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Lauenburg Büchen macht Bahnhof zur Drehscheibe
Lokales Lauenburg Büchen macht Bahnhof zur Drehscheibe
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10:28 14.07.2016
Die Rangiergleise aus der Zeit vor der Wiedervereinigung sind an der Ladestraße längst behelfsmäßigen Parkplätzen für Pendler gewichen. Nur noch ein paar Ruinen erinnern an die einstige Nutzung. Ende des Jahres sollen die Arbeiten für die Mobilitätsdrehscheibe beginnen. Fotos (2): Marohn

Die Gemeinde Büchen macht den Weg für ein Jahrhundertprojekt frei: den Ausbau des Büchener Eisenbahnkreuzes zur Mobilitätsdrehscheibe. Auf dem Gelände, auf dem jahrzehntelang Güterzüge für ihren Weg zu den beiden größten deutschen Städten Berlin und Hamburg sowie dem Ostseehafen Lübeck neu zusammengestellt wurden, soll sich künftig alles um den Personenverkehr mit Zug, Bus, Auto und Fahrrad drehen. So haben es jetzt Büchens Gemeindevertreter beschlossen. Schon in den nächsten Wochen sollen die ersten Bagger anrücken.

Verkehre aller Art sollen sich künftig am historischen Bahnknotenpunkt treffen – Planung für das im ländlichen Raum landesweit einmalige Projekt abgeschlossen – Gemeinde lässt die Bagger anrollen.

Bereits jetzt nutzen den Bahnhof täglich etwa 3800 Ein- und Aussteiger – mehr als doppelt so viele wie vor 15 Jahren. Und die Chancen sind groß, dass nach dem Ausbau noch mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen. „Büchen ist ein Erfolgsbahnhof sondergleichen“, sagt Dennis Fiedel, Sprecher der für den Personennahverkehr zuständigen landeseigenen Gesellschaft Nah-SH. Einen Großteil zu der Entwicklung hätten sicher die „fantastischen Verbindungen“ für die Pendler von und nach Hamburg beigetragen. Außerdem sei Büchen traditionell ein wichtiges Eisenbahnkreuz. Allerdings räumt Fiedel auch ein, dass es Entwicklungen in Büchen gebe, auf die die Nah-SH keinen Einfluss habe. Dazu zähle die Entwicklung der Arbeitsplätze, der zunehmende Verkehr auf den Straßen und die damit entspanntere Fahrt mit der Bahn und nicht zuletzt auch die Entwicklung der Einwohnerzahl Büchens. Gerade bei letzterem haben Büchens Politiker gerade wieder ein Zeichen gesetzt: Im Ortsteil Pötrau werden Grundstücke für rund 100 Wohneinheiten erschlossen.

Doch neben dem Personennahverkehr gewinnt Büchen auch als Fernverkehrshalt zusätzlich an Bedeutung. Gerade erst im vergangenen Herbst sind mehrere Eurocity-Halte von und nach Berlin hinzugekommen.

Für Nahverkehrsplaner eine Entwicklung, die Fiedel zweischneidig sieht. „Jeder Fernverkehrshalt macht natürlich auch die Planbarkeit des Nahverkehrstaktes schwieriger“, sagt Fiedel.

Denn an der Zuteilung der Zeitfenster für die Pendlerzüge, die Slots, hängen auch die Fahrpläne der Busse. Und die Busfahrpläne korrespondieren zu einem großen Teil mit den Stundenplänen der Schüler.

Welche Auswirkungen Verschiebungen im Fernverkehr haben können, haben die für den Personennahverkehr zuständigen Planer beim Kreis vor wenigen Monaten zu spüren bekommen. Weil die ICE-Züge auf der Berlinverbindung neue Zeitfenster beanspruchten, ist ein in jahrelanger Arbeit abgestimmtes Nahverkehrs-System von Bus und Bahn zu einigen Zeiten zusammen gebrochen.

Mit der Mobilitätsdrehscheibe soll nun ein neues Zeitalter am Büchener Bahnhof beginnen. Einen Vorgeschmack dazu können die Büchener am kommenden Dienstag im Bürgerhaus bekommen. Ab 19 Uhr informieren Planer und Verwaltung Interessierte über die weitere Entwicklung.

Mobilitätsdrehscheibe

2,1 Millionen Euro werden in den kommenden Monaten zunächst auf Südseite in abschließbare Fahrradboxen und eine Kiss-and Go-Spur für Autofahrer investiert. Die Bushaltestelle wird verlegt und der Eingangsbereich umgestaltet. Die ersten Aufträge für knapp 1,5 Millionen Euro, 90000 Euro an ein Büchener Unternehmen, hat die Gemeinde jetzt vergeben.

Wenn der Bebauungsplan für das ehemalige Rangiergelände auf der Bahnhofsnordseite fertig ist, sollen dort neben weiteren 150 Fahrradstellplätzen (teilweise in Boxen), etwa 400 extra- breite Autostellplätze sowie ein moderner Busbahnhof als Knotenpunkt aller Büchener Buslinien entstehen. Die Kosten dafür wurden zuletzt auf fünf Millionen Euro beziffert – oder auch mehr.

 Holger Marohn

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