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Lauenburg Bodyguard aus Leidenschaft
Lokales Lauenburg Bodyguard aus Leidenschaft
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21:30 15.11.2017
Die geschützte Person wird bei Angriffen heruntergedrückt und muss die Arme vor Kopf und Oberkörper halten. Bodyguard Tony Domin schützt Menschen unter Gefahr des eigenen Lebens. Quelle: Fotos: Grombein
Mölln

„Ich tarne mich gut. Wir Bodyguards arbeiten nicht plakativ“, sagt der Mann mit den kurzen Harren und dem wachen Blick. Es fällt nicht auf, dass der smarte Mann in Anzug eine Waffe unter dem Jackett trägt. Das sei sogar das Wesen seiner Berufsgruppe und unterscheide ihn stark von Sicherheitskräften, die breitschultrig über Stadtfeste liefen.

Tony Domin (55) schützt Menschen mit seinem eigenen Leben. Einige Kugeln hat er schon abgefangen, davon zeugen Blessuren. Der Mann aus Wentorf bei Hamburg schützt Reiche und Schöne weltweit. Außerdem ist er Autor, spielt TV-Rollen und gibt Jugendlichen Selbstvertrauen.

„Ein Bodyguard arbeitet nie plakativ.Tony Domin (55),

Bodyguard

Sechs Männer wie ihn gebe es in Hamburg, die mit den gleichen Lizenzen und Fähigkeiten ausgestattet seien. Neben der Waffenbesitzkarte und dem Waffenschein zum Führen von Waffen besitze er reichlich Erfahrungen im Personenschutz. „Die beste Ausbildung gibt es in Israel“, sagt der 55-Jährige. Dort kenne man Terror und Anschläge seit langem. Auf die Frage, ob er dort seine Ausbildung absolviert habe, heißt es ohne ein Lächeln: „Kein Kommentar.“ Doch dass derjenige, der dort geschult werde, eine Stunde lang in einem Fass mit Eiswasser sitzen müsse. Keine männliche Mutprobe. Auf Kommando müssten Bodyguard-Azubis aufspringen und gezielt schießen. Wer trotz Schüttelfrosts trifft, ist einer von den Guten.

Mit guten Jungs hat Tony Domin in seinem Job häufig nicht zu tun. Vielmehr geriet er allzu oft ins Visier der Attentäter – beziehungsweise seinen Schützlingen wurde nach dem Leben getrachtet. „In meinem Körper steckte schon alles drin“, sagt er. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Es gehe um Kugeln, Messer und andere Schuss- und Stichwaffen. Und obwohl Domin keine Miene verzieht, spürt man den Humor, den der Mann mit dem gut definierten muskulösen Körper hat.

An seinem braungebrannten, augenscheinlich stahlharten Oberarmen, sind Blessuren zu erkennen. Auch in seinem Hals steckte schon eine Kugel. Nur eine weiße Narbe auf der braun gebrannten Haut zeugt davon. „Ich bin mir sicher, dass ich das nicht überlebt hätte, wenn ich nicht boxen würde.“ Blitzschnell habe er sich bei dem Angriff einer kriminellen Bande weggeduckt.

Geschützt wird eine Person von mindestens vier Bodyguards, die sich in einer Rautenformation bewegen. Die geschützte Person wird bei Angriffen heruntergedrückt und muss die Arme schützend vor Kopf und Oberkörper halten. „Am Arm blutet es extrem. Doch davon stirbt man in der Regel nicht“, so Domin. Die Waffe wird beim Manöver schnell gezogen und im Ziehen aus der Bewegung auf den Angreifer geschossen.

Es sind wie gesagt die Reichen und Schönen, die zu seiner Kundschaft gehören. In Deutschland oder auf Ibiza, wo er viele Jobs macht. Über seine Kunden spricht man nicht, sagt der Bodyguard aus Wentorf. Doch in Hamburg habe er vor kurzem einem der reichsten Amerikaner einen ungestörten Besuch in einer Diskothek ermöglicht. „Diese Kunden wollen im Club nicht angesprochen werden und am besten soll niemand merken, dass sie überhaupt da sind“, berichtet Domin.

Damit so ein Besuch gelingen kann, checkt er lange vorher die Locations. In der Metropole kennt sich der gebürtige Hamburger gut aus mit sicheren Restaurants, Hotels und anderen Lokalitäten für seine Gäste. Über seine „Agency Bodyguard Service“ können liquide Kunden ihren kompletten Aufenthalt in Deutschland planen – inklusive Privatjet. Seine Dienste sind allerdings nicht billig. Sie hängen von der persönlichen Gefahrenanalyse des Bodyguards und dem Aufwand, die gewünschte Lokalität auszukundschaften, ab.

Seinen Preis nennt er nicht. Nur so viel: „An einem Wochenende auf Ibiza können meine Kunden schon mal ein durchschnittliches Monatsgehalt einplanen.“ Er nimmt nicht jeden Auftrag an. Schon gar nicht für Kriminelle, die hier und da schon auf ihn zugekommen seien, erklärt er. Das kann und will der 55-Jährige nicht. Das Bundeskriminalamt prüfe sehr gründlich, wer genau in dieser Branche tätig sei.

Allein für die erneute Beantragung seiner Lizenz zum Führen von Waffen sind wieder ein Jahr und drei Monate ins Land gegangen. „Das hat viel Geld, Fleiß und Schweiß gekostet“, sagt der Sicherheitsexperte. Viele Prüfungen seien nötig – und dazu ein psychologisches Gutachten. „Da werden mehr als 150 Fragen gestellt.“

Viele Sicherheitsfirmen schrieben den Personenschutz mit in ihr Portfolio. Doch eigentlich seien sie nicht im Besitz der erforderlichen Lizenzen im Bezug auf Schusswaffen, weil die Hürden so hoch seien. Domin jedoch macht keine Kompromisse, da er seine Waffe bei Auslandseinsätzen mitnehmen und durch den Zoll bekommen muss. Das Problem: Der Staat kontrolliere Lizenzen im Veranstaltungsgewerbe kaum. „Sonst würde nämlich die gesamte Sicherheitsbranche zusammenbrechen“, sagt Domin.

Informationen zu „Agency Bodyguard Service“ finden sich im Internet unter www.bodyguard-security.eu

Leben neben dem Beruf

Mit seiner Berufswahl verarbeite Domin die Geschehnisse „einer schlimmen Kindheit mit einem Vater, der ihn misshandelt“ habe, berichtet der 55-Jährige. Er unterrichtet seit Jahren auch Jugendliche in Fitness- und Selbstverteidigungskursen in der Nachmittagsbetreuung. Er hat mehrere Bücher geschrieben.

Im Jahr 2000 wurde Tony Domin überraschend zu einem Filmset gerufen, um in Sicherheitsfragen zu beraten. Dann wurde daraus eine Nebenrolle. Mittlerweile spielte er in 18 TV-Produktionen und drei Kinofilmen mit. Unter anderem im Tatort und bei Fatih Akins „Soul Kitchen“.

Florian Grombein

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