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Lauenburg Bewährung im Spielhallenprozess
Lokales Lauenburg Bewährung im Spielhallenprozess
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22:18 03.01.2018
Lübeck/Börnsen

Am 12. Februar 2017 haben zwei junge Männer aus Mölln eine Spielhalle in Börnsen überfallen. Ein weiterer hat die beiden zum Tatort gefahren. Zwei von ihnen sind vor zwei Wochen vom Amtsgericht Ratzeburg jeweils zu einer vorbehaltlichen Jugendstrafe verurteilt worden. Der dritte an der Tat Beteiligte musste sich jetzt vor dem Landgericht in Lübeck verantworten.

 

„Ich habe Zweifel, das alles so zu sehen wie die Staatsan- wältin.Wolfang Schulz Verteidiger

Dem heute 22 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, die beiden bereits verurteilten Männer zu dem Überfall überredet zu haben, sie mit Sturmhauben sowie Waffen – einer Machete und einer Schreckschusspistole – ausgestattet und dann zum Tatort nach Börnsen gefahren zu haben. Nach der Tat soll er den Mittätern mit seinem Fahrzeug zur Flucht verholfen haben. Die Kumpane sollen einen 77-jährigen Angestellten der Spielhalle sowie Gäste bedroht und einen Betrag von 345,00 EUR erbeutet haben.

Nach Überzeugung von Staatsanwältin Jessica Frey stehe fest, dass der 22-jährige Angeklagte von der bei dem Überfall mitgeführten Machete gewusst und mit seinen beiden Mittätern auch vorher über die Tat gesprochen habe. Allerdings sei unklar, ob der Angeklagte die Waffen besorgt und den Plan zu dem Überfall allein gefasst habe. Es sei in diesem Prozess vieles im Unklaren geblieben, jedoch stehe für sie das Kerngeschehen fest, so Frey in ihrem Plädoyer. Der Angeklagte habe die beiden Mittäter nach Börnsen gefahren und auf sie gewartet, während sie die Spielhalle überfallen hätten. Sie seien zunächst gemeinsam davon gefahren, ehe der Angeklagte sie aus seinem Auto geworfen und dann selbst die Polizei gerufen habe. Er habe selbst zugegeben, gewartet zu haben wolle den geplanten Überfall für einen Scherz gehalten haben. Zudem habe der Angeklagte nach ihrer Überzeugung den Plan sogar zweimal erklärt, so die Staatsanwältin. Sie forderte zwei Jahre und vier Monate Haft.

Dass sah Verteidiger Wolfgang Schulz erwartungsgemäß völlig anders. Es könne nicht erkennen, dass es eine Beeinflussung seines Mandanten auf das Tatgeschehen bei dem Überfall gegeben habe. Sein Mandant habe keinen direkten Einfluss auf die Tat gehabt. Und es habe auch kleinen wirklichen Tatplan gegeben. Wie solch ein Tatplan aussehen könnte, machte Schulz an einigen Beispielen deutlich.

All das läge hier überhaupt nicht vor.

Dass der Angeklagte kurz nach dem Überfall völlig blödsinnige Angeben gemacht habe und davon gesprochen habe, selbst Opfer einer Geiselnahme zu sein, sei natürlich Quatsch und er habe seinem Mandanten dringend geraten, die Wahrheit zu sagen. Für das Gericht sei bei der Urteilsfindung maßgebend, jeden Zweifel ausschließen zu können. „Widersprüche haben zu schweigen“, so Schulz. An die Adresse der Staatsanwältin gerichtet, erklärte der Hamburger Anwalt, dass zu einer Verurteilung mehr gehöre, als Bausteine solange zusammen zu basteln, bis es passe. „Ich habe begründete Zweifel, das alles so festzustellen, wie die Staatsanwältin das am Ende hier getan hat“, so Anwalt Schulz. Es gäbe keine Anhaltspunkte dafür, dass sein Mandant die Pistole, die Machete und die Masken mitgebracht habe.

Am Ende forderte er Freispruch für seinen Mandanten, weil er begründete Zweifel habe, dass der Angeklagte in den Plan eingeweiht gewesen sei und im Übrigen auch nicht mitgemacht habe. Auch sei sein Mandant noch nicht straffällig geworden und habe eine feste Arbeit.

Nach einer Pause verkündete der Vorsitzende Richter am Landgericht, Kai Schröder, dann das Urteil: Zwei Jahre, ausgesetzt zur Bewährung, Zahlung von 500 Euro Schmerzensgeld an den damals 77-jährigen Angestellten und weitere 500 Euro an die Staatskasse, zahlbar in monatlichen Raten zu 100 Euro. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt, und dem Angeklagten wird ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Rechtsanwalt Schulz lies offen, ob er in Revision gehen wird.

 Von Jens Burmester

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