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B 207 neu: Das Warten auf die schöne neue Ruhe

Pogeez/Groß Sarau B 207 neu: Das Warten auf die schöne neue Ruhe

Der Durchfahrtsverkehr in den Gemeinden Pogeez und Groß Sarau wird sich durch die Herabstufung der alten B 207 zur Landstraße stark reduzieren. Mit Konsequenzen?

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Holger Hagemeister (49), Inhaber der Shell-Tankstelle in Groß Sarau, fürchtet den Verlust von Kunden durch die neue B 207.

Quelle: Fotos: Alessandra Röder

Pogeez. Der Bau der B 207 neu zieht eine drastische Veränderungen der Infrastruktur in Pogeez und Groß Sarau nach sich. Mit dem absehbaren Ende der Baumaßnahmen im Herbst 2014 wird die alte Trasse zur Landstraße herabgestuft. Durch die westlich an den Gemeinden vorbeigeführte B207 neu verringert sich nach Angaben des Verkehrsministeriums der Durchfahrtsverkehr von 11 000 bis 12 000 Fahrzeugen pro Tag, mit einem achtprozentigen Anteil an Lastkraftfahrzeugen, auf gerade mal 5000. Das ist eine Verringerung des Verkehrsflusses um über 50 Prozent. Welche Auswirkungen hat dieser Einschnitte auf die betroffenen Gemeinden und vor allem auf die Geschäfte die bisher stark von dem regen Verkehrsfluss profitierten?

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„Nobis-Krug“-Geschäftsführer Peter Lachmann (47): „Je mehr Verkehr, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das jemand herkommt.“

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Diesem gewaltigen Einschnitt in die Infrastruktur des Gebietes sehen die betroffenen Gemeinden sehr gelassen entgegen. Insgesamt stufen die Bürgermeister die Entwicklung als positiv ein, messen ihr aber auch keine zu hohe Bedeutung bei. „Das Bauvorhaben wird erstmal wenig Auswirkungen auf die Dorfentwicklung haben“, erklärt Helmut Schwarz, Bürgermeister von Groß Sarau. Die Bürgermeisterin von Pogeez, Christiane Füllner, bewertet die Herabstufung zur Landstraße als Erhöhung der Lebensqualität der Anwohner. „Wir alle leiden unter den Lärm, und wegen des vielen Verkehrs kann man seine Kinder nicht alleine zur Seebadestelle gehen lassen.“ Außerdem entstehen durch die geplante Straßenverkleinerung, wenn die B 207 alt zur Landstraße wird, mehr Parkmöglichkeiten.

Auch die Anwohner in dem neu entstandenen Neubaugebiet in Klein Sarau freuen sich über den Bau der neuen Verbindung. Durch eine geplante Anbindung von Klein Sarau an die B 207 neu müssen sie nicht mehr über einen beschädigten Schleichweg fahren, um die Bundesstraße zu erreichen. „Das wäre super, wenn wir da nicht mehr durchfahren müssten, außerdem sparen wir immerhin vier Minuten“, erklärt Malte Bromberg (30) glücklich. Doch für ein paar Einzelschicksale hat der Bau der B 207 neu ungewisse Konsequenzen. Nämlich für die an der Straße gelegenen Betriebe, die von dem Durchfahrtsverkehr stark profitieren.

Ina (45) und Jörg (46) Markmann sind die Inhaber des Imbisses „Bratkartoffelhäuschen“ in Pogeez. Das Schnellrestaurant ist seit 14 Jahren im Familienbesitz, und die Lage an der Bundesstraße wurde damals absichtlich gewählt. „Das war eine vielbefahrene Straße. Ein großer Teil der Menschen auf dem Weg nach Lübeck kommt zu uns“, erklärt Ina Markmann. Das Ehepaar beobachtete die Planungen für das Bauvorhaben schon seit Jahren, konnte aber lange Zeit nicht glauben, dass diese tatsächlich umgesetzt werden. Ina Markmann nennt die geplante Herabstufung zur Landstraße eine „Katastrophe für die Geschäftswelt an der B 207 alt“. Natürlich mache sich das Ehepaar Gedanken, um die möglichen Folgen für ihre Zukunft.Doch obwohl Ina und Jörg Markmann von dem Bau der B 207 neu gar nicht begeistert sind, wollen sie optimistisch in die Zukunft sehen. „Wir werden um unseren Imbiss kämpfen“, sagt Jörg Markmann. An die geänderten Umstände müsse sich eben angepasst werden. „Wir hatten hier als Imbiss eine Monopolstellung, nun müssen wir die richtige Idee haben und besser sein als die anderen“, erklärt Ina Markmann.

Auch „Nobis Krug“-Inhaber Peter Lachmann (47) befürchtet: „Je mehr Verkehr, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das jemand herkommt.“ Doch es gäbe so oder so immer wieder Einbrüche und Hochphasen, auch durch andere Umstände.

Der Inhaber der Shell-Tankstelle in Groß Sarau, Holger Hagemeister (49), lässt sich durch die Baumaßnahmen nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn die Planungen für das Bauverhaben dazu beigetragen haben, dass die alte Inhaberin die Tankstelle abgab. Zusammen mit seiner Frau Susanne Hagemeister (42) hat der 49-jährige die Tankstelle im Dezember 2012 übernommen. „Die meisten Umsätze werden ohnehin nicht durch den Treibstoff gemacht“, erklärt Hagemeister. Als Konsequenz für den verringerten Durchfahrtsverkehr werde sich das Konzept der Tankstelle noch mehr auf das Kleingeschäft wie den Zeitungsverkauf, Backwaren und eine Bistroecke konzentrieren. Trotzdem vermutet er, dass sich der Kraftstoffabsatz dem geringeren Verkehr entsprechend reduzieren wird wird. „Ich muss natürlich umdenken, keiner kann genau sagen, was daraus entsteht“, so der Tankstelleninhaber.

Insgesamt sehen die Inhaber der betroffenen Geschäfte der Veränderung ihrer Geschäftslage optimistisch entgegen. Sie hoffen auf ihre regionale Stammkundschaft und wollen durch neue Geschäftskonzepte ihre Existenz auch ohne den Durchfahrtsverkehr sichern. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, kommentiert Holger Hagemeister das Vorhaben der Geschäfte, sich an die gegebenen Umstände anzupassen.

Der lange Weg zur B 207 neu
Der erste Bauabschnitt der B207 neu verbindet die Hansestadt Lübeck mit der A20 und wurde im Dezember 2007 freigegeben. Die Straße verläuft entlang der Bahnstrecke Lübeck/Lüneburg zwischen dem Flughafen Lübeck-Blankensee und dem Flughafenbahnhof bis zur A 20. Im Zuge der Baumaßnahmen wurde die B 207 alt zwischen der Wakenitzbrücke Lübeck und der Anschlussstelle Groß

Sarau an der A 20 zur Landstraße herabgestuft.


Der erste Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt war im Mai 2008. Der Abschnitt beginnt an der A 20-Anschlussstelle Lübeck-Süd und führt südlich von Pogeez am Ratzeburger See entlang.


Der zweite Bauabschnitt sollte ursprünglich 2011 fertig und somit die neue Bundesstraße durchgängig befahrbar sein. Durch Torflinsen zwischen dem Holstendorfer Weg und dem Bornhorstweg verschob sich der Termin für das Ende der Baumaßnahmen auf Herbst 2014. Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr hat den Auftrag für die Hauptbauleitungen an das Bauunternehmen Johann Bunte übergeben.

Alessandra Röder

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