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Lauenburg Badeunfall? Keine Hoffnung mehr für vermissten 17-Jährigen
Lokales Lauenburg Badeunfall? Keine Hoffnung mehr für vermissten 17-Jährigen
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11:09 27.06.2017
Etwa 100 Einsatzkräfte suchten am Badesee in Müssen nach einem vermissten 17-Jährigen – bislang blieben alle Bemühungen erfolglos. Quelle: Fotos: Timo Jann
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Müssen

Man muss wohl von einem tragischen Unglück ausgehen: An der Badelagune in Müssen bei Schwarzenbek ist in der Nacht zum Sonntag ein 17-Jähriger nach dem Schwimmen mit Freunden nicht mehr aus dem trüben Wasser zurückgekommen. Bei dem Jugendlichen handelt es sich um einen Flüchtling aus Libyen, der in der Geesthachter Jugendherberge lebte. Dort geht man nicht davon aus, dass er sich abgesetzt haben könnte, weil gerade erst auch sein Cousin eingezogen war. Der Verein für soziale Dienste betreut dort unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Auch gestern blieb der vermisste Schwimmer weiterhin verschwunden. „Wir befragen jetzt die Begleiter des Jugendlichen, was nicht ganz einfach ist, und werden dann beraten, wie weiter vorzugehen ist“, erklärte gestern Polizeisprecher Holger Meier in Ratzeburg.

Junger Mann aus Libyen vermutlich im Müssener Badesee ertrunken.

16 junge Flüchtlinge und Betreuer waren am Sonnabend trotz des kühlen und regnerischen Wetters zum Badesee nach Müssen gefahren. An schönen Sommertagen sorgt dort der Verein „Sicheres Wasser“ (SiWa) seit mittlerweile mehr als zehn Jahren für eine ehrenamtliche Badeaufsicht. „Wir waren jetzt nicht dort, weil das Wetter zu schlecht war und es kaum Gäste gab“, erklärte SiWa-Sprecherin Monika Retzlaff. „Wir sind aber trotzdem total erschüttert, was dort passiert sein soll, denn es ist ja quasi unser Heimatgewässer“, sagte sie am Sonntag.

Um 23.41 Uhr alarmierte die Leitstelle nach einem Notruf einer Betreuerin die ersten Einsatzkräfte. „Eine Gruppe von 16 Flüchtlingen war zum Schwimmen in den See gegangen, nur 15 kamen wieder raus“, berichtete Einsatzleiter Ingwer Paulsen. „Wir haben dann gleich Kräfte nachgefordert, um den See komplett absuchen zu können“, sagte er. Im Einsatz waren neben der Feuerwehr auch Mitglieder der DLRG, des DRK und die Polizei mit Personenspürhunden – insgesamt 158 Einsatzkräfte mit 59 Fahrzeugen und acht Booten aus der Region. Trotz des großen Aufgebots und sechsstündiger Suche auf dem Wasser, im Wasser und entlang des teils unwegsamen Ufers blieb der junge Mann verschwunden. Auch zehn Suchhunde, ein Sonar, eine Wärmebildkamera und drei Nachtsichtgeräte brachten keinen Erfolg. Morgens wurde die Suche abgebrochen. Erkenntnisse, dass der Jugendliche unbemerkt aus dem Wasser gestiegen sein und sich abgesetzt haben könnte, hat die Polizei bisher nicht, kann es aber auch nicht ausschließen. Allerdings lagen die Kleidung und das Smartphone des Jugendlichen am Badestrand der Lagune.

Wegen der Verständigungsprobleme ist es laut Meier schwierig, den Hergang zu rekonstruieren. Unklar sei noch, ob Polizeitaucher eingesetzt würden. Die Taucher von Feuerwehr und DLRG sind wieder abgezogen. Gegen die Betreuer des Jugendlichen werde bisher nicht ermittelt, so Meier.

Das in einer ehemaligen Kiesgrube angelegte Gewässer ist bis zu 19 Meter tief, in einigen Bereichen gibt es Wasserpflanzen. „Außerdem befindet sich einige Meter vor der durch uns markierten Badestelle eine steile Abbruchkante. Für ungeübte Schwimmer ist der See riskant“, so Monika Retzlaff. Trotzdem ist die Badelagune Müssen bei den Menschen wegen der guten Wasserqualität sehr beliebt.

Der Vermisste soll den markierten Schwimmbereich verlassen haben, als er plötzlich verschwand. Der junge Libyer wäre das erste Todesopfer in der Badesaison 2017 in der Region.

 Timo Jann

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