Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Breitenfelder Firma engagiert sich gegen Wasserknappheit
Lokales Lauenburg Breitenfelder Firma engagiert sich gegen Wasserknappheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:06 10.04.2016
Norbert Müller-Blanke ist der Geschäftsführer von TIA. In Ägypten hat er dem Hotelpersonal die Abwasseranlage erklärt. Quelle: Fotos: Hfr
Anzeige
Breitenfelde

Die Uno hat den Wassernotstand ausgerufen, es muss gespart werden, denn zu viel sauberes Wasser wird zum Beispiel zum Waschen oder Putzen verbraucht. In Ägypten, wo das Wasser knapp ist, hat das Breitenfelder Familienunternehmen TIA in einem Hotel ein Zeichen für nachhaltige Wassergewinnung gesetzt. Eine Anlage bereitet dort Klärwasser auf, damit es wieder verwendet werden kann. Für das Projekt hat die Firma mit Universitäten und der Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) kooperiert.

Wenig Wasser zu verbrauchen und nachhaltiges Handeln sind gefragt.“Martina Blanke, bei TIA zuständig für Finanzen und Marketing

Das Aufbereiten von Wasser ist aufwendig und verbraucht viel Energie. In einem Hotel in Ägypten haben Martina Blanke und Norbert Müller-Blanke mit ihrer Firma TIA eine Abwasseraufbereitungsanlage gebaut. Sie reinigt es, damit es zum Bewässern der Bäume genutzt werden kann. Das Wasser ist hinterher aber so sauber, dass damit sogar die Liegewiese bewässert und in der Reinigung gewaschen werden kann. Man könnte das Wasser auch zum Duschen nutzen, aber das sei eine „Kopfsache“, sagt Norbert Müller-Blanke. Sauber genug wäre es.

Auch im Kreis kümmert sie sich um sauberes Wasser. „Wir betreiben seit etwa 16 Jahren ein Klärwerk in Güster“, sagt Martina Blanke. Ihr Kerngeschäft sei aber die Industrie, sagt das Ehepaar Blanke.

Seit 1987 gibt es TIA (Technologien zu Abwasserbehandlung und Wasseraufbereitung) im Breitenfelder Gewerbegebiet. Seit etwa sieben Jahren seien sie ihren jetzigen Räumen. Ihre Anlagen liefern sie in die ganze Welt.

Das Mövenpick-Hotel El Quseir in Ägypten lege viel Wert auf Nachhaltigkeit. Und da passte die Anlage aus Breitenfelde gut rein. In der Wüste müsse man sich immer fragen „wo bekomme ich Wasser her“.

Das Hotel liegt am Roten Meer. Zuvor bereiteten sie das Salzwasser auf. „Etwa einen Euro kostet der Kubikmeter. Wir liegen bei 35 Cent“, sagt Müller-Blanke — ein weiterer Anreiz für Recycling.

Zusammen mit der DEG, der Uni Rostock und der Technischen Universität Berlin (TU), die eine Außenstelle in El Gouna, etwa 160 Kilometer vom Hotel entfernt hat, haben sie die Aufbereitung gebaut. Die TU erhebt Daten zur Überwachung.

Das El Quseir ist ein Fünf-Sterne-Haus. Weder Geruch noch Lärm dürften Gäste bemerken, sagt Geschäftsführer Müller-Blanke. Dennoch: Abseits steht ihre Anlage nicht. Allerdings sieht es auch nicht wie ein Klärwerk aus, sondern passt zu Stil des Hotels. „Es gibt dort keine kommunale Kläranlage“, sagt Müller-Blanke. Vorher hatte sich das Nobel-Hotel eine Anlage mit einem benachbarten Hotel geteilt.

Ihre Wiesen konnten sie mit dem gereinigten Wasser aber nicht bewässern oder Wäsche reinigen. Jetzt hat das Hotel ein eigenes kleines Labor, um laufend Proben untersuchen zu können. Das Säubern des Wassers braucht mehrere Schritte — biologische und chemisch-physikalische Verfahren. Hinzu kommt eine mögliche Vorreinigung.

In Breitenfelde laufen alle Fäden zusammen. In den Büros übernehmen Ingenieure die Akquise, die Projekte werden zur Umsetzungsreife geplant. Einige Anlagenteile werden in ihrer Werkstatt montiert, dort laufen auch alle Komponenten auf, die mit den Containern verschifft werden.

„Grüner Tourismus ist sehr beliebt“, sagt Martina Blanke. Eine Kläranlage mitten im Hotel schrecke keine Gäste ab — ganz im Gegenteil: „Die Leute sind sehr interessiert“ und Hotelpersonal erkläre ihnen sogar die Anlage. Wenig Wasser zu verbrauchen und nachhaltiges Handeln sind gefragt.“

Von Philip Schülermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige