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Bauern beklagen den Papierkrieg

Schwarzenbek Bauern beklagen den Papierkrieg

Trotz überbordender Bürokratie und scharfer Kontrollen ist Ansehen der Landwirte so schlecht wie lange nicht.

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Carsten (l.) und Hermann Wilke vor ihrem Aktenbestand zur Dokumentation des Einsatzes von Pflanzenschutz-, Dünge- und Tierarzneimitteln aus diesem und dem vergangenen Jahr.

Quelle: unk

Schwarzenbek. Zugegeben. Das Bild von Carsten und Hermann Wilke hinter ihren zwei Regalmetern an Aktenordnern für dieses und das vergangenen Jahr ist symbolhaft. Doch es veranschaulicht den Bürokratie-Wust, in dem die Landwirte derzeit stecken – ein nicht unwichtiger Bestandteil der herrschenden Agrarkrise, die nicht nur von den stark gesunkenen Milch- und Schweinepreisen geprägt ist, sondern auch vom Image der Bauern in der Gesellschaft. Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, spricht von einer „Wahrnehmungskrise“. Nie zuvor sei die Diskrepanz zwischen kontrollierter Landwirtschaft und negativem öffentlichen Image größer gewesen.

LN-Bild

Trotz überbordender Bürokratie und scharfer Kontrollen ist Ansehen der Landwirte so schlecht wie lange nicht.

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Umweltschutz durch Sparzwang

Nicht nur die Angst vor Kontrollen lässt die Landwirte penibel arbeiten. Auch der Kostendruck – Pflanzenschutzmittel und Dünger sind teuer – führt zu Einsparungsversuchen.

Die ausgefeilte Technik mit GPS-gesteuerten Fahrzeugen und Geräten ermöglicht es, den Einsatz der Mittel zu reduzieren. Bei bereits behandelten Flächen schaltet die Spritze automatisch ab.

„Kontrolle ist gut, und es ist auch einsehbar, dass es strenge Auflagen für den Einsatz von Chemie auf dem Acker und Medikamenten im Stall geben muss“, sagt der Labenzer Landwirt Hermann Wilke. Doch allein der zeitliche Aufwand für die zahlreichen Dokumentationen für seine Feld- und Viehwirtschaft sei so groß, „dass diese zusätzlichen Arbeiten von meiner Freizeit – am Abend, am Wochenende, im Urlaub – abgehen“. Auch das bildlich gesprochen, denn jede Aufzeichnung muss direkt im Stall oder auf dem Acker gemacht werden, wodurch sich die tägliche Arbeitszeit verlängert.

Was Hermann Wilke, seinen Sohn Carsten, den Lüchower Kollegen Tillmann Hack und viele andere Landwirte derzeit maßlos verärgert, dass sie gar von Rufmord sprechen, von Lügen und böswilligen Unterstellungen, ist ein Ereignis, das sich am „Tag des offenen Hofes“ auf dem Labenzer Betrieb abgespielt hat. Mehr als 2000 Besucher waren gekommen, um sich über die Arbeit des Bullenmast- und Ackerbaubetriebes zu erkundigen. Ein „Gast“ war aber darunter, der wenig später einen Leserbrief schrieb, in dem er den konventionell arbeitenden Landwirten pauschal „katastrophal hohe Phosphor- und Stickstoff- und Pestizideinträge“ unterstellte. Auch von „prophylaktisch beigefügten Antibiotika“ im Kraftfutter für die Bullen „als Mastverstärker“ war die Rede.

„Antibiotika im Futter sind seit 2006 von der EU verboten. Das darf nur noch auf Verschreibung des Tierarztes eingesetzt werden – keineswegs pauschal oder auf Vorrat“, erklärt Carsten Wilke. Täglich muss ein Betrieb mit Kontrollen durch das Landeslabor für Tiergesundheit aus Neumünster rechnen. „Beim letzten Mal kamen sie mit vier Leuten und entnahmen den Tieren Blutproben, die Futtermittel wurden untersucht und auch sämtliche Aufzeichnungen“.

Bei der Dokumentation wird jedes Rind erfasst, hat einen eigenen „Pass“. Bei der Medikamentenverabreichung muss der Tierarzt jedes Tier benennen mit Gewicht, Diagnose, Dosierung der Mittel, welche Mittel, wie viel am Tag, Wartezeit und Wirkdauer. Genauso rigoros gilt die Dokumentationspflicht beim Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln: „Wir registrieren jeden Schlag: Fläche, Einsatz des Mittels, an welchem Tag, Menge, wogegen gespritzt wird und wer gespritzt hat“, zählt Hermann Wilke auf. Der die Mittel ausbringende Landwirt muss zudem einen Sachkundenachweis während seiner Ausbildung erbringen, der alle drei Jahre erneuert wird. Darüber hinaus bietet die Landwirtschaftskammer einmal jährlich Fortbildungslehrgänge an, bei denen über neue Mittel, Wirkstoffe und Auflagen (Gewässerschutz, Felder in Hanglagen) informiert wird. Koll: „Es gibt mittlerweile kein Pflanzenschutz- oder Düngemittel, das keine Auflage hat.“ Überprüft wird der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln von Experten der Landwirtschaftskammer, das Landesamt für ländliche Räume (LLUR) erscheint ebenfalls unregelmäßig und unangemeldet, um Fachrechtskontrollen vorzunehmen.

Hoffnung für Feuerwehrmann

Für Manuel Jansky aus Grabau gibt es neue Hoffnungen: Für den an Leukämie erkrankten Feuerwehrmann (die LN berichteten) wurden zwei Stammzellenspender gefunden, die mit dem Blut von Manuel übereinstimmen. „Aus der Schwarzenbeker Typisierungsaktion stammen die Spender definitiv nicht. Die Auswertung der Proben dauern vier Wochen“, sagte Antonia Lukas von der DKMS (Deutsche Knochmarkspenderdatei) in Berlin. Die Aktion am 4. Juni hatte zwar nur rund 762 Spender erbracht, dafür aber war die Spendenbereitschaft sehr hoch. Für die Aktion entstanden Kosten in Höhe von 30 480 Euro (40 Euro pro Auswertung), es kamen sogar rund 35000 Euro zusammen, die nun an die DKMS für weitere Typisierungsaktionen gehen. Auf Manuel, der derzeit zu Hause ist, kommt noch mal eine schwere Zeit zu. „Zeitnah“, so Lukas, werde er für eine weitere Chemotherapie ins Krankenhaus gehen. Dort werde sein Körper „auf Null“ gefahren, bevor die Stammzellenübertragung erfolge. Nach fünf bis zehn Tagen gebe es erste Reaktionen des Körpers. Manuel und seine Familie dürfen weiter hoffen. ge

Joachim Strunk

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