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Blutkonserven: Lebenssaft aus der Tüte

Ratzeburg Blutkonserven: Lebenssaft aus der Tüte

Dr. Waltraud Martin, Transfusionsverantwortliche in Ratzeburg, informiert zum heutigen Weltblutspendertag.

Ratzeburg. Blut ist ein ganz besonderer Saft. Hat Goethe gesagt. Und wo er recht hat, hat er recht. Ein durchschnittlich schwerer, gesunder Mensch hat etwa acht Prozent seines Körpergewichts an Blut – bei 70 Kilogramm wären das etwa fünf bis sechs Liter Blut. Ärzte wie Dr. Waltraud Martin können die Aufgaben im Schlaf herbeten: Der Lebenssaft versorgt den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen und ist durch den Transport von Hormonen und Botenstoffen für Informationen wichtig. Beispiel gefällig? Wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig wird, verlangt der Körper nach Nahrung. Außerdem ist Blut eine Art Armee: Besondere Zellen im Blut wehren Krankheitserreger ab. Andere Spezialisten sind für die Blutstillung verantwortlich.

 

LN-Bild

Dr. Waltraud Martin bekommt im Labor von MTA Gerlinde Todsen eine Blutkonserve.

Quelle: Dorothea Baumm

Dr. Martin ist Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin. Seit dreieinhalb Jahren ist die 50-Jährige im DRK-Krankenhaus in Ratzeburg angestellt. Seit letztem Herbst ist sie „Transfusionsverantwortliche in der Klinik. Die Medizinerin ist auch noch Mitglied des Notärztevereins Herzogtum Lauenburg und fährt Einsätze. Was bringt der Titel „Transfusionsverantwortliche“ mit sich? „Im Moment entsetzlich viel“, sagt Dr. Martin. Der ganze Bereich unterliegt dem Transfusionsgesetz, „da gibt es im Vergleich zu anderen Bereichen der Medizin sehr starre gesetzliche Vorgaben.“ Zum Beispiel muss sie das krankenhauseigene Handbuch „Qualitätsmanagement im Krankenhaus“ pflegen. Das muss alle drei Jahre überarbeitet werden, „das habe ich gerade komplett erledigt. Ich habe nicht das halbe Jahr Vollzeit dran gesessen, aber immer wenn ich Zeit hatte.“ Als nächstes stehen dann die ebenfalls vorgeschriebenen Mitarbeiterschulungen an.

Im Ratzeburger Krankenhaus werden die Blutkonserven nur verabreicht, nicht hergestellt. Der Künstler Michelangelo hat, wenn auch auf seine Arbeit bezogen, den Spruch geprägt: „Danach fragt keiner, wie viel Blut es kostet.“ Das stimmt heute, wo Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten müssen, längst nicht mehr. „Wir müssen für die Konserven zahlen, auch wenn die Blutspendedienste sie zum Selbstkostenpreis abgeben und keinen Gewinn machen sollen.“ Entsprechend steht vor jeder Gabe die Frage: Wird die Blutspende wirklich benötigt? Umgekehrt gibt es natürlich auch die Zeiten, in denen man hört, dass die Blutkonserven knapp werden. „Aber dass man nicht mehr operieren konnte oder dass Patienten verbluten, weil es keine Konserve gab: Das habe ich noch nicht erlebt.“

1150 Blutkonserven wurden 2015 in Ratzeburg verbraucht, also etwa drei pro Tag. Davon ging etwa ein Drittel an chirurgische, also frisch operierte Patienten. Die anderen zwei Drittel wurden in der inneren Medizin benötigt. „Da sind es häufig akute Magen- und Darmblutungen. Außerdem benötigen Dialysepatienten, Knochenmark-Erkrankte und Tumorpatienten oft Blutkonserven.“ Das Ratzeburger Krankenhaus bekommt die Konserven in aller Regel vom DRK-Blutspendedienst in Lütjensee. Das Labor dort ist rund um die Uhr besetzt, täglich fahren Kuriere bestimmte Touren – und im Notfall geht auch mal eine Konserve mit dem Taxi oder der Feuerwehr auf die Reise.

