Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Büchens Gedächtnis freigelegt
Lokales Lauenburg Büchens Gedächtnis freigelegt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:49 05.02.2018
Unter dem abgetragenen Pflughorizont haben Mitarbeiter des archäologischen Landesamtes auf dem als Baugebiet designierten Acker zahlreiche Funde markiert – teilweise notdürftig erst einmal mit Einweg-Plastikgabeln. Quelle: Fotos: Holger Marohn

Hunderte Marken mit Nummern stecken im Boden. Dazu kommen unzählige Plastikgabeln. Jede einzelne markiert eine Stelle, die sich die beiden Mitarbeiter des archäologischen Landesamtes noch einmal ansehen müssen. Denn unter dem landwirtschaftlichen Pflughorizont war die Erde Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende unberührt. Das was dort liegt, ist das archäologische Gedächtnis Büchens – oder besser gesagt Pötraus. Und diesem drohen nun die Bagger für das Neubaugebiet den Garaus zu machen.

Zur Galerie
In Büchens Ortsteil Pötrau soll ein großes Neubaugebiet entstehen. Doch schon vor Tausenden Jahren haben dort offenbar Menschen gesiedelt. Doch um das archäologische Gedächtnis der Gemeinde zu sichern, drängt die Zeit. Denn inzwischen lässt die Gemeinde die Bagger rollen.

Fundstellen

Jede Fundstelle wird nummeriert (Foto unten) und dokumentiert.

Ohne Lizenz mit Sonde zu suchen, ist eine Straftat. Es drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis.

Dass sich das genauere Suchen lohnen könnte, haben die Archäologen bereits Anfang vergangenen Jahres festgestellt. Während von verschiedenen Nachbarflächen aus früheren Jahrzehnten bereits zahlreiche Funde bekannt sind, entdeckten die Experten im März neben zahlreichen Siedlungsfunden auch eine römische Münze des 2. Jahrhunderts. „Da jetzt jedoch zureichende Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass im Verlauf der weiteren Planung in ein Denkmal eingegriffen werden wird, sind gemäß Paragraph 14 Denkmalschutzgesetz archäologische Untersuchungen erforderlich“, stimmten die Archäologen in einer im B-Plan-Verfahren abgeforderten Stellungsnahme einem Baubeginn nur unter Vorbehalt zu. Die Kosten für diese Untersuchungen habe gemäß Denkmalschutzgesetz der Verursacher des Eingriffs, also die Gemeinde zu tragen, ist dort zu lesen.

Dabei sei zu berücksichtigen, „dass archäologische Untersuchungen zeitintensiv sein können und eine Genehmigung möglichst frühzeitig eingeholt werden sollte, damit keine Verzögerungen im sich daran anschließenden Planungs- und Bauablauf entstehen“, erinnern die Wissenschaftler weiter. Entsprechend sollte „der Planungsträger sich frühzeitig mit dem Archäologischen Landesamt in Verbindung setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen“.

Die Gemeinde hat diesen Einwand in den Umweltbericht und die B-Planbegründung aufgenommen. Nur anders als beispielsweise bei der Erschließung des Gewerbegebietes in Geesthacht, wo die umfangreichen Untersuchungen ein großes Urnenfeld freigelegt und damit auch für Verzögerung der Erschließung gesorgt haben, haben in Büchen-Pötrau keine Voruntersuchungen stattgefunden. Stattdessen lud die Gemeinde vor zwei Wochen zum Ersten Spatenstich – und alarmierte damit die zuvor ignorierten Archäologen. Die müssen nun zwischen Baggerschaufeln sichern, was noch zu sichern ist.

Holger Marohn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vier Männer, einer davon vermummt, sollen am vergangenen Freitag einen 27-Jährigen und eine Bekannte in einer Wohnung in der Möllner Hauptstraße überfallen haben. Später soll ein weiterer Möllner den Vermummten aus Lauenburg mit dem Auto angefahren und verletzt haben.

05.02.2018

Unbekannte haben auf dem Golfplatz Brunstorf einen abgestellten Bagger gestohlen, sind mit dem 16-Tonner gut 1000 Meter über das gepflegte Grün gefahren, haben eine Holzbrücke eingerissen – und den Koloss anschließend in einem Teich zwischen den Löchern 17 und 18 versenkt.

05.02.2018

Die Volkshochschule Ratzeburg setzt die politische Bildungsarbeit gemeinsam mit dem Verein „Miteinander leben“ und der „Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen“ (PfD) fort. Vorträge über „Reichsbürger“ oder „Putins Russland“sind geplant.

05.02.2018
Anzeige