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Bewegung im Streit um Kleinwindrad

Kehrsen Bewegung im Streit um Kleinwindrad

Der Gudower Geschäftsmann Stephan Rakowski will auf seinem Firmengelände ein Windrad bauen – nur 80 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt. Ein sogenanntes Kleinwindrad mit knapp 30 Metern Höhe. Die Gemeinde hat zugestimmt, der Kreis den Bauantrag genehmigt. Doch Anwohnerin Anneliese Löhmann läuft gegen die Pläne Sturm.

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Direkt hinter dem Grundstück von Anneliese Löhmann (80) soll das rund 30 Meter Hohe Kleinwindrad stehen. Nun hat der Investor eine geringfügige Versetzung angeboten.

Quelle: Fotos: Hm/wr

Kehrsen. Der Gudower Geschäftsmann Stephan Rakowski will auf seinem Firmengelände ein Windrad bauen – nur 80 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt. Ein sogenanntes Kleinwindrad mit knapp 30 Metern Höhe. Die Gemeinde hat zugestimmt, der Kreis den Bauantrag genehmigt. Doch Anwohnerin Anneliese Löhmann – immerhin stolze 80 Jahre alt – läuft gegen die Pläne Sturm.

LN-Bild

Investor in Kehrsen macht ersten Spatenstich und bietet anschließend Verwaltungsgericht eine Verlegung an – Gegner zweifeln Gutachten an.

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Betreiber Rakowski zeigte sich bislang über Kritik erhaben, lud bereits vor vier Monaten zu einem ersten Spatenstich. Doch während es in Kehrsen nach dem symbolischen Hub mit der Baggerschaufel ruhig wurde, kommt nun Bewegung in den inzwischen vor dem Verwaltungsgericht ausgetragenen Streit.

„Der Anwalt des Betreibers hat dem Gericht angeboten, den geplanten Standort des Windrades etwas zu verschieben“, heißt es von der Kreisverwaltung. Ein Vergleich soll offenbar ein langwieriges Gerichtsverfahren mit offenem Ausgang beenden. Der Weg für zusätzlichen Ökostrom für das Serverzentrum der CSN-Solutions, das Rakowski neben dem Haus der 80-jährigen Löhmann betreibt, wäre möglicherweise schneller frei. Einem Vorschlag, dem der Kreis grundsätzlich positiv gegenübersteht, wie er in einem Schreiben an das Verwaltungsgericht mitteilt.

Löhmann und ihre Unterstützer, allen voran der Lütauer Windkraftgegener Herbert Düssler, sehen in der Entwicklung einen nahenden Teilerfolg. Sie hatten nicht nur die Nähe der Anlage zu Löhmanns Haus kritisiert, sondern auch die von Rakowski vorgelegten artenschutzrechtlichen Gutachten in Frage gestellt. „Herr Rakowski, der Kreis und die neun Gemeindevertreter, die für das Windrad gestimmt haben, nebst Bürgermeister sollten Frau Löhmann erst einmal die Wahrheit sagen, welches Spielchen hier mit ihr getrieben wird“, fordert Düssler. Dass fast vier Monate nach dem feierlichen Spatenstich immer noch kein Beton für das Fundament des Windrades angerührt ist und den angeboten Vergleich wertet Düssler dahingehend, dass sich auch der Kreis seiner erteilten Genehmigung „nicht mehr sicher“ sei.

Sollte es nun zurückverlegt werden, wäre das zumindest ein Teilerfolg.

Im April sah das noch ganz anders aus. Trotz des bereits 2016 aktenkundig gewordenen Gerichtsverfahrens hatte Geschäftsmann Rakowski nach eigenen Angaben mit etwa 40 „Windradbefürwortern, Freunden und Familie den symbolischen ersten Spatenstich für die Grundsteinlegung des jetzt zu errichtenden Kleinwindkraftrades“ durchgeführt – „rotz teils erheblichem Widerstandes durch Windradgegner“, wie Rakowski mitteilte. Für die CSN-Solutions sei das „ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer möglichst weitgehenden autarken Energieversorgung ihres zertifizierten Rechenzentrums“.