Vor der Blutspende steht die Aufklärung der Patienten. Viele plagen sich mit unbegründeten Ängsten. „Die Zahl der Transfusionen sinkt“, stellt Dr. Martin fest. Seit den Problemen mit der HIV-Übertragung in den 80er Jahren, hat ein Umdenken eingesetzt. „Heute sind die Indikationen enger, also die Gründe für den Einsatz der Konserven, und die Werte, die wir tolerieren, werden geringer.“ Gleichzeitig würden die Operationen durch ständig verfeinerte Methoden und verbesserte Geräte immer unblutiger. Es gibt, so erklärt Dr. Martin, sogar die Möglichkeit, bei Eingriffen zum Beispiel an der Bauchschlagader oder bei großen Knochen-OPs, mit speziellen Absaugsystemen das Blut während der Operation zu sammeln, zu reinigen, und dem Patienten seine eigenen roten Blutzellen wieder zuzuführen.

Ja, Blut ist ein ganz spezieller Saft. Kostbar, und die Konserven sind nur begrenzte Zeit haltbar: sechs Wochen. Was gibt es noch zu sagen? „Spenden Sie, bitte“, sagt Dr. Martin. „Helfen Sie, uns zu helfen. In Notfall auch sich selbst.“

„Blut verbindet uns alle“ – Motto des Weltblutspendertages

Der Internationale Weltblutspendertag wird seit 2004 jährlich am 14. Juni gefeiert. Das war der Geburtstag von Karl Landsteiner (1868 bis 1943), dem Pionier der Transfusionsmedizin.

Landsteiner erhielt 1930 den Nobelpreis für Medizin: Er hatte das AB0-System der Blutgruppen entdeckt.

„Blood connects us all – Blut verbindet uns alle“ : So lautet das Motto des diesjährigen, 13. Internationalen Weltblutspendertages. Egal, welche Hautfarbe wir haben und auf welchem Kontinent wir zuhause sind: Die Blutgruppen sind weltweit gleich. Allerdings sind sie unterschiedlich verteilt. In Deutschland haben fünf Prozent der Menschen die Blutgruppe AB, zehn bis 15 B, 40 0 und 40 bis 45 A. In Ostasien zum Beispiel haben viel mehr Menschen die Blutgruppe B.

Vom Körper in die Konserve: Etwa 30 Fachkräfte sind an der Herstellung der so genannten Blutkonserve beteiligt. Der genaue Fachausdruck lautet übrigens „Erythrozytenkonzentrat“. Der Zeitraum zwischen zwei Spenden sollte bei Vollblutspenden bei Männern zehn, bei Frauen 13 Wochen betragen. Bis zum 72.

Geburtstag darf gespendet werden.

Eine gründliche Untersuchung erfolgt bei jeder Blutspende. So wird zum Beispiel die Blutgruppe bestimmt, die auch in den Spenderpass eingetragen wird. Der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin, wird gemessen, außerdem wird das Blut auf Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, HIV und Syphilis untersucht. Davon profitiert auch der Spender, der bei Auffälligkeiten benachrichtigt wird.

In Deutschland ist die Spendebreitschaft gering. Etwa 33 Prozent der Bundesbürger sind gesund genug, um Blut spenden zu können, laut Statistik tun es aber nur drei Prozent. Die Statistik besagt aber auch, dass etwa 80 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Leben fremdes Blut brauchen. teo

DREI FRAGEN AN . . .

. . . Dr. Waltraud Martin, Blutexpertin.

1 Sie sind Ärztin und Transfusionsverantworliche. Wissen Sie Ihre Blutgruppe aus dem Stegreif? Selbstverständlich. Die wusste ich schon als Studentin, denn schon damals habe ich jahrelang und regelmäßig Blut gespendet. Jeder sollte seine Blutgruppe wissen. Sollten Sie als Patient allerdings eine Transfusion benötigen, wird Ihr Blut sowieso noch einmal untersucht.

2 Würden Sie bei sich persönlich auf jeden Fall einer Transfusion zustimmen? Wenn es medizinisch indiziert ist – selbstverständlich. Ganz anders sähe es allerdings aus, würde ich mich in einem so genannten Dritte Welt Land aufhalten. Dort würde ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehren – wenn ich dazu noch in der Lage wäre.

3 Transfusionsverantwortliche des DRK-Krankenhauses Mölln-Ratzeburg – das klingt nicht so, als würde man sich danach reißen. . . Ich wurde schon im Vorstellungsgespräch darauf angesprochen, dass ich diese Aufgabe in naher Zukunft zu übernehmen hätte. Und, ganz ehrlich: Ich finde es sehr spannend. Ich habe nach dem Studium ein Jahr in Kiel im Institut für Transfusionsmedizin gearbeitet. Klar, ich muss mich wieder einarbeiten, aber ich weiß schon viel über das Thema. teo

Dorothea Baumm

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