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20:24 21.10.2016
Museumsleiter Michael Packheiser präsentiert die Fotoausstellung „Kindheit in der nachkriegszeit“ – Untensilien aus der Zeit wie ein Radio gibt es auch.

Diese frischen, unverbrauchten Gesichter. Und doch schon so gezeichnet von Not, Elend, Angst – aber auch wieder voller Hoffnung mit entwaffnendem Lächeln. Nein, es geht nicht um Flüchtlingskinder aus Syrien. Es geht um Flüchtlingskinder aus Deutschland. Um die Jüngsten unter den Opfern der Bombennächte des Zweiten Weltkriegs. Sie stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung im Museum Mölln unter dem Titel „Kindheit in der Nachkriegszeit 1945 – 1955“, die am morgigen Sonntag mit gut 50 Fotos eröffnet wird.

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Museumsleiter Michael Packheiser präsentiert die Fotoausstellung „Kindheit in der nachkriegszeit“ – Untensilien aus der Zeit wie ein Radio gibt es auch.

Eröffnung morgen um 11.30 Uhr

Die Ausstellung wird am morgigen Sonntag um 11.30 Uhr im Museum Mölln eröffnet. Musikalische Umrahmung durch Klaus Irmscher. Öffnungszeiten bis zum 22. November

Die altehrwürdigen Gewölbe des Museums Mölln im historischen Rathausgebäude helfen dem interessierten Betrachter, sich schnell in eine andere Zeit zu versetzen. Weitere Helfer sind passend ausgesuchte Einrichtungsstücke aus der Nachkriegszeit. Ein Kohlenherd, ein selbstgebastelter Radioempfänger mit abenteuerlichen Bedienungsknöpfen. An den Wänden dazu die Bilder der Kinder. Wie sie auf Trümmerhalden spielen vor einer Kulisse aus gespenstischen nackten Fassaden. Andere stehen mit verängstigtem Blick in Gruppen vor einem streng blickenden Schularzt – Reihenuntersuchungen. Einmal hält die Kamera eines GIs – die Bilder stammen alle aus dem Fundus der alliierten US-Besatzungstruppen – in eine geöffnete Schublade mit Karteikarten; Namen, Adressen, Personenbeschreibungen, Fotos aus besseren Tagen – DRK-Suchdienst.

„Ich bin sicher, das wird eine Flut von Erinnerungen auslösen“, ist sich Museumsleiter Michael Packheiser sicher. Die in dieser Ausstellung gezeigten Fotos stammen zwar alle nicht aus Mölln. Aber die Szenen waren damals in den Monaten und Jahren nach Kriegsende alle gleich in Deutschland.

Die Exponate stammen aus der mehrfach ausgezeichneten Sammlung Michael-Andreas Wahle und werden in einem 88-seitigen Katalogbuch erläutert.

Die Geschichten der Nachkriegskinder sind vielfältig, erläutert Packheiser das Ausstellungskonzept, aber eines verbindet Sie alle: Die Lebensbedingungen in der großen Not nach der totalen Niederlage des Deutschen Reiches. Diese Zeit war geprägt von ungeheuren Zerstörungen, gesellschaftlichen Umbrüchen und der Konzentration auf das Überlegen, es „warm und satt“, ein Dach über dem Kopf und zu Essen zu haben. Für Kinder nochmal besonders belastend waren die zerrissenen Familien, der Verlust eines oder sogar beider Elternteile. Das Berührende im Blick der Kinder ist dieser Ausdruck, der ein besonderes Schlaglicht auf die Nachkriegszeit wirft.

Packheiser: „Wir sehen die Schwarzweiß-Bilder und haben so viele Fragen. Immer noch rätseln wir, warum unsere Eltern nach dem ,Zusammenbruch’, wie man das nannte, schwiegen. Fragen passten nicht in die Betriebsamkeit des Wirtschaftswunders.“ Diese Ausstellung, hofft Michael Packheiser, könne auch eine Art Bilderbrücke ins Jetzt darstellen. „Manche Szenen könnten auch aus Aleppo von 2016 Stammen“, sagt der Museumschef. Und wieder seien es die Kinder, die ihrem Schicksal ausgeliefert sind.

Und eine weitere Hoffnung hegt er: dass vielleicht manche Besucher aus Mölln und der Region eigene Bilddokumente hervorkramen und ins Museum bringen. In einigen Motiven aus dem Stadtarchiv blättert Packheiser und sondiert für eine mögliche Anschluss-Ausstellung.

• Mehr Infos im Internet unter www.sammlung-wahle.de und www.moellner-museum.de

Matthias Wiemer

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