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Lauenburg Bau schluckt Acker — Bodenpreise steigen
Lokales Lauenburg Bau schluckt Acker — Bodenpreise steigen
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22:17 02.09.2013
Auch im ländlichen Raum, hier in Pogeez, entstehen neue Siedlungen. Potenzielle Ackerflächen werden damit dauerhaft versiegelt. Quelle: Foto: Grombein

Es ist kein Geheimnis mehr: Jeden Tag verschwinden in Deutschland 90 Hektar Äcker und Grünland durch Bebauung. Neubaugebiete, Straßenbauprojekte und nicht zuletzt Windparks und Solarparks nehmen auch im Kreis Herzogtum Lauenburg den Platz von Äckern ein. Laut Kreisbauernverband steigen dadurch die Preise für Ackerland enorm. Im Lauenburgischen kostete ein Hektar Land im Jahr 2007 noch 14 515 Euro, im Jahr 2012 kostete der Hektar Ackerland bereits 18 214 Euro im Durchschnitt. Laut Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes in Mölln, sind landwirtschaftliche Flächen zum Spekulationsobjekt geworden. Nach der Finanzkrise sind Aktien für Spekulanten nicht mehr so interessant, nicht wertstabil genug. Ackerland hingegen verliert in der Regel seinen Wert nicht. Viele Bauern können sich das branchenbedingte Wachstum durch immer weiter zunehmende Produktivität und steigende Getreidepreise nicht mehr leisten. Nun ruft der Deutsche Bauernverband nach einer politischen Lösung: Er fordert ein „Schutzprogramm für landwirtschaftliche Nutzflächen“, verankert in einem reformierten Landwirtschaftsgesetzes.

„Spekulanten kaufen auch im Lauenburgischen immer mehr Flächen auf, um sie dann gewinnbringend zu verpachten“, erklärt Peter Koll. Diese Investoren suchten nach einer Wertanlage, die nicht abnutze.

Viele Geschäfstleute aus derHamburg kauften sich Ackerland im Hamburger Randgebiet, um das eigene Land auch real im Blick zu haben. Der zweite Grund, warum Ackerland teurer wird, ist seiner Meinung nach auch die Energiewende. Windkraftanlagen, Biogasanlagen und Solarparks vedrängten die landwirtschaftlichen Flächen jedoch längst nicht so stark wie zum Beispiel in Niedersachsen.

Knappe Flächen und damit einhergehend steigende Hektarpreise zeichnen sich landesweit ab. Im Lauenburgischen ist der Preis jedoch im Vergleich zu anderen Kreisen noch moderat. Etwa 36 742 Euro zahlt der Käufer für einen Hektar Ackerfläche beispielsweise in Stormarn. Und im Vergleich zum Jahr 2011 hat der Hektarpreis im Lauenburgischen sogar wieder abgenommen. „Doch der Trend bleibt. Ich erkenne noch keine Kehrtwende.“ Und noch etwas verstärkt die Verteuerung im Lauenburgischen laut Koll: Die zweite Generation der Erben von Landwirten steigt immer häufiger aus der Landwirtschaft aus und verkauft die Flächen. „50 Prozent der Ackerflächen im Kreis sind mittlerweile kein Eigenland mehr, sondern werden von Bauern gepachtet“, so Koll. Damit wird es zunehmend schwerer für Landwirte zu wachsen.

„Hier im Kreis sind es vor allem auch Bauprojekte, die landwirtschaftliche Flächen verdrängen“, erklärt der Experte. Als Beispiel nennt er den Bau der B 207neu, der allein 100 Hektar an Ackerflächen im Norden des Kreises verschwinden lässt. „Landwirte können in der Regel nicht so hohe Beträge für Land zahlen wie Bauunternehmer oder staatliche Bauplaner“, berichtet Koll. Die Ortsumgehung in Geesthacht (minus 140 Hektar Ackerfläche) gehöre ebenfalls dazu. Gerade Gemeinden im Hamburger Rand wie in Escheburg, Schwarzenbek oder Wentorf wüchsen noch immer, so dass neue Wohngebiete entstünden, die Ackerflächen dauerhaft versiegelten.

F. Grombein und D. Oberst

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