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Lauenburg Baumpark bleibt im Besitz des Kreises – Zukunft ungewiss
Lokales Lauenburg Baumpark bleibt im Besitz des Kreises – Zukunft ungewiss
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22:03 28.09.2016
Ort der interreligiösen Zusammenkunft: Im November 2013 pflanzten (v.l.) Pastor Thomas Schaack von der Landeskirche, Wasim und Taher Ahmed von der Ahmadiyya Gemeinde Lübeck sowie Ratzeburgs Bürgervorsteher Ottfried Feußner hier einen Baum. Quelle: cn
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Ratzeburg

„Ich bedaure die Entscheidung der Stadtvertretung, ich hätte mir eine andere gewünscht. Mein Herz hängt an dem Baumpark. Insbesondere würde damit die großartige, ehrenamtliche Arbeit der Freunde des Baumparks gewürdigt werden und schließlich soll dieser Baumpark über Generationen das Tor zu unserer Stadt bilden“, erklärte Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß im Nachgang zur Stadtvertretersitzung am Montagabend.

 

Junge Bäume: Ein Vierteljahrhundert wird es wohl dauern, schätzt die Ratzeburger Verwaltung, bis der Baumpark zur parkähnlichen Landschaft wird – sofern er nicht der Natur allein überlassen wird. Quelle: Strunk

Mit elf zu acht Stimmen fiel die Entscheidung gegen das einstmals so enthusiastisch gestartete Projekt (einzigartiges Biotop, Lebens- und Erholungsraum in einer parkähnlichen Landschaft) an der Möllner Straße aus: Die Mehrheit der Ratzeburger Stadtvertreter lehnt die Übernahme der 23 Hektar großen Fläche südlich des Wohngebietes Barkenkamp vom Kreis als Eigentümer ab.

Dabei vergossen einige Politiker noch Krokodilstränen. Andreas von Gropper von der FRW sowie Stefan Koch und Wilhelm Thiele outeten sich als „Freunde“ (v. Gropper) oder „glühende Verfechter“ (Thiele) des Baumparks, lehnten aber aus pragmatischen und bezüglich der finanziellen Situation der Stadt Ratzeburg verantwortlichen Gründen eine Übernahme ab. Denn Übernahme heiße ja nicht allein die Fläche und das ehrbare Projekt, sondern auch die Übernahme der Pflichten wie Unterhaltung und Pflege.

Die Fraktionschefs der FRW, Jürgen Hentschel, und der CDU, Stefan Koch, berichteten von kontroversen Diskussionen und unterschiedlicher Auffassungen innerhalb ihrer Parteien. Am Ende durfte jeder abstimmen wie er wollte – ohne Fraktionszwang. Und die Sparfüchse setzten sich durch. „Sehr schade, aber so ist es entschieden!“, zeigte sich Bürgermeister Voß hinterher enttäuscht.

Die Depressionen von Dr. Thorsten Walther, Vorsitzender des Freundeskreises Baumpark, hielten sich dagegen in Grenzen: „Das war ja schon abzusehen. In der Hauptausschusssitzung war die Stimmung sogar noch negativer“, erklärte er gestern gegenüber den Lübecker Nachrichten.

Wie geht es nun weiter mit dem einst so ambitionierten Projekt, das, so Walther, „damals von der Kirche eingefädelt“ worden war? Die hatte aber den Vertrag mit dem Kreis zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt, weil die eigenen Mittel nicht mehr vorhanden waren. Bürgermeister Voß hatte daraufhin der Bischöfin Kirsten Fehrs einen Kompromissvorschlag gemacht, demzufolge der Kreis den Baumpark, der als Ausgleichsfläche für den Barkenkamp dient, der Stadt Ratzeburg überlassen sollte.

Die Kirche wiederum sollte sich für einen jährlichen Betrag von 5000 Euro über 25 Jahre hinweg von ihrer Verpflichtung der Pflege „freikaufen“. Doch statt der erhofften Gesamtsumme von 125000 Euro kam nur ein Angebot von 25000 Euro seitens der Kirche. Das war den Ratzeburger Politikern jedoch zu wenig. Denn die Folgekosten werden über die Jahre wohl eher steigen als sinken.

Dr. Thorsten Walther bezeichnet die aktuelle Situation als „unbefriedigend – auch für die Domäne, die im Gegenzug für die kostenlose Nutzung der extensiven Flächen die Pflege in Gestalt der notwendigen Wässerungen und Mäharbeiten übernehmen muss. Da setzen sie eher etwas zu, als dass sie davon etwas haben“. Der Freundeskreis werde jedenfalls weiter daran arbeiten, dass die Flächen einigermaßen in Schuss blieben, sagte Walther. Das sei keine leichte Aufgabe, müssten doch auch die Steinkreise gepflegt werden, damit sie nicht über- oder zuwuchern. Zudem müssen die Tafeln an den Bäumen und am Eingangsbereich gepflegt, repariert oder neu gestaltet werden. „Wir müssen jetzt kleinere Brötchen backen, hoffen aber, dass wir von irgendwoher Unterstützung erhalten. Wir werden schon einen modus vivendi finden, wenn auch ohne Trägerschaft der Stadt, dafür an der langen Leine des Kreises!“

Karsten Steffen, Sprecher der Kreisverwaltung, erklärte, der Haupt- und Innenausschuss werde sich im November mit der Thematik erneut befassen. Tendenz: Der Kreis nimmt die 25000 Euro der Kirche an, pflegt und wässert die Bäume, bis das Geld aufgebraucht ist. „Danach muss sich die Fläche allein weiter entwickeln“, so Steffen.

Historie

Im Jahr 2007 hatte der Kreis Herzogtum Lauenburg gemeinsam mit der Ökumenischen Stiftung für Schöpfungsbewahrung und Nachhaltigkeit der evangelischen Kirche das Projekt des Baumparks initiiert. Der Kreis stellte die Fläche zur Verfügung, die Stadt Ratzeburg vermittelte Fördermittel in Höhe von 30000 Euro und die Stiftung beziehungsweise der Freundeskreis Baumpark kümmerte sich in Kooperation mit der Domäne Fredeburg um die Unterhaltung.

Die Bepflanzung mit unterschiedlichen Baumarten begann 2009 und wurde 2014 abgeschlossen. Aufgrund finanzieller Probleme kündigte die Stiftung den Vertrag mit dem Kreis zum Ende 2015.

 Joachim Strunk

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