eins der ursprünglich zwei Gleise erhalten war.

Die Eisenbahnfreunde richteten eine große Werkstatt ein, eine Küche und mehrere Aufenthaltsräume, sie schmückten die Wände mit allerlei alten Schildern, Signalen und Karten, die sie aus Bahnhöfen in ganz Norddeutschland zusammentrugen — und sie kauften historische Lokomotiven und Waggons, denn oberstes Ziel des Vereins war es, den Zugbetrieb zwischen Geesthacht und Bergedorf wieder aufleben zu lassen, wenn auch nur zeitweise.

Ein Jahr nach Gründung des Vereins rollten die ersten Fahrzeuge in den Lokschuppen, der seinen Namen nun wieder mit vollem Recht trug. 1976 fuhr der erste Museumszug, ab 1977 war es dann eine stilechte Dampflokomotive, die über die alte Strecke in Richtung Hamburg schnaufte.

Viele der Vereinsmitglieder hatten an diesem Tag Tränen der Rührung in den Augen. Und die heute 65 Mitglieder, von denen sich etliche zweimal pro Woche in „ihrem“ Schuppen treffen, um die Fahrzeuge zu hegen und zu pflegen, sind fest entschlossen, noch viele Jahre solche nostalgischen Touren unter Dampf anbieten zu können. Durch die verkauften Fahrkarten wird außerdem ein großer Anteil der anfallenden Kosten zur Erhaltung des Hauses und der Züge gedeckt.

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Norbert Dreessen

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