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Lauenburg Büchen: Awo will Herzstück der betreuten Wohnanlage verkaufen
Lokales Lauenburg Büchen: Awo will Herzstück der betreuten Wohnanlage verkaufen
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11:11 12.07.2016
Die linke Hälfte des Awo-Treffs wird für den Betrieb der Seniorenwohnanlage genutzt, die rechte Hälfte von der Awo-Büchen. Quelle: Marohn

Kaufen soll das einst als „Herzstück der Anlage für betreutes Wohnen“ gefeierte Gebäude am liebsten die Gemeinde. Die künftig für die Betreuung der Senioren zuständige Awo Pflege Schleswig-Holstein habe kein Interesse an Immobilien, sagt Awo-Kreisverbands-Geschäftsführer Uwe Frensel. Frensel ist auch „Architekt“ eines komplexen Konstruktes, unter dem der Büchener Awo-Treff konzipiert, gebaut und in den vergangenen acht Jahren betrieben worden ist.

 

Holger Marohn über

die Absicht der Awo, ihren

Treff an die Gemeinde

Büchen zu verkaufen

„Die Gemeinde würde alle Rechte und Pflichten des Gebäudes übernehmen“, sagt Frensel. Hauptpflicht wäre danach die weitere Nutzung des Gebäudes für Seniorenangebote. Im Gegenzug dürfte die Gemeinde Mieteinnahmen „generieren“, wie es Frensel nennt. Gemeint ist offenbar eine Art von Umlage, die ein Teil der Bewohner der benachbarten Seniorenwohnungen für ein jederzeitiges Nutzungsrecht derzeit leistet. Während Büchens Awo-Vorsitzende Lieselotte Gerull von 50 Euro je Wohnung spricht, beziffert Frensel die potentiellen Einnahmen für die Gemeinde auf insgesamt 1100 Euro im Monat. Außerdem zahlt die Büchener Awo laut Gerull monatlich 100 Euro für Nebenkosten an die Kreis-Awo – und bekommt im Gegenzug pro Jahr einen Zuschuss von 1200 Euro von der Gemeinde Büchen.

Awo-Vorsitzende Gerull selbst bezeichnet die Gesamtkonstruktion des Awo-Treffs als „verzwickte Angelegenheit“, bei der sie selbst auch manchmal Probleme habe, ganz durchzublicken. Bauherr und Noch-Eigentümer des vor acht Jahren 600000 Euro teuren Awo- Treffs in direkter Nachbarschaft der mehr als 80 betreuten Senioren-Wohnungen ist die Kreis-Awo. Eigentümer der Wohnanlage ist eine Wittenburger Investorengruppe. Mieter und Nutzer des Treffs sind die Awo-kreiseigene gemeinnützige Gesellschaft Wohnen im Alter (mit Geschäftsführer Frensel) und die betreuten Bewohner für eine Haushälfte sowie für die andere Hälfte die Büchener Awo.

Doch nun steht Frensel vor dem Ruhestand. Die Wohnen im Alter gGmbH soll in die Pflege Schleswig-Holstein der Landes-Awo integriert werden. Und ohne eigene Pflege-Gesellschaft will auch die Kreis-Awo den Treff nicht mehr. Damit die Bewohner auch künftig nicht auf ihr vertraglich verbrieftes Nutzungsrecht der Gemeinschaftsräume verzichten müssen und die lokale Awo weiterhin ihre Veranstaltungen machen kann, soll die Gemeinde für kolportierte 400000 Euro den Awo-Treff übernehmen. Eine Summe, die Frensel nicht kommentieren will. Er verweist auf ein Gutachten und ergänzt: „Der Preis ist für uns nicht entscheidend“.

Die Arbeiterwohlfahrt

Die Awo ist 1919 als Teil der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung entstanden. Eine freie, gleiche und solidarische Gesellschaft vor Augen, bekämpft die Awo seitdem soziales Unrecht und dessen Ursachen politisch und leistet bei Missständen und in Notfällen engagiert Hilfe.

Auch in Büchen sind Awo und SPD eng verbandelt. So war Büchens Bürgervorsteherin Heike Gronau-Schmidt (SPD) bis zu ihrem Job bei der Awo Pflege Schleswig-Holstein elf Jahre lang für die Awo „Wohnen im Alter“ Leiterin der Seniorenwohnanlage.

Wo bleibt das Herz der Awo?

Die Gemeinde soll den Awo-Treff in Büchen kaufen. Er ist das Herzstück einer von der Awo betriebenen Anlage, die Grundvoraussetzung eines Seniorenangebots in unmittelbarer Nähe der Wohnanlage.

Die Awo Pflege Schleswig-Holstein will die Immobilie nicht haben. Das ist aus finanzieller Sicht nachvollziehbar. Denn Immobilien bedeuten nicht nur Investitionen, sondern auch laufende Kosten, von den Rücklagen für einen späteren Ersatzbau einmal ganz abgesehen. Diese Kosten ist die Awo Pflege Schleswig-Holstein nicht bereit zu tragen. Die Organisation mit ihrer Arbeit unter dem Zeichen des roten Herzens will das Herzstück der ganzen Anlage nicht finanzieren. Dabei macht der Awo-Treff mit seinem Angeboten genau das aus, wofür die Awo steht – vielleicht ist das sogar der wesentliche Unterschied zu privaten Anbietern.

Und genau deshalb kann es allein schon aus Wettbewerbsgründen nicht sein, dass der Steuerzahler dafür einspringt und dann im Schatten komplizierter Vertragsverhältnisse mit den Bewohnern der Anlage und bauaufsichtlichen Einschränkungen händeringend nach Nutzungsmöglichkeiten gesucht wird. Denn hier wird ein Pflock eingeschlagen, der weit über eine Wahlperiode mit SPD-Mehrheit hinaus steht.

 Holger Marohn

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