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Büchener fordert Denkmal für Schriftsteller Rühmkorf

Büchen Büchener fordert Denkmal für Schriftsteller Rühmkorf

Künstler starb 2008 in seinem Haus in Roseburg – In seinen Werken beschreibt der Lyriker auch Erlebnisse in Büchen – Diskussion im Büchener Kulturausschuss geplant.

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Carlo Backhausen aus Büchen ist ein glühender Fan von Peter Rühmkorf und hat sogar eine Büste des Lyrikers aus Pappmasché zu Hause stehen. Nun setzt er sich für ein Denkmal des in Roseburg verstorbenen Künstlers ein.

Quelle: Fotos: Holger Marohn (3), P. Binder/ln-Archiv

Büchen. Peter Rühmkorf gilt als einer der bedeutendsten Lyriker der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Büchener Carlo Backhausen will dem vor acht Jahren in Roseburg gestorbenen Künstler nun ein Denkmal setzen lassen. Doch das ist nicht so einfach.

LN-Bild

Künstler starb 2008 in seinem Haus in Roseburg – In seinen Werken beschreibt der Lyriker auch Erlebnisse in Büchen – Diskussion im Büchener Kulturausschuss geplant.

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Es ist eine unscheinbare Reetdachkate, die da in Roseburg hinter einer hohen Buchenhecke steht. Dort, wo das Dach nicht weit heruntergezogen ist, lassen große Fenster viel Licht ins Innere fließen.

Hierhin zog sich Peter Rühmkorf über Jahrzehnte zurück, um Ruhe und Inspiration für seine Arbeit zu finden. Und die schien er auch gefunden zu haben. So nahm die Region kaum Notiz von dem Künstler.

Fans wie Carlo Backhausen gab es offenbar nur wenige vor Ort. „Meine Frau hat ihn mal beim Einkaufen hier im Supermarkt getroffen und um ein Autogramm gebeten“, erzählt Backhausen. Als Rühmkorf und seine Frau, die ehemalige Kieler Kultusministerin Eva Rühmkorf, aus dem Laden waren, sei sie erst einmal gefragt worden, wer das denn gewesen sei.

Auch in Rosenburg selbst fiel Rühmkorf kaum auf. „Er hat immer freundlich mit ,Hallo Herr Nachbar’ gegrüßt“, erinnert sich Karl-Heinz Simmoleit. Ansonsten sei Rühmkorf im Ort nicht unbedingt besonders kommunikativ gewesen. „Ich habe ihm trotzdem eine Glückwunsch-Karte zum 75. Geburtstag geschrieben“, sagt Simmoleit. Zu intensiveren Kontakten sei es aber nicht gekommen. „Schade eigentlich“, so Simmoleit.

Aber die Region Büchen hinterließ auch einen bleibenden Eindruck in Rühmkorfs Werken. So berichtet er in seinem 2004 erschienen Buch „Tabu II“ von seinem Besuch des Büchener Schützenfestes bei „Lütt und Lütt“ mit Maurermeister Püst einem „richtigen riesigen Dorfrestaurant“ (wahrscheinlich der Büchener Waldhalle), Toilettencasanovas und einem ortsansässigen Bauern, dem der Fernseh-Rummel um seinen sterbenden Hof zu Kopf gestiegen war. Auch dem Kauf und die Sanierung der Roseburger Kate widmet Rühmkorf viele Zeilen.

Der Büchener Carlo Backhausen (77) hat nach eigenen Angaben mehrfach vergeblich versucht, Rühmkorf persönlich zu treffen. „Als ich vor 15 Jahren Büchen als meinen Wohnsitz erkor, war ich beglückt zu erfahren, dass auch mein Lieblingsdichter neben einem Wohnsitz in Övelgönne an der Elbe, einen in unserem Amt hat“, sagt Backhausen, der sich selbst als glühender Rühmkorf-Fan outet. Noch ehe er mit Rühmkorf habe Kontakt aufnehmen können, sei der Lyriker leider verstorben. Stattdessen kämpfe er nun seit fast sieben Jahren für ein Denkmal. Das soll nach Backhausens Vorstellungen an Rühmkorfs Schaffen in der Region erinnern. „Rühmkorf hat hier gelebt und gearbeitet. Daran sollten wir doch erinnern“, sagt Backhausen. Sogar einen Entwurf hat der 77-Jährige schon gemacht.

So richtig angesprochen scheint sich von Backhausens Idee bislang jedoch keiner fühlen. Büchens Bürgermeister Uwe Möller habe ihn an seinen Roseburger Amtskollegen Otto Lübke verwiesen. „Eher zufällig habe ich dann erfahren, dass die Roseburger den Daumen gesenkt und die Idee abgelehnt haben“, sagt Backhausen. Nun will er in Büchen einen neuen Anlauf wagen.

Auch bei einem ersten Versuch kurz nach dem Tode Rühmkorfs war Backhausen mit seiner Idee bei Rühmkorfs Witwe abgeblitzt. „Das war wohl alles noch zu frisch“, räumt Backhausen ein. Mit einem entsprechenden zeitlichen Abstand habe er daher diese neue Initiative gestartet. Und für die bekommt er nun zunehmend Unterstützung – unter anderem vom Lauenburgischen Kunstverein. „Peter Rühmkorf als einen der bedeutetest Schriftsteller der Nachkriegszeit in Deutschland zu bezeichnen, ist nicht übertrieben, wobei er selbst solche Einstufungen aber ironisch abgetan hätte“, schreibt LKV-Vorsitzender Dr. William Boehart in einer offiziellen Unterstützungsnote.

Die Idee seines Denkmals will Carlo Backhausen nun am kommenden Dienstag, 5. Juli, im Büchener Kulturausschuss vorstellen – und um ideelle Unterstützung bitten. Die ersten 1000 Euro für die Baukosten des Denkmals hat Backhausen auch schon zusammen.

Das war der Schriftsteller Peter Rühmkorf

Mit der Tod Peter Rühmkorfs verliert die deutsche Literatur der Gegenwart „einen ganz Großen“ kondolierte 2008 Bundespräsident Horst Köhler. Wie kaum ein anderer habe Rühmkorf immer wieder die Bildung von Individualität durch das Lesen und Schreiben zum Thema gemacht. „

Seine Gedanken, seine Gedichte und seine Sprache, die sind noch da – zu Gast in unseren Köpfen“, so Köhler.

Geboren wurde Rühmkorf 1929 in Dortmund. Rühmkorf studierte in Hamburgo Germanistik und Psychologie. Während seiner Tätigkeit als Lektor beim Reinbeker Rowohlt Verlag in den 60er Jahren entwickelte er sich zu einem Lyriker und Essayisten von Format. Ende der 60er Jahre engagierte er sich in der Studentenbewegung.

Für seine Arbeiten erhielt Rühmkorf zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Gesundheitsbedingt war Roseburg zuletzt sein Hauptwohnsitz. Dort verstarb er auch.

Holger Marohn

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