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Lauenburg Bienen-Blüten-Reich Bliestorf
Lokales Lauenburg Bienen-Blüten-Reich Bliestorf
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09:28 08.10.2018
Petra Panthel vom Kulturgut Bliestorf, FÖJlerin Jasmin Herbrich und Michaela Lange, Gärtnerin von Haus Arild (von links), sind stolz darauf, dass Bliestorf Teil des Netzwerkes Blühende Landschaft ist. Quelle: Dorothea Baumm
Bliestorf

Unkraut? Ungepflegter Wildwuchs? Vielseitiges Paradies für Insekten und Vögel? Blühwiese! Das Netzwerk Blühende Landschaft setzt sich bundesweit für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und so fort ein: „Als Blütenbestäuber sorgen sie für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren.“ Das Problem: Auf Feldern, Wiesen, öffentlichen Flächen und in Gärten blüht es immer weniger. In Bliestorf gibt es ein breit aufgestelltes Engagement gegen diesen Missstand.

Hier sehen Sie noch mehr Bilder zu den Blühwiesen in Bliestorf

Gärtnerin Petra Panthel weiß, wie Blühwiesen auf den ersten Blick wirken, wenn das Auge des Betrachters nicht geschult ist. Pflanzen, die dem unkundigen Hobbygärtner als Unkraut gelten. Kleine, teils unscheinbare Blüten. Und doch: Wer genau hinschaut, entdeckt das pralle Leben. Es summt und brummt, krabbelt und fliegt. Und genau das steht auch auf dem Schild an der Fläche: „Hier blüht es für Bienen Hummeln und Co!“

Insekten schützen

Der Wunsch von Petra Panthel und dem Netzwerk: „Unsere Kulturlandschaft soll wieder blühen.“ Zählen auch Sie zu den Menschen, denen es beim Anblick von Insekten graust? Nutzen Sie Sprays und Gifte, um Haus und Garten frei zu halten von Spinnen, Schnecken, Bienen und deren Artgenossen? Lassen Sie es lieber. All diese Tiere sind Nützlinge, und die Natur braucht sie.

Daher Panthels Einsatz für die Blühflächen. „Auch wenn jetzt fast alles verblüht ist: Noch immer können wir beobachten, wie viele Tiere hier sind“, sagt sie zufrieden. Gleich an mehreren Stellen im Ort konnten in diesem Jahr die vom Netzwerk gestützten Blühflächen angelegt werden. Haus Arild zum Beispiel ist mit etwa 400 Quadratmetern dabei, der Demeterlandwirt vom Gut hat eine Fläche von 750 Quadratmetern zur Verfügung gestellt und die Gemeinde selbst sogar 2000 Quadratmeter.

Das Besondere an Bliestorf

Panthel freut sich darüber: „Das ist wirklich etwas ganz Besonderes an Bliestorf, dass hier mehrere Akteure zusammenwirken und wir so Trittsteine übers Dorf verteilen konnten.“ Die Gärtnerin, deren Herz für die Natur und die Artenvielfalt schlägt, wird nicht müde, das Engagement der Gemeinde zu loben.

Gerade jetzt, bei der Nachbearbeitung der noch jungen Flächen, ist die Gemeinde erneut hilfreich. Die Bliestorfer Blühwiesen haben nämlich deutlich sichtbar unter dem Regenmangel gelitten. „Wir leben hier in einer der trockensten Regionen des Nordens“, erklärt Panthel. War die Gemeinde schon bei der Anlage behilflich, so unterstützt sie das Blühflächenengagement jetzt erneut: mit der Bereitstellung eines Balkenmähers, um die Stücke zu pflegen.

Unterstützung vom Netzwerk

Das Netzwerk Blühende Landschaft ist über ganz Deutschland verteilt. Wer mitmachen möchte, muss das beantragen – und erfährt Unterstützung. „Zum Beispiel wird das Saatgut gestellt“, erläutert Petra Panthel, „es stammt ausschließlich aus regionaler Wildsammlung.“

Wofür Petra Panthel sich Zuhause einsetzt – möglichst viele Bliestorfer für das Projekt zu gewinnen –, versucht das Netzwerk bundesweit. Jeder kann mitmachen: ob als Landwirt mit Blühstreifen, blühenden Zwischenfrüchten oder Stilllegungen, ob als Gärtner mit bienenfreundlichen Blumen, blühenden Stauden, bunten Inseln, als Imker mit Aufklebern des Netzwerkes auf jedem Glas oder als engagierter Bürger mit einem bunt-blühend bepflanztem Balkon oder Garten.

