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Lauenburg „Bravissimo!“ für „Bravo“
Lokales Lauenburg „Bravissimo!“ für „Bravo“
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22:13 25.07.2017
Kuh „Bravo“ vom Hof Lüer in Niendorf an der Stecknitz ist eine Rekord-Kuh: Die 17,5 Jahre alte Holsteiner Schwarz-Bunte hat im Juni die 150 000-Liter- Milch-Marke geknackt. Landwirt Hans-Joachim Lüer nahm stellvertretend die Ehrung des Verbandes Rinderzucht Schleswig-Holstein eG entgegen.

Die Lebenserwartung der deutschen Durchschnittskuh liegt zwischen 18 und 22 Jahren. „Bravo“ hat mittlerweile 17,5 Jahre auf dem Buckel, und da sieht man schon den einen oder anderen Knochen anders hervorscheinen als wäre sie noch eine knackige, pubertäre Färse von mindestens 18 Monaten. Aber „Bravo“ hat sich super gehalten. Die alte Dame, die immerhin elffache Mutter ist (Enkel mal ganz außen vor), nimmt den Presserummel bedächtig und mit gnädigem Interesse auf. Sollen sie doch ihre Fotos knipsen . . .

Holsteiner schwarz-bunte Kuh von Hans-Joachim Lüer in Niendorf an der Stecknitz hat in ihrem Leben mehr als 150000 Liter Milch gegeben.

Und auch nur zum Gefallen ihres Chefs, Landwirt Hans-Joachim Lüer, hat sie sich das durchaus schicke Halfter – Lederbänder mit Kettchenapplikationen – anlegen lassen. Er mag das. Sie findet es eher lästig. Gut, die eine Fotoserie, dann aber ab mit dem Zeug. Auf der Weide sieht man oben ohne ja auch viel natürlicher aus . . .

„Bravo“ ist sich ihrer heutigen Stellung bewusst. Sie hat geleistet. Gerne. Und nicht unwillig. Elf Kälber aufzuziehen, ist keine Kleinigkeit, aber es hat ihr Freude gemacht. Zumal sie stets von Lüer, seiner Frau Isabella und deren Töchtern Frauke und Thälke dabei unterstützt und gepflegt wurde.

Es sei kein Zufall, so RSH-Vorsitzender Hans-Peter Grell, dass gerade eine Kuh aus dem Lüerschen Stall eine solche Leistung bringen konnte und würde. „Bei Euch haben sie es wirklich gut. Hier wird Tierwohl gelebt. Ihr habt Euch die Auszeichnung redlich verdient“, zollte Grell dem Niendorfer Kollegen, der 100 Milchkühe in seinem großen Laufstall beherbergt, Respekt und Anerkennung. Grell selbst weiß, wovon er spricht. Betreibt er doch einen Milchhof mit rund 500 Tieren.

Im großen Laufstall, den Lüer vor 15 Jahren neu errichtet hatte, fühlen sich die Rindviecher wohl. Sie können laufen, wie sie wollen, sei es im Stall oder nach draußen, haben ihre warmen Liegebuchten – ausgelegt mit warmem Pferdemist und Rapsstroh – und er-leben sichtlich den Alltag. Alle sind wohlauf, gesund und sauber anzusehen, kein Tier muht (Ziegen würden bei Bedarf meckern). Und „Bravo“

genießt jetzt Extra-Vorzüge: „Die läuft mittlerweile alleine über den ganzen Hof. Sie darf hier ihren wohlverdienten Ruhestand genießen“, erklärt Thälke Lüer, die ihre landwirtschaftliche Ausbildung absolviert hat und sich als mögliche Nachfolgerin auf dem Hof anbietet.

Nochmal zur Leistung von „Bravo“: Ende Mai 2017 wurden exakt 149976 Liter Milch von oder bei ihr registriert. Im Juni hatte sie die 150000-Liter-Grenze überschritten, wie viel sie zum Ende der „Saison“ hat, wird erst im Oktober genau feststehen.

Geboren wurde „Bravo“ am 29. Dezember 1999. Zwei Jahre später gebar sie ihr erstes von insgesamt elf Kälbchen. In diesen elf „Laktationen“ – in der Zeit zwischen Geburt und „Trockenstellung“ (nach Trennung vom Kalb und Erholungsphase bis zur nächsten Geburt) – gab sie 149976 Kilogramm Milch (Mai ’17).

Eine „Durchschnittskuh“ auf deutschen Milchhöfen kommt laut Lüer und Grell im Kuhleben auf 35- bis 40000 kg Milch oder einem Schnitt von etwa 7000 Litern Milch pro Jahr. „Normal“ gibt eine Kuh im Jahr an 305 Tagen Milch. Danach hat sie zwei Monate Zeit zur Regeneration bis zur nächsten Geburt und damit Milchproduktion.

Naturschutzverbände kritisieren den Trend zur „Hochleistungskuh“. Zu einer solchen dürfte „Bravo“ sicherlich zählen. Doch wirkt die gemütliche Dame nicht, als sei sie ausgelaugt und ausgepowert.

Das mag auch die gesamte Familie Lüer nicht so stehen lassen. „Sie haben es alle bei uns gut. Wir sorgen für eine regelmäßige Betreuung“, sei es tierärztliche Visiten oder jährlich zweimal Klauenpflege. „Von unseren Kühen hat keine wunde Stellen oder dicke Gelenke“, bekräftigt Hans-Joachim Lüer. Gesundheit geht vor. Pflege ist wichtig. Sauberkeit ohnehin.

Und wie sieht’s mit der Schönheit aus? Ja, das besagte Leder-Kettchen-Halfter. Aber rotlackierte Hufe kann man dann doch nicht feststellen . . .

 Joachim Strunk

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