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Lauenburg Ausstellung zeigt Freude am Experiment
Lokales Lauenburg Ausstellung zeigt Freude am Experiment
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20:28 26.08.2016

16 Jahre ist es her, dass der Lauenburgischer Kunstverein (LKV) Werke der aus Dänemark stammenden Künstlerin im Amtsrichterhaus präsentiert hat. Jetzt öffnen sich die Türen zur ersten Einzel-Ausstellung für die seit 1964 in Geesthacht lebende Irene Netzebandt.

„Eine Retrospektive! Von immer bis jetzt – und noch weiter!“, lautet der Untertitel zu den über 80 Exponaten. Skulpturen und Bilder sind zu sehen. Mal abstrakt, mal, im treffendsten Sinne des Wortes, gegenständlich. Sehr viel Experimentierfreude, ein sehr bewusster Umgang mit Farben, Linien, Material fällt auf. Die schon leicht angerostete Bezeichnung Materialmix könnte viele der Werke von Netzebandt beschreiben, wird der Tiefe ihrer Werke aber nicht gerecht. Zum Teil dialektische Kompositionen lassen sich erschließen, wenn man sich bei der Betrachtung einlassen kann auf die verschiedenen Materialien, die auf den ersten Blick voneinander fremd sind. Aber in der Begegnung, die Irene Netzebandt dem Inhalt ihrer Rahmen verschafft, sei es durch Anordnung oder auch Bearbeitung, entsteht ein völlig neues Ganzes.

„Ihre Technik ist einmalig“, sagt Heinz Winter beim Gang durch die Ausstellung, die sich über die zwei Etagen des historischen Gebäudes erstreckt. Winter kennt die Künstlerin seit gut 30 Jahren und hatte die Idee zu dieser Ausstellung. Er hat organisiert und kuratiert und schließlich noch dafür gesorgt, dass eine neue (Leichtbau-) Wand installiert wurde, um ausreichend Platz zum Hängen zu erhalten. Bei einer Retrospektive sollen möglichst viele Schaffensphasen gezeigt werden können. Das hat Heinz Winter erreicht.

Nikolai Rosenberg ist Kulturmanager des Amtsrichterhauses. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung sagt er zustimmend: „So etwas hatten wir hier noch nicht. Es verändert das Haus.“

Als gelernte Dekorateurin wollte sich die in Kopenhagen lebende und arbeitende Irene Netzebandt weiterbilden. Eine geeignete Schule gab es damals dort nicht. Ihr Arbeitgeber verschaffte ihr dann eine Kunstausbildung. „Ich habe einfach viel ausprobiert“, sagt die etwas schüchtern wirkende Netzebandt zu ihren Techniken. Da wird einmal frisches Holz mit verrostetem Metall zu einer neuen Einheit, da werden Linoleumplatten mit Laugen bearbeitet, ebenso Textilien, die sich in ihre feinsten Strukturen aufzulösen beginnen. Und auch feiner Humor spielt mit, zumal, wenn man den Titel des Werkes kennt.

„Alter Buchhalter“ ist so ein Beispiel: Ein symbolisiertes Buch aus Vollholz, das scheinbar gehalten wird von einem alten und von Rostfraß gezeichneten Eisenblech. „Das Eisen habe ich in einem Müllcontainer auf einem Berliner Bahnhof gefunden“, erläutert die Künstlerin. Dadurch sei die Idee entstanden. Das Beobachten der verschiedenen Schaffensphasen in dieser Ausstellung, die in der Tat viel mehr ist, als eine Retrospektive, ist nicht irritierend. Es bleibt in jedem Werk die Handschrift von Irene Netzebandt erkennbar, und die Eindrücke verdichten sich im Zusammenspiel mit den Räumen zu einem Gesamteindruck dieser außerordentlichen Künstlerpersönlichkeit. Freude macht es, die Künstlerin mit Erläuterungen zu ihren Werken zu erleben. Dazu gibt es mehrere Gelegenheiten (siehe Beistück).

Die große Anzahl der Werke mag für den einen oder anderen Besucher dieser Ausstellung vielleicht als „Sinn-Überflutung“ wirken, der Gesamteindruck ist aber nicht zwingend erforderlich. Es kann auch in einzelne Werke tief eingetaucht werden. In jedem Fall sollte man sich für einen Besuch ausreichend Zeit mitnehmen.

Thomas Biller

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