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Lauenburg Bauern hoffen auf gute Ernte
Lokales Lauenburg Bauern hoffen auf gute Ernte
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11:59 29.06.2017
Sieht ganz gut aus: Hans-Joachim Wendt begutachtet ein Gerstenfeld. Mit leichter Verzögerung beginnt hier in drei bis vier Wochen der Schnitt. Quelle: Fotos: Michael Thormählen
Bad Oldesloe

Wärme und Feuchtigkeit: Wer als Hobbygärtner seinen Rasen mähen muss, kann fast zuschauen, wie die Halme wachsen. Auch die Landwirtschaft profitiert von den aktuell guten klimatischen Bedingungen. „Wir erwarten für unsere wichtigsten Arten – Gerste und Weizen – eine ordentliche Ernte“, lautet die Prognose von Stormarns Kreisbauern-Chef Hans-Joachim Wendt und dem Geschäftsführer der Bauenverbände Stormarn und Herzogtum Lauenburg, Peter Koll.

Erzeuger profitieren von klimatischen Bedingungen – Preise könnten steigen.

Allerdings: Vor zu großer Euphorie warnen die Experten. Denn noch sei das Getreide nicht eingefahren. „Die Gerste ist wahrscheinlich eine Woche später dran – Mitte Juli, der Weizen im August“, sagt Stephan Struve, zweiter Vorsitzender des lauenburgischen Bauernverbandes. „Was wir jetzt brauchen, ist gutes Wetter. Regen hatten wir genug. Da herrscht eher die leichte Angst, dass wir zu viel Niederschlag bekommen.“ Gerade weiterer Sonnenschein sei für das Getreide jetzt notwendig. „Es geht um die Kornbildung, die ja noch nicht abgeschlossen ist. Wichtig ist, dass das Getreide gleichmäßig abreift“, erläutert Peter Koll. Dies sei auch Voraussetzung für die Ernte weiterer Feldfrüchte wie Hafer oder Raps.

Zwei Mal konnte dieses Jahr bereits Gras gemäht werden – begünstigt durch die Witterung in den vergangenen Wochen. Die Qualität sei gut gewesen. Und auch die Landwirte, die Mais angebaut haben, können laut Peter Koll mehr als zufrieden sein: „Der Mais prahlt.“ Nachdem erst im April die Aussaat erfolgt war, befinde sich diese Art zurzeit in einem „bemerkenswerten Entwicklungsstand“ – die Pflanzen seien bereits zum Teil mehr als einen Meter hoch: „Da ist eine sehr gute Ernte zu erwarten.“

Mais dient vorrangig als Futterpflanze, steht er doch auf dem Speiseplan der Milchkühe. Und wenn der Milchpreis gut sei, dann profitierten davon auch die Maiserzeuger, weist Koll auf die Marktmechanismen hin. Erfreulicherweise würden für Milch und Milchprodukte zurzeit steigende Preise registriert: „Das war vor einem Jahr noch anders.“ Teilweise werde schon gefragt, wie hoch der Preis noch steige. „Es wird ja nicht mehr produziert und für Butter muss schon sehr viel bezahlt werden“, betont Koll.

Wenn die Bauern in Stormarn und im Herzogtum Lauenburg auch vor einer guten Ernte stehen – die dabei erzielten Einnahmen stehen auf einem anderen Blatt. „Da sind wir vom Weltmarkt abhängig – von den Preisen an den Börsen in Paris und Chicago“, so der Geschäftsführer. Rund die Hälfte des Getreides wird direkt vom Feld verkauft, der zweite Teil meistens eingelagert. Das sei auch eine Spekulation, denn der Landwirt müsse die Kosten für die Lagerung beim erhofften teureren Verkauf wieder hereinholen. Damit werde das Risiko besser gestreut. Hiesige Landwirte versorgen die Weltmärkte – ihr Weizen geht vorrangig nach Nordafrika, die Gerste wird nach Saudi-Arabien verschifft.

Stormarns Bauernchef Wendt hat ein Drittel seiner Ernte bereits verkauft – mehr aber nicht, weil er mit dem bisherigen Preis nicht zufrieden war. Für einen Doppelzentner Weizen könnten zurzeit 16,50 Euro bis 17 Euro erzielt werden, für die Gerste würden für die gleiche Menge 15,50 Euro bis 16 Euro genommen. „So ganz reicht das noch nicht. Die Preise müssten steigen“, hofft Hans-Joachim Wendt. Er hat auf seinem Hof bei Grabau insgesamt 140 Hektar unter dem Pflug.

Im vergangenen Jahr waren die Einnahmen etwas geringer – da gab es allerdings eine Rekordernte und ein entsprechend großes Angebot auf dem Weltmarkt. Für 2017 stehen die Vorzeichen etwas anders. „Die Ernte in Russland wird eventuell um 17 Prozent geringer ausfallen als noch im vergangenen Jahr“, sagt Peter Koll. Russland und die Ukraine sind beim Getreideanbau von der Witterung abhängig – heimische Bauern könnten von sich wandelnden klimatischen Bedingungen profitieren. „Es gibt Prognosen, nach denen in Nordeuropa auch zwei Ernten in einem Jahr eingebracht werden könnten“, sagt Peter Koll.

 Michael Thormählen

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