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Bahnhof Friedrichsruh auf dem Abstellgleis

KOMMENTAR Bahnhof Friedrichsruh auf dem Abstellgleis

Der Bahnhof Friedrichsruh wird immer unbedeutender. Nachdem bereits die Zughalte in der Woche gestrichen wurden, streicht das Land nun die in Friedrichsruh haltende Regionalbahn komplett. Betroffen davon ist auch die bundeseigene Bismarckstiftung.

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Abgehängt: Künftig halten nur noch sonntags Züge am Bahnhof in Friedrichsruh und damit vor der Bismarck-Stiftung. MAROHN

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Friedrichsruh. In Friedrichsruh stieg einst der Eiserne Kanzler ein und aus, wenn er sich mit der Bahn auf den Weg in die Reichshauptstadt machte. Auch der chinesische Vizekönig kam im Juli 1896 per Bahn nach Friedrichsruh, um die deutsch-chinesischen Beziehungen zu vertiefen. Heute halten an dem Bahnhof zwischen Schwarzenbek und Aumühle immer seltener Züge. Nach dem Krieg waren es zunächst die wegen ihrer metallisch glänzenden geschliffenen Außenhaut so genannten „Silberlinge“, gezogen von schweren Diesellokomotiven, später die „leichten innovativen“ Dieseltriebwagen LINT der Regionalbahn (RB), die auf ihrer Pendelfahrt zwischen Büchen und Aumühle als Zubringer zur S-Bahn dort hielten. Damit ist mit dem Winterfahrplan Schluss: Die letzten RB-Verbindungen werden durch einen Regionalexpress ersetzt.

LN-Bild

Der Bahnhof Friedrichsruh wird immer unbedeutender. Nachdem bereits die Zughalte in der Woche gestrichen wurden, streicht das Land nun die in Friedrichsruh haltende Regionalbahn komplett. Betroffen davon ist auch die bundeseigene Bismarckstiftung.

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Das Problem: Mit ihren fünf Doppelstockwagen sind die Züge zu lang, um an den kürzeren Bahnsteigen in Friedrichsruh zu halten. Immerhin sonntags können zukünftig aufgrund der geringeren Nachfrage noch kürzere Züge eingesetzt werden und damit „bei Bismarck“ halten. Da diese in einem Zwei-Stundentakt verkehren, wird die bisherige Anbindung sogar verdichtet.

Kritik an dem immer stärkeren Abhängen des Haltepunktes Friedrichsruh kommt von der dort ansässigen Bismarckstiftung. „Es ist gerade für die politische Bildung mit den Schulen ein Problem. Viele Schulklassen kommen gerade aus Hamburg oder dem Lauenburgischen“, sagt Norbert Brackmann (CDU), stellvertretendes Vorstandsmitglied und seit dem Jahr 2012 ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender im Förderverein der Otto von Bismarck Stiftung. Als vor einigen Jahren die geplante Streichung der Regionalbahn bekannt wurde, habe man vergeblich dagegen interveniert. Auch Stiftungs-Geschäftsführer Prof. Dr. Ulrich Lappenküper bezeichnet die damalige Aussprache als „ausgesprochen unerfreulich“.

Dass es in den Folgejahren bei den Gruppenbesuchen kaum Einbrüche gegeben hat, führt Lappenküper allerdings vor allem auf das bismarcksche Jubiläumsjahr 2015 und die Aktionen zum 20-jährigen Bestehen der Stiftung 2016 zurück. „Das war für uns ein Glück, da das Interesse um das Jahr herum natürlich größer war.“ So kamen 2015 mit 122 immerhin „deutlich mehr“ Schulklassen und andere Gruppen als 2016. Die Frage sei aus seiner Sicht aber vielmehr, wie viele Gruppen man hätte empfangen können, wenn die verkehrstechnische Situation besser wäre. „Wir sitzen nun einmal im Sachsenwald. Das ist anders als in der Großstadt.“ So sei man auf eine gute Anbindung angewiesen und darauf, inwieweit der Lehrer bereit sei und Zeit habe, so eine Fahrt zu organisieren und ob er einen Ganztagsausflug im Kollegium genehmigt bekomme.

Doch nicht nur die schlechte verkehrliche Anbindung bereitet Lappenküper Sorgen für die politische Bildung. Durch das G 8-Abitur und die Bachelor-Studiengänge gebe es immer weniger Zeit für den Geschichtsunterricht und damit außerschulische und außeruniversitäre Bildungsveranstaltungen. Dabei sei dies „fundamental wichtig für das politische Interesse der jungen Menschen“. Wie wichtig ein grundlegendes Politikinteresse sei, hätten schließlich gerade erst die jüngsten Wahlen gezeigt. „Wir müssen die junge Generation noch intensiver auf diese Problematiken vorbereiten“, fordert Lappenküper. „Wir müssen die jungen Leute dafür sensibilisieren, was Politik und Wirtschaftspolitik für Auswirkungen für sie persönlich hat“, sagt der Stiftungs-Geschäftsführer.

Kreative Lösungen gefragt

Die politische Bildung gerade junger Menschen ist wichtig. Darüber sollte es angesichts der Diskussionen um das fehlende Politikinteresse der Jugend keine zwei Meinungen geben. Aber die Bismarck-Stiftung sitzt nun einmal nicht in einer Metropole, sondern dort, wo deutsche Geschichte geschrieben wurde. Deshalb sollten sich Politiker und Stiftung verkehrstechnisch etwas einfallen lassen.

Einrichtungen wie das Schülerlabor Quantensprung oder der Bildungsspaß auf dem Bungsberg haben das längst getan. Es gibt sogar einen auf die Einrichtungen gebrandeten Bustransfer. Natürlich kostet so etwas Geld. Aber das sollte uns politische Bildung wert sein: Nicht jammern, sondern anpacken.

Forschung vor Ort

Als außeruniversitäre Einrichtung ist die Otto-von-Bismarck-Stiftung seit 1997 eine Stätte historischer Forschung. Die Stiftung sitzt im ehemaligen Bahnhofsgebäude Friedrichsruh, einem Gebäude aus der Kaiserzeit.

Im Rahmen ihrer interdisziplinären und methodisch vielfältigen wissenschaftlichen Tätigkeit geht es ihr darum, bestehende Lücken in der Bismarck- Forschung zu schließen, die gesammelten Werke Otto von Bismarcks neu zu edieren sowie seinen Nachlass und den seiner Familie für die Interessen der Allgemeinheit in Kultur und Wissenschaft, Bildung und Politik

auszuwerten.

Quelle: Bismarck-Stiftung

Holger Marohn

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