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Bauern beklagen weiterhin „unsachliche Kritik“

Breitenfelde Bauern beklagen weiterhin „unsachliche Kritik“

Nach einem schwierigen Jahr 2017 für die Landwirtschaft zeichnet sich auch für dieses Jahr keine wirkliche Verbesserung ab. Nach wie vor klagen die Bauern über eine Überreglementierung seitens der Politik – und vor allem über unsachliche Diskussionen in der Öffentlichkeit.

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So ist es richtig: Die Oberfläche des Ackers muss an diesen frostigen Tagen leicht angetaut sein, damit die Gülle gleich vom Boden aufgenommen werden kann und nicht in der Luft für Geruchsbelästigung und die Emission von klimaschädlichem Stickstoff sorgt. Wie hier auf einer Fläche von Bauer Jens Tiedemann aus Behlendorf, sind die Landwirte fleißig dabei, die Nährstoffe in den Boden zu bringen. Tiedemann leitet einen Ackerbaubetrieb mit über 100 Hektar und hält zudem rund 1000 Mastschweine. Die Schleppschläuche des Joskin Vakuumtankwagens bringen die Gülle bei einer Arbeitsbreite von 21 Metern nah genug an die Pflanzenwurzeln heran. 

Quelle: Flint

Breitenfelde. Rund 70 Gäste – überwiegend aus dem Berufsstand der Landwirte, aber auch einige politische Vertreter – waren am Donnerstagabend nach Breitenfelde gekommen. In Siemers Gasthof hatte die CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) zum „Agrarpolitischen Spitzengespräch“ mit Landesbauernpräsident Werner Schwarz und dem agrarpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Heiner Rickers, eingeladen.

„Beim Thema Glyphosat wird wie im Mittelalter nach Glaubenssätzen agiert." Werner Schwarz, Landesbauernchef

Moderator Rasmus Vöge, stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender, wies auf die erneut großen Herausforderungen für die Landwirte in 2018 hin. Das bestätigten sowohl Schwarz und Rickers als auch einige Diskutanten im Publikum.

Wie etwa der neue Kreisbauernchef Hans-Peter Grell aus Duvensee, der das schlechte Bild der Landwirte in der Öffentlichkeit beklagte. Beispielsweise in der aktuellen Situation der Gülleausbringung.

Die sei seit dem 1. Februar erlaubt – vorausgesetzt, die Bodenoberfläche ist leicht angetaut.

Grell: „Die Ausbringungsfristen werden immer enger“. Diesbezüglich nehme auch die öffentliche Kontrolle verstärkt zu. So sei bei ihm am Mittwoch schon die Umweltpolizei auf den Plan getreten. Auf wessen Geheiß auch immer. Diese konnte er jedoch davon überzeugen, dass alle Vorschriften eingehalten würden. Am Donnerstag sei die Situation wettertechnisch etwas anders gewesen. Dann müsse man manchen Berufskollegen und Lohnunternehmen zu Vorsicht und Zurückhaltung raten.

Was den Duvenseer Milchviehhalter besonders ärgert: „Wir gehen unserem Job nach und was passiert? Die Bevölkerung sitzt hinterm Fenster und guckt, was macht der da? Und schon geht der Telefonhörer hoch. Was ist das für eine Gesellschaft? Das ist doch unser Urauftrag. Wir sind die Nahrungsmittelproduzenten und müssen uns dafür rechtfertigen.“

In diese Kerbe schlug auch Johannes Henner Langhans, Landwirt aus Behlendorf, der den Spruch zitierte: Der größte Lump im ganzen Land, das ist und blebt der Denunziant. Vor allem die Digitalisierung habe eine Anonymisierung der Leute ermöglicht, die diese Situation ausnützten und in diesem Beispiel Landwirte anzeigten.

Langhans stellte zudem die Forderung an die Politik, dass Lehrer einen Sachkundenachweis erbringen sollten, sofern sie ihre Schüler über Landwirtschaft unterrichteten. „Es ist nicht mehr hinnehmbar, welche Volksverdummung an den Schulen verbreitet wird.“

Hier entgegnete Werner Schwarz, dass er einen solchen Sachkundenachweis begrüßen würde. Allerdings habe die Landespolitik beziehungsweise -Regierung unter Torsten Albig (SPD) nicht mal den versprochenen einmaligen Jahresbesuch von Schulklassen auf einem Bauernhof umsetzen können. Trotzdem arbeite der Bauernverband weiter intensiv an seiner Öffentlichkeitsarbeit, wie etwa mit der Plakataktion an der Autobahn, als man den Landwirtschaftsminister Robert Habeck direkt ansprach, oder über Aktionen des Verbandes, die über Facebook verbreitet werden.

Weitere große Herausforderungen sind nach wie vor die Themen Glyphosat, Nitrateinbringung, gentechnisch veränderte Organismen sowie die deutsche als auch die EU-weite Landwirtschafts- und Subventionspolitik. Gerade beim Thema Glyphosat sehe er, Schwarz, eine emotionale Debatte, die sich von der wissenschaftlichen Expertise abwendete und – wie im Mittelalter – nach Glaubenssätzen agiere.

MdL Heiner Rickers unterstrich dies: „Solange die Wissenschaft, in dem Fall das Institut für Risikobewertung, sagt, von Glyphosat geht keine Gefahr aus, dann stehen wir auch dahinter und sind für eine Verlängerung der Einsätze.“

Wann darf man keine Gülle ausbringen?

Wenn ein Landwirt Gülle auf seinen Feldern ausbringen möchte, muss er neben dem Nährstoffbedarf der Pflanzen ein paar andere grundsätzliche Regeln einhalten, die auch zur guten fachlichen Praxis beim Düngen gehören. Ziel ist, dass die Gülle schnell in den Boden eindringt, damit die gasförmigen Nährstoffverluste reduziert werden. Gleichzeitig sinkt die Geruchsbelästigung deutlich. Zusätzlich sollen die Nährstoffe schnell von den Bodenpartikeln gebunden werden können.

Im Wurzelraum stehen die Nährstoffe den Pflanzen kurz- und mittelfristig zur Verfügung. Bei der Gülleausbringung muss gewährleistet werden, dass die Nährstoffe nicht ins Oberflächen- oder Grundwasser gelangen. Aus diesem Grund sagt der Gesetzgeber, dass bei folgenden Gegebenheiten keine Gülle, Jauche, Geflügelkot, Festmist, Kompost sowie stickstoff- und phosphathaltige Mineraldünger ausgebracht werden dürfen:

Der Boden darf nicht

– wassergesättigt sein, sonst nimmt er kein weiteres Wasser mehr auf. Erkennbar ist dies daran, dass auf freier, ebener Fläche Wasserlachen entstehen. Beim Kneten des Bodens in der Hand tritt Wasser aus den Poren,

– er darf nicht überschwemmt sein,

– der Boden darf nicht durchgängig gefroren sein und

– er darf nicht schneebedeckt sein.

Quelle: Landwirt-

schaftskammer NRW

 Joachim Strunk

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