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Lauenburg Boom bei den Pfadfindern: Lieber gemeinsam als einsam
Lokales Lauenburg Boom bei den Pfadfindern: Lieber gemeinsam als einsam
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22:36 15.05.2016
Sie mussten sich beeilen am Freitagnachmittag, um ihre Zelte rechtzeitig vor dem Regen aufzustellen: Mehr als 1700 Pfadfinder der Nordkirche treffen sich an diesem Wochenende in Einhaus zum traditionellen Pfingstlager – und zu ihrem 20-jährigen Jubiläum. Quelle: Fotos: Strunk
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Großes Pfingstlager am Ansveruskreuz mit 1700 Teilnehmern – Ring evangelischer Gemeindepfadfinder besteht 20 Jahre – Heute Gottesdienst mit Bischöfin Kirsten Fehrs.

Mehr als 1700 Kinder, Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene treffen sich an diesem Pfingstwochenende in Einhaus auf dem Jugendzeltplatz am Ansveruskreuz am Ratzeburger See zu gleich zwei Jubiläen: dem 20-jährigen Bestehen ihres Verbandes, dem Ring evangelischer Gemeindepfadfinder (REGP), sowie dem 950. Todestag jenes Mönches und Märtyrers Ansverus, der 1066 an dieser Stelle von Slawen gesteinigt wurde.

Für die aktiven Pfadfinder ist das erste Jubiläum natürlich viel näher und wichtiger. Es ist zwar noch kein richtig „rundes“, aber dafür ein für heutige Zeiten erstaunliches: „In den vergangenen Jahren haben wir eine lawinenartige Entwicklung festgestellt“, sagt Ulli Schwetasch. Vor vier Jahren zum Gründungsfest der Nordkirche kamen noch 1200 Pfadfinder, 2014 waren es 1300, heute werden mehr als 1700 erwartet. „Wir haben jetzt 6400 Mitglieder in mehr als 100 Stämmen aus 110 Kirchengemeinden. Eine rasante Entwicklung, eine große Begeisterung bei den jungen Menschen. Und es kommen im Schnitt fünf neue Stämme jedes Jahr hinzu“, sagt Schwetasch.

Obwohl er mit dieser Entwicklung von Beginn an eng vertraut ist, hört man doch ein gewisses Staunen in seiner Stimme. Als junger Pastor hatte er in Grube/Ostholstein den Grundstein gelegt und mit einer Gruppe begonnen. Pastorenkollegen aus anderen Gemeinden und Vikare schauten es sich bei ihm ab und gründeten selbst Pfadfinderstämme. 1996 waren es schon so viele, dass der REGP ins Leben gerufen wurde.

Seit fünf Jahren ist Schwetasch auf einer halben Stelle Pastor in der evangelischen Kirchengemeinde Krummesse. Die andere halbe Stelle bekleidet er als Beauftragter der Nordkirche für Gemeindepfadfinderarbeit. In Krummesse gründete er 2011 ebenfalls eine Gruppe. „Am Anfang waren es 15, heute haben wir 125 Mitglieder – und immer noch kommen neue hinzu.“ Das gemeinsame Erleben hat seinen Reiz bei den Kindern nicht verloren. Lieber gemeinsam spielen, als einsam am Computer . . .

Schwetasch selbst kam als Kind in den 1960er und 70er Jahren zu den Pfadfindern, einer kleinen Gruppe in einem Arbeiterviertel in Kiel. „Hier habe ich eine neue Welt und eine neue Heimat gefunden, hier bin ich religiös geprägt worden. Die Pfadfinderarbeit war ausschlaggebend, dass ich mich für den Pastorenberuf entschieden habe“, gibt er zu. Gerade als Arbeiterkind habe er bei den Pfadfindern erfahren, dass hier keine Unterschiede zwischen sozialen Schichten, Herkunft oder Geschlecht gemacht wurde und wird. Auch körperliche Beeinträchtigungen – Schwetasch hat eine Behinderung an den Fingern seiner Hände – zählen nicht. „Was ich körperlich nicht leisten konnte, habe ich mit Reden und Organisieren ausgeglichen.“

Das ist nach wie vor so. Die Kinder (Mindestalter: acht Jahre) werden spielerisch an ihre jeweiligen Talente heran geführt, die sie gemeinsam üben und stärken: „Hier schälen sich etliche Macher heraus“, sagt der Pastor. Die Vielseitigkeit der Pfadfinder ist auch ihre Stärke – vor allem, wenn sie im Team zur Entfaltung kommt.

„Das ist ein beglückendes Gefühl, wenn man mit eigenem Einsatz und im Zusammenspiel mit anderen etwas erreicht“, schwärmt Nadja (18) aus Halstenbek. Johannes (21) studiert Forstwissenschaft in Göttingen. Er kam mit sieben Jahren über Bekannte zu den Pfadfindern. Wegen seines Studiums ist er nicht mehr regelmäßig bei den Treffen seines Stamms. „Aber bei den Veranstaltungen bin ich immer dabei. Man lernt so viele Leute intensiv kennen, da kann man einfach nicht aufhören!“

Gottesdienst mit Bischöfin

In Deutschland gibt es die Pfadfinderbewegung seit etwa einhundert Jahren. Sie erreichte kurz nach der Gründung in England im Jahr 1907 den deutschsprachigen Raum. Der Ring evangelischer Pfadfinder steht in der Tradition der von Baden-Powell in England gegründeten Pfadfinderbewegung. Sie verstehen sich als Teil ihrer jeweiligen Kirchengemeinde, in der und für die sie Kinder- und Jugendarbeit betreiben. Gemeindepfadfinder bieten Kindern eine Gemeinschaft, in die sie hinein wachsen können, in der sie spielerisch lernen und neue Erfahrungen machen („Learning by doing“).

Um 10 Uhr heute Vormittag hält Bischöfin Kirsten Fehrs einen Pfingstgottesdienst mit den Pfadfindern und vielen Gästen – unter ihnen Frauke Eiben, Pröpstin im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg – am Ansveruskreuz.

 Joachim Strunk

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