Ganz so einfach wird die von Rakowski angestrebte geringfügige Verlegung des Windrades aber offenbar nicht. So weist der Kreis vorsorglich darauf hin, dass dann die naturschutz- und immisionsschutzrechhtlichen Belange neu bewertet werden müssten. Und schon an dem ersten Gutachten hatten die Windkraftgegner um Herbert Düssler erhebliche Zweifel. „Nach Einsicht in das immissionsschutzrechtliche Gutachten zu Infraschall, Lärm und Schattenschlag hielten wir es gleich für unglaubwürdig“, schreibt Düssler. Mit dem artenschutzrechtlichen Gutachten sei es das gleiche.

„Wir haben hier ein Storchennest, den Rotmilan, Kraniche, Fledermäuse, die Wiesenweihe, Rebhühner und Kiebitze“, sagt Düssler. Alles sei mit Fotos zu beweisen. Der Streit scheint also längst noch nicht beigelegt.

Heiße Debatte um Energie am Kornfeldrand

K räftiger Wind blies der Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller-Ohm und dem Windkraftexperten Christoph Otte im wahrsten Sinne des Wortes entgegen, als sich auf Einladung der SPD-Politikerin rund 30 Bürger den Windpark Kastorf-Siebenbäumen an Ort und Stelle erläutern ließen. Aus einer Besichtigungsrunde wurde eine hitzige Freiluftdebatte um Für und Wider von Windkraft und um eine zukunftsweisende Energiepolitik.

Christoph Otte ist als Mitarbeiter des Husumer Windanlagenbetreibers WKN nicht neutral, aber er hatte jede Menge Fakten parat. Die zu diesem Rundgang von Gabriele Hiller-Ohm ebenfalls erschienenen Windkraftgegener waren aber auch nicht mit leeren Händen gekommen. Auch sie hatten Fakten, andere. Weitere Teilnehmer hatten einfach nur Fragen. Warum sich bei so viel Wind nur so wenige der sieben Windräder drehten? Oder ob die Genehmigung von immer mehr Windanlagen sinnvoll sei, zumal die CO2- Belastung in den vergangenen Jahren doch gar nicht gesunken sei? Otte hatte auf fast alle Fragen und skeptische Bemerkungen Antworten. Nicht alle Rotoren drehten sich, weil sie zentral gesteuert würden. Aus Gründen der Betriebssicherheit, des Vogelzuges oder weil gerade das Netz keine Aufnahmekapazität mehr habe.

Über die Erläuterung der örtlichen Anlage (die sieben Vestas- Windtürme bei Siebenbäumen liefern mit fast 59 Millionen Kilowattstunden pro Jahr den Strom von 16800 Haushalten) hinaus kam man am Feldrand schnell auf grundsätzliche Aspekte der Energiewende zu sprechen. Da ging es um Abstände der Anlagen zu Wohnhäusern, Vor- und Nachteile von Offshore-Anlagen, Infraschall-Gefahr, Höhe der Windkraftanlagen. Dass die Argumente nicht zum ersten Mal ausgetauscht wurden, war schnell an einem zuweilen aggressiven Grundton zu hören. Die Schützengräben in Sachen Windkraft sind gezogen. Auch in Siebenbäumen.wr

Windräder

Ein Kleinwindrad ist eine Anlage mit einer Höhe von bis zu 30 Metern. Sie werden aufgrund ihrer Größe als nicht raumbedeutend eingestuft.

Nach Angaben des Kreises sind diese Anlagen im Außenbereich daher privilegiert. Zuständig für eine Baugenehmigung ist der Kreis – und nicht wie bei größeren Anlagen das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR).

Eine Privilegierung gilt ebenfalls für Windkraftanlagen als Nebenbetrieb von landwirtschaftlichen Betrieben mit einer Höhe von bis zu 70 Metern – so wie die Anlagen, die einst bei Grove und Fuhlenhagen errichtet worden sind. hm

 Holger Marohn

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