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Lauenburg Bettina Tietjen las aus ihrem Buch: Unter Tränen gelacht
Lokales Lauenburg Bettina Tietjen las aus ihrem Buch: Unter Tränen gelacht
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00:12 23.09.2017
Buchhändler Harald Weber bot Tietjens Buch „Unter Tränen gelacht“ zum Kauf an. Die beliebte Moderatorin signierte es. Quelle: Fotos: Thomas Biller/hfr
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Ratzeburg

Wer will schon wahrhaben, dass der eigene Vater langsam den Verstand verliert? Diese und ähnliche Sätze sind es, die Bettina Tietjen den Weg direkt in die Herzen ihrer Zuhörer ebnen. Die schöne Fernsehmoderatorin, regelmäßig in den norddeutschen Wohnzimmern zu Gast, hat im SWR vom Start weg alle Sympathien auf ihrer Seite. „Sie sind exakt so natürlich und sympathisch, wie wir Sie aus dem Fernsehen kennen“, sagt eine Frau, und sie quietscht begeistert, als Tietjen sich ohne zu zögern zwischen sie und ihre Freundin stellt für ein Erinnerungsfoto.

 

Bettina Tietjen begeisterte mit ihrem Mix aus Lesung und Anekdoten.

Ende der Woche der Demenz

Mit zwei Veranstaltungen in Lauenburg endet die Woche der Demenz. Heute ist von 14 bis 17 Uhr „Tag der Gesundheit“ im BeLaMi, Büchener Weg 8a. Um 10 Uhr ist morgen im D.-Bonhoeffer-Haus, Dresdner Straße 15, Demenzgottesdienst.

Die Demenznetzinfobörse ist heute auf den Wochenmärkten in Mölln (Bauhof) und Geesthacht (Parkplatz Mühlenstraße/Nelkenstraße).

130 Menschen sind gekommen, um Bettina Tietjen lesen zu hören. Schnell ist klar, warum das Buch den Titel „Unter Tränen gelacht“ trägt: Den geliebten Vater in der Demenz verschwinden zu sehen – das lässt sich nur mit Humor ertragen. „Wir haben viel zusammen gelacht“, so steht es in dem Buch, und Tietjen erzählt, dass diese letzten Jahre mit ihrem Vater zwar anstrengend gewesen seien, aber auch sehr bereichernd. Die Familie sei zunächst skeptisch gewesen, als sie von dem Buchprojekt erzählt habe, aber als das Buch dann vorlag, waren alle begeistert. „Mein Vater stand immer gern im Mittelpunkt“, erzählt Bettina Tietjen. Und sie ergänzt: „Ich habe ihm mit dem Buch ein kleines Denkmal gesetzt, das hätte ihm gefallen.“

Vor zwei Jahren ist das Buch erschienen. Wenn Tietjen heute Bilanz zieht, erkennt sie: „Es hat mir sehr gut getan, das Buch zu schreiben, alles zu durchdenken und zu verarbeiten.“ An ihre Ratzeburger Zuhörer gewandt: „Ich habe viel Respekt vor dem Publikum hier, ich habe das Gefühl, hier sind ganz viele Experten.“ Und ja, sie findet, dass das Thema Demenz noch immer mit einem Tabu belegt ist.

„Immer, wenn ich von den Erlebnissen mit meinem Vater erzählt habe, kam sofort, dass jeder irgendwen kannte, der ebenfalls betroffen war. „Meine Hoffnung ist, dass das Buch helfen kann, Diskussionen und Austausch anzukurbeln.“

Als ihr Vater, der humanistisch gebildete Architekt, noch lebte, habe sie nur aus dem Bauch heraus gehandelt: „Die Reflektion kam erst beim Schreiben.“ Was alles passiert, wenn der Verstand flöten geht: Das war Neuland für die gestandene Moderatorin. Pflegeheim? Neuland. Auseinandersetzungen mit Behörden, ob überhaupt und wenn, warum der demente Vater noch Autofahren darf: Neuland.

Das Buch zeigt einige Fotos. Und Zeichnungen, die Bettina Tietjens Vater Burchard Schniewind in seinen letzten Lebensjahren angefertigt hat. Wenn Tietjen mal etwas anderes hören wollte als das Geradebreche, das ihr Vater von seinen lettischen Pflegerinnen übernommen hatte, sprach sie englisch oder französisch mit ihm – das klappte erstaunlicherweise.

„Die Demenz brachte alles hervor, was mein Vater sich immer untersagt hat“, erzählt Bettina Tietjen. Daraus hat sie eine wichtige Lehre gezogen: „Ich versuche jetzt, alle meine Bedürfnisse auszuleben und mir nichts zu versagen.“ Und sie lacht. Viel und gern, bei jeder Gelegenheit. Auch dafür liebt ihr Publikum sie. Danke, Frau Tietjen, für diesen bewegenden und doch lustigen Abend.

 Dorothea Baumm

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