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Lauenburg Bismarck-Denkmal löst sich auf
Lokales Lauenburg Bismarck-Denkmal löst sich auf
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20:29 14.07.2016
Ob die Gemeinde will oder nicht, sie ist gezwungen, das ungeliebte Denkmal zu reparieren und zu erhalten. Quelle: Lothar Neinass

Ein Denkmal sollte für die Ewigkeit sein. Doch diese Hoffnung der Stifter trügt häufig. So ist es auch mit dem von Georg von Schönerer und seiner Alldeutschen Bewegung gespendeten Bismarck-Denkmal auf dem Platz vor dem Bismarckturm in Aumühle. Die Flügel der Adler lösen sich auf. Bürgermeister Dieter Giese hat bereits eine Fachfirma gebeten, Vorschläge für die Sanierung des Denkmals zu machen. Viele Aumühler wären froh, wenn das Denkmal ganz entfernt werden würde.

In einem großen Festakt wurde im Jahr 1924 das Bismarck-Denkmal auf dem heutigen Berliner Platz eingeweiht. Zu diesem Zeitpunkt war der Stifter bereits seit drei Jahren tot.

Man fühlte sich damals den politischen Ideen des österreichischen Politikers Ritter Georg von Schönerer verbunden, der mit seiner Alldeutschen Bewegung zunächst große Zustimmung fand. Seine nationalen Forderungen nach einem Anschluss Österreichs an Deutschland, wie von den Alldeutschen gewünscht, konnte man unterstützen. So wurde damals auch gleich die Straße am Bismarck-Turm in „Georg-von-Schönerer-Straße“ umbenannt. Georg von Schönerer war ein glühender Verehrer des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck. Sein Problem war nur, dass Otto von Bismarck den Österreicher wegen seiner rassistischen Einstellung stets abgelehnt hat.

In Österreich hat Georg von Schönerer eine bewegte Geschichte hinter sich. Er war eine gespaltene Persönlichkeit. In seiner Heimat engagierte er sich erfolgreich für soziale Reformen in der Landwirtschaft. Auf der anderen Seite war er ein Rechtsterrorist und ein Judenhasser. Von Schönerer kämpfte gegen alles, ob Sozialismus, die österreichische Monarchie oder die Kirche. Sein großes Ziel war ein arisches Reich aus Deutschen und Österreichern. Georg von Schönerer wurde 1888 wegen antisemitischer Ausschreitungen zu einer Gefängnisstrafe und dem Verlust seines Adelstitels verurteilt.

Die Vergangenheit holte nach dem 2. Weltkrieg auch die Aumühler in die Wirklichkeit zurück. Man erkannte, dass Georg von Schönerer ein Antisemit gewesen war, der, wie Adolf Hitler betonte, zu seinen Vorbildern gezählt hat.

Doch es geschah in Aumühle fast nichts. Nur die Georg-von-Schönerer-Straße wurde am 9. Mai 1976 umbenannt. Um das Jahr 2000 entbrannte in der Gemeinde Aumühle ein erheblicher Streit um das Bismarck-Denkmal. Viele forderten, das Denkmal zu beseitigen.

Das eingeschaltete Amt für Denkmalpflege in Kiel erklärte im Jahr 2000 das Bismarckdenkmal sei als Kulturdenkmal zu erhalten.

Weder die politische Gemeinde noch die Kirchengemeinde konnten sich von den Geschenken trennen. Beide distanzierten sich aber von dem Gedankengut Georg von Schönereres. Sowohl am Grab als auch an dem Bismarckdenkmal wurden im Sommer 2001 entsprechende Tafeln aufgestellt.

Zur Reparatur des Denkmals wird die Gemeinde nach Aussage von Bürgermeister Dieter Giese eine größere Summe aufwenden müssen.

Lothar Neinass

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