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Lauenburg Bäckermeister Asmussen sagt tschüss
Lokales Lauenburg Bäckermeister Asmussen sagt tschüss
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22:27 01.11.2013
Hier holt Johannes Asmussen gerade die fertigen Rosinenbrötchen aus dem Ofen

Gestern Abend hat Bäckermeister Johannes Asmussen zum letzten Mal seinen Backofen angeheizt. Am Donnerstag feierte das Wentorfer Urgestein seinen 65. Geburtstag. Jetzt gibt er seine Bäckerei und den Laden in der Wentorfer Dörpstraat auf.

Bäckermeister Asmussen übernahm den Betrieb vor 35 Jahren von seinem Vater, der auch Johannes hieß. Sein Vater gründete die Bäckerei bereits im Jahr 1948. „Ich habe in den 35 Jahren, die ich den Laden hier führe, drei Lehrlinge ausgebildet. Die sind aber alle nach der Lehre weggegangen“, sagt der Bäckermeister.

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Morgens um sechs Uhr gingen im Laden die Rollläden hoch.

„Mit der Bäckerei Asmussen verliert die Gemeinde ein Stück Tradition“, sagt Bürgermeisterin Nicole Demir. Sie selbst hat oft sonnabends ausgeholfen im Laden. Schließlich ist das der beste und umsatzstärkste Tag, wie Asmussen selbst versichert. Das ist auch der Grund, warum „Hanni“, wie der Bäckermeister liebevoll genannt wird, schon kurz nach der 20-Uhr-Tagesschau mit der Arbeit am Freitagabend beginnt. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend müssen 70 Brote, 1400 Brötchen diverser Sorten und dazu noch Kuchen gebacken werden. Unter der Woche beginnt er erst gegen 2.30 Uhr mit der Arbeit. Damit er nicht verschläft, klingeln stets zwei Wecker. Dann wird auch seine Ehefrau Erika wach, doch sie schläft danach wieder ein. „Das klappt nicht immer, aber meistens“, sagt die 66-Jährige.

Für sie beginnt der Tag gegen 6 Uhr. Dann hat Hanni Asmussen bereits die frischen Brötchen aus dem 200 Grad heißen Backofen geholt und in den kleinen Laden gebracht. „Ich habe dann Ladendienst, während meine Frau frühstückt. Wenn sie damit fertig ist, tauschen wir“, sagt Asmussen und schaut vom Laden in die Küche, die gleich dahinter liegt. Da stellt seine Frau gerade Frühstücksbrettchen und die Kaffeetassen auf den Tisch, während der Kaffee bereits durch die Maschine gluckert.

Kaum sind die Jalousien vor dem Laden geöffnet, stehen auch schon die ersten Kunden vor der Tür. Asmussen kennt sie alle, denn sie kommen schon seit Jahr und Tag morgens auf dem Weg zur Arbeit, holen frische Brötchen und die Zeitung. Der kleine Laden ist immer wieder ein Treffpunkt, wo mal ein Klönschnack gehalten wird und wo man auch einige Dinge bekommt, die man beim letzten Einkauf vergessen hat oder die gerade eben mal alle waren. Er hat das Flair eines Tante-Emma Ladens, das die Kunden hier so lieben.

Bei Johannes Asmussen überwiegt inzwischen die Freude auf den Ruhestand. Seiner Frau aber laufen immer wieder die Tränen über die Wangen, wenn sie daran denkt, dass nun Schluss ist. Nach 30 Jahren wird es erstmals in der Vorweihnachtszeit keine Kekse und keine Vanillekipferl mehr geben, die Erika Asmussen selbst in ihrer Küche gebacken hat. „Das kann Hanni nicht, das mache ich immer selbst“, sagt sie und blickt dabei verschmitzt um die Ecke.

Elf Jahre lang haben die beiden keinen Urlaub mehr gemacht. Das wollen sie jetzt nachholen. „Aber nur dahin, wo man mit dem Auto hinkommt, möglicherweise in die Berge“, sagt der Bäckermeister. Und er freut sich, dass er künftig mit seiner Frau alle Veranstaltungen besuchen kann, die ihnen wegen der Arbeitszeit eines Bäckers bisher verwehrt blieben.

Ein backender Nachmieter ist schon gefunden
Das 70 Quadratmeter große Ladenlokal hat Bäcker Asmussen schon an Thorsten Schleuß vermietet. Schleuß ist ebenfalls Bäckermeister und betreibt seit Mai dieses Jahres in Sandesneben eine Bäckerei. Ab dem 5. November will Schleuß seine Backwaren auch in Wentorf anbieten.

Allerdings will er erst ab 6.30 Uhr und auch nur bis mittags den Laden öffnen. Bleiben soll aber die Annahmestelle des Hermes-Paketshops, verspricht Schleuß. jeb

Jens Burmester

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