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Lauenburg Bauern beklagen „Diffamierung“
Lokales Lauenburg Bauern beklagen „Diffamierung“
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21:24 14.01.2016
„Wir wollen ein klares Signal an die Politik senden.“ Timo Albers, Sterley

„Wir machen Euch satt“ lautet das Motto, unter dem mehr als 100 Landwirte aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg morgen früh (ab 9 Uhr) in Berlin vor dem Hauptbahnhof zum Beginn der „Grünen Woche“ (15.-24. Januar) für ihre Ziele werben wollen. Damit grenzen sie sich klar und deutlich ab von der Protestveranstaltung der Aktion „Wir haben Agrarindustrie satt“.

„Wir dürfen diesen Organisationen, die unsere Landwirtschaft diffamieren, nicht das Feld überlassen“, erklärt Junglandwirt Torben Hamester aus Elmenhorst, der Ackerbau betreibt. Mit „diesen Organisationen“ ist ein breites gesellschaftliches Bündnis von „konventionell und biologisch arbeitenden Landwirten, von Natur- und Tierschützern, von Aktiven aus der Entwicklungszusammenarbeit, Erwerbsloseninitiativen und kritischen Verbrauchern, Fleischessern und Vegetariern“ gemeint, die den Stopp der industriellen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion fordern. Deren Argumentationsweise ist den hiesigen „kleinen“ Landwirten allerdings zu pauschal. Sie sehen in jenen Forderungen eher eine Behinderung ihrer tatsächlichen Arbeit. „95 Prozent unserer Bauern fühlen sich durch diese Forderung nach einer Agrarwende ins gesellschaftliche Abseits gestellt, als Biodiversitätszerstörer oder als Brunnenvergifter bezeichnet“, erklärt Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes den Unmut seiner Mitglieder.

Das Problem ist: Ohne Investitionen und Vergrößerungen ihrer Betriebe haben mittelständische Bauern heutzutage keine Chance mehr auf ein Überleben. Doch wenn sie ihre Betriebe modernisieren oder sich weitere Erwerbsmöglichkeiten wie etwa durch Biogas- oder Windanlagen schaffen, werden sie vielfach kritisiert oder regelrecht beschimpft.

„Wir demonstrieren ja auch nicht gegen die Verbraucher, sondern wollen ein Signal an die Politik senden. Denn der Verfall der Milchpreise ist durch die Politik entstanden, wie etwa durch das Russland-Handelsembargo“, sagt Timo Albers, Milchbauer aus Sterley, der in den vergangenen Jahren auch stark in Technik und Modernisierung investiert hat.

„Mit dem Spruch ,Wir haben es satt‘ fühlen wir uns angegriffen, alle über einen Kamm geschoren“, verdeutlicht auch Anne Schmaljohann aus Bälau, Repräsentantin der Landwirtschaftskammer. „Wir fordern eine Versachlichung der Diskussion. Die immer häufigeren Forderungen nach mehr Auflagen machen uns traurig und frustriert. Wir haben doch auch ein Recht auf eine auskömmliche Existenz“, sagt sie.

Gilt das Nachhaltigkeitsgebot nicht für Produzenten?
Nachhaltigkeit wird auf allen Ebenen in der Landwirtschaft und im Umweltschutz gesetzlich gefordert. Das gilt im bäuerlichen Bereich sowohl für die Bodenbearbeitung als auch für die Tierbewirtschaftung. „Das haben wir aber immer schon beachtet, das ist selbstverständlich für den mittelständischen Landwirtsbetrieb“, sagt Timo Albers. Denn nur durch die umsichtige, pflegende Behandlung ihrer Rohstoffe sichern die Landwirte auch ihre eigene Existenz.

Auf der Strecke bleibt laut Albers immer mehr der Beruf des Landwirts — vor allem im Mittelstand. Die Zahl der Betriebe in Deutschland nahm nach Angaben des Bauernverbandes zwischen 2007 und 2012 um 34100 auf 287500 ab (—10,6 Prozent).

Joachim Strunk

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