Breite Basis für den Naturschutz

Ganz großartig sei es natürlich, wenn Stadtgärtner, Bürgermeister oder Straßenbauämter für die Idee gewonnen werden könnten. „Das Netzwerk Blühende Landschaft will nicht nur auf die dramatische Notlage von Bienen, Hummeln, Schmetterlingen etc. aufmerksam machen“, heißt es. Davon sollte inzwischen jeder gehört haben! Das Ziel sei, eine breite Basis zu schaffen. Landwirte, Gärtner, Imker, Naturschützer, Berater, Verbraucher, Wissenschaftler und Landschaftsplaner – alles gehören an einen Tisch, „alle müssen gemeinsam neue, insektenfreundliche Konzepte entwickeln und umsetzen“.

Petra Panthel weist auf eine Meise hin, die sich eifrig an einer verblühten Sonnenblume bedient. Das Vögelchen hängt akrobatisch an der Blume – schön ist das anzusehen. „So soll es sein“, sagt Petra Panthel, „deswegen wachsen auf diesen Flächen zum Beispiel Rosmarin, Pfefferminze, Salbei, Astern, Kugeldistel, Kornblume, Ölrettich, alle Kleearten, Wicken, Lupinen, Sonnenblumen und ungezählte andere Pflanzen.“

Blühpate werden

Wir machen unsere Landschaft bunter! Das ist Slogan und Anspruch des Netzwerkes Blühende Landschaft. Wer keine eigene Fläche zur Verfügung stellen kann, trotzdem aber das Netzwerk unterstützen möchte, kann Blühpate werden.

Klingt lustig – ist jedoch effektiv. „Sie lieben Blumen und wollen Gutes für Bienen, Hummeln und Co. tun? Es mangelt jedoch an Zeit und/oder Fläche, ein Blühparadies anzulegen? Wir machen das für Sie“: Das ist das Angebot. Dahinter steht: Wer Blühpate wird, entscheidet, wie viele Quadratmeter erblühen.

„Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort lassen wir es auch in Ihrer Nähe erblühen“, verspricht das Netzwerk. Wer sich engagiert, soll die Flächen jederzeit besuchen dürfen: Sie sind frei zugänglich. „Zur Blütezeit laden wir Sie ein, an einer Blühflächenführung teilzunehmen.“ Außerdem werden die Teilnehmer regelmäßig über die Entwicklung ihrer Fläche informiert – und Paten werden mit einer Überraschung begrüßt.

Und so geht’s. Wer Blühpate werden möchte, kann sich online zu dem Programm anmelden. Zu Auswahl stehen Blühflächen in der Größe von 25 Quadratmetern für 15 Euro jährlich, 50 Quadratmetern/30 Euro jährlich oder 100 Quadratmetern/60 Euro jährlich.

Wer eine größere Blühfläche sponsern möchte, kann das nach Absprache gern tun. Die Patenschaften, das garantiert das Netzwerk, seien jederzeit ohne Angabe von Gründen zu kündigen. Und: Man kann die Blühpatenschaften auch verschenken.

Hier gibt es die Blühpaten-Info und -Anmeldung

Wer mitmachen, erfährt gute Unterstützung vom Netzwerk Blühende Landschaften. „Wir sind aber auch verpflichtet, die Flächen öffentlich zu halten. Und einmal im Jahr eine Führung anzubieten.“ Was Petra Panthel sehr gern macht. „Das bedeutet, Agrarförderung im Sinne einer blühenden Landschaft mitzugestalten“, sagt die leidenschaftliche Gärtnerin. Sie zeigt auf den Flyer. „Da, das ist es: Wir wollen eine blühende Landschaft schaffen, in der Menschen und Tiere sich wohlfühlen können.“

Hier lesen Sie mehr über das Netzwerk

Dorothea Baumm

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